Heft 
(1861) 10 10
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Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

wache nahe bei dem Quartier dieſes argwöhniſchen und einſamen Thieres, benutzt den Augenblick, wo er ent⸗ fernt iſt, um ſeinen Koth am Eingang der Höhle abzu⸗ ſetzen, und nöthigt ſo den Dachs, deſſen Liebe für Rein⸗ lichkeit wohl als Sprichwort gelten könnte, ſich nun an⸗ derswo ein Lager zu graben. Der Fuchs bemächtigt ſich dann des ſchiefen Laufgrabens, der oft ſchon ſehr tief durch ſeinen Vorgänger vorbereitet iſt, und nachdem er ihn ein wenig erweitert hat, findet er darin eine eben ſo ſichere als bequeme Wohnung mit Röhren und Keſſel.

Hat er ſich nun geſchickt einen Zufluchtsort beſorgt, der mit Ausgängen zur Flucht verſehen iſt und ein paar Nothbaue bei Verfolgungen enthält, ſo zögert der Fuchs nicht länger, ſich in's Feld zu legen. Benachrichtigt durch das entfernte Krähen des Hahnes, nähert er ſich dem Pachthof oder Weiler, den er zum Schauplatz ſeiner Räubereien zu machen denkt. Geduckt, nicht weit von dem Ort, welchen er bedroht, wartet er, bis die Nacht faſt gänzlich zu Ende iſt, kriecht auf dem Bauche fort und ſchleicht ſich quer hinein durch Hecken und Büſche, dabei ſorglich immer die Naſe in Witterung haltend. Er langt endlich an, und es iſt ſehr ſelten, daß ſeine Beharrlichkeit nicht belohnt werde. Er weiß Mauern zu überſpringen oder unterirdiſch einen Weg ſich zu graben, um in den Hühnerhof einzudringen, und dann wehe Allem, was ſich in ſeinem Bereich findet! In einem Augenblick iſt Alles zu Tode gelegt. Unter ſeinen Opfern ausleſend, zieht er ſich flink zurück, eine leidliche Beute wegtragend, welche er in ſeinem Bau niederzulegen geht. Er kehrt einen Augenblick darauf wieder, um eine zweite zu ſuchen, dann eine dritte und ſo hinter einander, bis er Alles entführt hat, oder der Tag anfängt zu däm⸗ mern und ihn benachrichtigt, daß es Unklugheit ſein würde, dem Orte ſich wieder zu nähern, wo er das Blutbad angerichtet. Er nimmt ſich übrigens in Acht, ſeine Beute in einem einzigen Schlupfwinkel niederzu⸗ legen, denn das würde ihn der Gefahr ausſetzen, Alles auf einmal zu verlieren; jedes Stück wird an einem verſchiedenen Ort niedergelegt und oft in bedeutenden Entfernungen bald unter Moos, bald unter Geniſte, bald in ein Loch, ausgehöhlt in der Haſt. Da iſt es, wo er nach Bedarf hingehen wird, ſie zu ſuchen, und er ver⸗ fehlt nicht, den Platz wieder zu erkennen, oft drei oder vier Tage nachher.

Der Fuchs wählt vorzugsweiſe die langen und düſteren Winternächte, um ſich ganz in der Stille in unſere Hühnerſtälle einzuführen. Im Sommer legt er mehr Kühnheit in ſeine Raubzüge, als ob er dadurch das Weniger an Zeit ergänzen wollte, das ihm die kur⸗ zen und hellen Nächte laſſen. Bei Tage geduckt unter einem Strauch, erwartet er, daß irgend welches Geflügel komme, ein Obdach gegen die Hitze zu ſuchen. Manch⸗ mal ſogar ſtürzt er ſich in Mitte eines Hühnerhofes, er⸗ greift ſein Opfer und ſchleppt es fort, ohne ſich beun⸗ ruhigen zu laſſen durch das ihn verfolgende Geſchrei. Aber, um ſo offenkundig zu handeln, muß er durch einen gewaltigen Hunger getrieben ſein.

Uebrigens ſind die Pächter und Meier nicht die einzigen, welche ſich oft viel Mühe geben, dem Fuchs

irgendwelche ſehr ſaftige Mahlzeit zu verſchaffen, auch die Jäger bezahlen ihm ihren Tribut. Hat man in ſeiner Nachbarſchaft etwa Schlingen gelegt, Schnepfen, Droſ⸗ ſeln, Rebhühner u. ſ. w. zu fangen, ſo weiß er ſehr wohl ſie vor dem Vogelfänger zu beſichtigen und der in die Falle gegangenen Krammetsvögel ſich zu bemächtigen; er wiederholt ſogar ſeinen Umgang mehrere Mal in der Tageszeit, ſicher, daß er ſeinen Gewinn darin finde. Oft wenn das Bellen einer Koppel Hunde ihm anzeigt, daß man Haſen oder Kaninchen jage, legt er ſich in Hinterhalt und entführt das Wildpret im Durchzug auf irgend eine Weiſe vor der Naſe des Jägers.

Wenn er nicht den Gewerbfleiß des Menſchen zu einem Vortheil wenden kann, wenn es keinen Jäger in der Gegend gibt, und der Hühnerhof durch einen allzu wachſamen Hund gehütet wird, ſo fürchtet der Fuchs deßhalb nicht Hunger zu leiden. Vereinigt mit einem Kameraden, geht er nun, das junge Häschen zu jagen; der eine ſucht die Fährte, folgt ihr anſchlagend wie ein junger Hund, verfolgt ſeine Beute mit Ausdauer und treibt ſie in die Nachbarſchaft ſeines Geſellen, welcher geduckt unter einem Heidekrautbüſchel ſie geduldig er⸗ wartet und beim Durchzug überfällt. Die Theilung ge⸗ ſchieht mit Billigkeit. Man verſichert, daß, wenn der, welcher auf ſolchem Anſtand war, ſeinen Satz verfehlt hat, weil er die Tragweite ſeines Sprunges ſchlecht be⸗ rechnete, er auf den nämlichen Platz zurückkehre und wieder anfange zu ſpringen, als ob er durch dieſe Uebung die Geſchicklichkeit erwerben wolle, ſich ein andermal nicht zu trügen.

Iſt die Jagd auf den Haſen nicht glücklich geweſen, ſo ſchlägt der Fuchs einen andern Weg auf die Kanin⸗ chen ein. Oft überfällt er ſie im Lager oder verfolgt ſie, wenn ſie durch die Flinte eines Jägers verwundet ſind. Andere Male gräbt er die Erde oberhalb ihres Baues aus und bemächtigt ſich der jungen Kaninchen. Er ſucht auch die Neſter von Rebhühnern und Wachteln auf, nimmt die Mutter von den Eiern weg, verſchlingt gleicher⸗ weiſe die letztern und zerſtört ſo eine übermäßige Menge Wildpret. Im Uebrigen hat er keinen eigenſinnigen Ge⸗ ſchmack, und aus Mangel anderer Beute weiß er ſich recht wohl mit Ratten, Feldmäuſen, Schlangen, Kröten u. ſ. w. zu begnügen. Einzig unter allen Fleiſchfreſſern, wagt er den Stacheln des Igels zu trotzen. Er ſtößt und drückt ihn gegen die Erde, indem er ſorglich die Spitze der Dolche vermeidet, zwingt ihn, ſich aufzu⸗ rollen, und verſchlingt ihn dann, indem er ihn beim Bauche packt, dem einzigen Theil, welcher nicht beſchützt iſt. Nach Bedürfniß macht er ſich zum Fiſcher und er⸗ greift ſehr geſchickt den Fiſch, der wieder auf die Ober⸗ fläche des Waſſers herauffährt, oder die Krebſe, die allzuſehr dem Ufer ſich nähern. Endlich, wenn es ſein muß, macht er Jagd auf Käfer und Regenwürmer, ſelbſt auf Heuſchrecken und verſchlingt ſie zu Hunderten. Wenn der Zufall irgend Milch, Käſe, Früchte auf ſeine Bahn ſtellt, ſo läßt er ſich dieſe ebenfalls wohlgefallen. Er liebt ſehr die Trauben, und im Herbſt, wenn er ſich nach ſeiner Gemächlichkeit davon ernähren kann, wird er ſehr fett, verliert zum Theil ſeinen ſtarken Geruch