Heft 
(1861) 10 10
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Th. Reinwald: Theodor. 293

Es ſind vier Jahre, daß wir uns nicht geſehen haben, bemerkte Alexander mit einem tiefen Seuf⸗ zer;ſage mir, wie haſt Du dieſe Zeit verlebt? Deine Briefe geben kein Bild Deines Lebens; ſie laſſen für Manche zu viel, für Manche zu wenig errathen.

Was willſt Du damit ſagen? fragte Theo⸗ dor mit einem raſchen Aufblitzen der Augen.

Nichts, als daß Du uns ſeit einiger Zeit räthſel⸗ haft geworden biſt. Mama grämt ſich über Dich, und ſo ganz Unrecht hat ſie nicht. Geſtehe mir aufrichtig, ob Du Dich immer befriedigt gefühlt haſt, oder ob irgend eine Lücke in Deinem Leben iſt? Sonſt warſt Du offen gegen mich iſt es jetzt anders geworden?

Was willſt Du denn für Geſtändniſſe von mir haben, feierlicher Bruder? entgegnete Theodor mit etwas erzwungener Ironie.Haſt Du mich jemals ſchwärmeriſch, oder weichlich, oder verzärtelt gekannt, oder ſollte ich das Alles jetzt geworden ſein? Was ſollen dieſe inquiſitoriſchen Fragen? Hat etwa Mama Dich beauftragt, zu ſondiren? Oh ich kenne die heim⸗ lichen Konſpirationen meiner Mutter und einer ge⸗ wiſſen andern alten Dame; aber ſie tragen ſich Beide mit ſehr vergeblichen Gedanken.

Du biſt allzu ſcharfſinnig. Aber Du weichſt mir aus. Es iſt etwas an Dir, Theodor, das zwißhen Einſt und Jetzt einen großen Unterſchied macht; irßend Etwas, das ich fühle, aber nicht ſehen kann. Du biſt verändert und Deine Briefe waren ein treuer Abklatſch Deines Weſens. Biſt Du mit Deinem Beruf etwa un⸗ zufrieden?

Bah, ſagte Theodor mit einem halb ver⸗ ächtlichen Achſelzucken.Der eine Beruf iſt ſo gut wie der andere; übrigens weißt Du ja, daß ich ihn mit Ueberlegung gewählt habe, zum größten Entzücken unſerer Mama, die durchaus Dich zum Advokaten machen wollte, während mein Papa aus mir einen ldaten ſchnitzen zu können glaubte. Wir wählten 8 umgekehrten Verhältniß und befriedigten ſo beide Theile.

Nun alſo?

Deine Frage iſt beantwortet. Ich bin mit Eifer und Glück Advokat, es macht mir Spaß, aus krummen Wegen gerade zu machen; übrigens bekümmere ich mich nicht weiter um das Leben der Reſidenz.

Aber auch nicht um das Deiner nächſten Umge⸗ bung!

Ah, wieder eine Botſchaft aus dem Feindes⸗ lager! Hat Frau von Brühl mich angeklagt?

Du biſt bitter und ſpottſüchtig, warf Alexan⸗ der erſtaunt über dieſe ſonderbare Stimmung ſeines Bruders ein;ich werde nicht weiter forſchen, aber ich bin beſtärkt in der Idee, daß Dein Gemüth nicht frei von einem heimlichen Druck iſt, ſo ſehr Du ihn ver⸗ hehlen willſt.

Ein tiefer Schatten lagerte ſich zwiſchen den aus⸗ drucksvollen Brauen CTheodors und hüllte gleichſam das große, hellgraue Auge ein. Um ſeinen feingeſchnit⸗

ttenen Mund zuckte der Wiederſchein herber Empfin⸗ ungen.

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Laß das, ſagte er endlich, wie beläſtigt durch dieſe Theilnahme, deren Echtheit er indeß nicht ver⸗ kannte;Du weißt ja, daß ich als Knabe ſchon eigen war und darum oft geſcholten wurde. Papa nannte mich einen Kopfhänger und wollte mich deßhalb dis⸗ eiplinariſch kuriren,; Mama ging ſanfter zu Werke, ver⸗ griff ſich aber gleichfalls, denn auch ihre Diagnoſe war falſch. Sie brachte mich mit mediciniſchen Rathſchlägen zur Verzweiflung; um mich geſund zu machen, wühlte ſie in Recepten.

Aber, mein Gott, Du warſt ja vor dem Antritt Deines Berufes ſo ernſtlich leidend, daß wir Alle um Dich beſorgt ſein mußten und unſere ganze Hoffnung damals auf jener Reiſe beruhte

Alepander unterbrach ſich denn er ſah ſeinen Beuder plötzlich ſo blaß werden, daß er unwillkürlich ſeine Hand feſter faßte und ihm erſchreckt in's Geſicht ſah. Aber Theodor faßte ſich und geſtattete die Be⸗ merkung nicht, die auf Alexanders Lippen ſchwebte.

Nun, jene Reiſe, ergänzte er unbefangen,hat mich von meinen Aerzten befreit; ſie bekam mir vor⸗ trefflich.

Vielleicht körperlich, warf Alepander ein, dem der ironiſche Ton dieſer Worte nicht entgehen konnte;ich habe Dich ja ſeither nicht wiedergeſehen; aber erheitert hat ſie Dich nicht, denn von da an ſchreibt ſich die Stimmung, über die Mama ſtets zu klagen pflegt.

Theodor preßte wie gepeinigt die Lippen über⸗ einander, und wie aus dem Himmel ſchien ihm jetzt die jugendfriſche Stimme zu klingen, die verkündete, der Thee erwarte die beiden Herren.

Alexander fühlte ſich einen Augenblick nieder⸗ gedrückt von der ſonderbaren Verwandlung in Theo⸗ dors Weſen. Aber er war eine zu ſanguiniſche Natur, um ſolche Eindrücke lange feſtzuhalten, und der heitere Blick ſeines Weibchens gab ihm vollends ſeinen Froh⸗ ſinn zurück. Theodor blieb wortkarg und wechſelte mit der jungen Frau kaum einige allgemeine Phraſen. Er ſah abgeſpannt und ermüdet aus und zog ſich auch bald unter dem Vorwande, von der Reiſe fatiguirt zu ſein, auf ſein Zimmer zurück.

III.

Die Nacht war ſtill und lau. Am fernen Horizont drohte das Gewitter, das die Schwüle des Abends ſchon verkündet hatte. Durch die Stille des Waldthales führte der Wind das gewaltige Rauſchen der Baum⸗ wipfel herüber zum Landhauſe.

Theodor von Krüden ſtand am geöffneten Fenſter und ſchaute unverwandt in die dunkle Wald⸗ partie hinaus. In dieſem düſteren Blick, dieſer re⸗ gungsloſen Haltung, ſprach ſich eine kalte Reſignotion aus; ein dumpfes Aufgeben der Hoffnuns⸗ wie nach einem plötzlichen vernichtenden Schlag. In der Tiefe ſeiner Bruſt gähren die Elemente noch, aber die Ober⸗ fläche iſt unbeweglich. Wie jene ſchwarze Wolke dort