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276 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
Berge. Im Gebirge erklettert ſie zwar gern Felſen, ſteigt aber in Mitteldeutſchland ſelten über 1000 Fuß, in Süddeutſchland etwas höher, in den Alpen ſogar bis 4000 Fuß. Die Kiefer wird im Allgemeinen ſelten 100 Fuß hoch, auf günſtigem Standort und geſchont aber auch bis 130 Fuß. Die Schwarzkiefer wird ſelten achtzig Fuß hoch. Die Stärke des Stammes beträgt meiſt nicht über zwei Fuß, ſelten drei bis vier Fuß. Die Rinde iſt riſſig und blättert ſich ſchuppenartig ab, ſo daß an ge⸗ ſunden Bäumen auch Flächten nicht lange bleiben, und die Kupferfarbe immer ziemlich rein hervortritt. Die Rinde der Schwarzkiefer iſt ſchwarzbraun und rauher. — Das Alter ſtarker Kiefern wird auf 300 Jahre geſchätzt.
Es gibt in Deutſchland vier wirkliche Arten von Kiefern: 1. Die gemeine oder Föhre(auch Kienbaum und fälſchlich Tanne(Pinus sylvestris); 2. die öſter⸗ reichiſche oder Schwarzkiefer(Pinus nigricans oder austriaca), wovon einige Botaniker die auf Donau⸗ inſeln und am adriatiſchen Meere wachſende ähnliche Strandkiefer(P. maritima) als beſondere Art unter⸗ ſcheiden; 3. die Zürbelkiefer(in der Schweiz Arve, in Tirol Zutſche, Zürne,(Pinus Cembra); 4. die Krumm⸗ holzkiefer(Legföhre, Latſche, Zwergkiefer,(Pinus Pumilio oder Mughus). Die beiden letzten Arten ſind Alpenbe⸗ wohner, von denen ſpäter zugleich mit der ebenfalls alpiniſchen Lärche die Rede ſein wird.
Sagen kennt das deutſche Volk von der Kiefer nicht, wohl aber das ſlaviſche, welches ſie von einer Fee bewohnen läßt, die von Zwergen bedient wird. Große Erinnerungen knüpfen ſich ebenſo wenig daran, und die Dichter haben ſich noch nicht darum bekümmert. Dagegen iſt ſie der Lieblingsbaum des Landſchafts⸗ malers. Herrlich iſt die Kiefer im Miſchwald des Ge⸗ birges, wo ſie die dunkelſte Schattirung bildet und be⸗ ſonders mit dem jungen Grün wahrhaft wunderbar wirkt. Die bläuliche Färbung des Kieferwaldes ver⸗ urſacht ein ſcheinbares Zurücktreten, gleichſam eine künſt⸗ liche Luftperſpektive, welche von denkenden Landſchafts⸗ gärtnern benutzt wird, um eine ſcheinbare Ferne hervor⸗ zubringen. Im Garten iſt nur die Schwarzkiefer und Zürbelkiefer ſchön und paſſend, aber im großen Park ſind alle Kiefern, jedoch nur in Gruppen, von größter Wirkung, unſchätzbar auf Höhen und als Hintergrund. Möchte es mir gelungen ſein, dieſem von Vielen nicht genug geachteten Baum die verdiente Geltung verſchafft zu haben!(Nat.)
Wie man auf Irland reiſt.
6) uf der ganzen Inſel, erzählt Winkler in ſeinem trefflichen Buche über Island, iſt nicht anders fortzukommen, als zu Pferde. Wagen und Karren ſind gänzlich unbekannt, zu Fuß zu gehen iſt in den meiſten Gegenden ein Ding der Un⸗ möglichkeit. Straßen exiſtiren nicht, ebenſowenig
Brücken über einen Fluß. Die einzige Brücke der Inſel
liegt in einem Fluſſe, ihre Bekanntſchaft werden wir ſpäter machen. Die nicht zum Vortheil des Reiſenden in der Phyſiognomie des Landes vorherrſchendſten Züge ſind die Heidi, die Hraun, das Myri und der Haul. Die Heidi iſt eine Hochebene, die Hraun ein Lava⸗ feld, das Myri ein Sumpf, der Haul eine ausge⸗ zeichnet gelungene Zuſammenſetzung verſchiedener Boden⸗ ſchwierigkeiten.
Die Heidi entbehrt alle Naturreize, iſt aber, was die Reiſebeſchwerden betrifft, blos als Vorſchule zu betrachten. Ihre Oberfläche, welche ſich in ſanften Wellen⸗ hügeln forterſtreckt, iſt mit einer kaum einige Zoll dicken und überall durchlöcherten und zerriſſenen Raſendecke überzogen, und darüber her liegt kleiner Geſteinſchutt ausgeſtreut. Nur dort und da ragt eine größere Fels⸗ bank hervor. Die Spuren der Pferde, welche ſeit Jahr⸗ hunderten dahinüberziehen, laufen als ſchmale ſeichte Rinnen, mit ſcharfkantigen Steinen erfüllt, parallel und netzförmig verſchlungen, darüber und bilden zuſammen eine einige hundert Schritte breite Straße. Der ſolcher Paſſage ungewohnte Reiter braucht ſeine ganze Auf⸗ merkſamkeit dafür, ſein Pferd durch das Labyrinth der doch mehr oder weniger beſſern Weglein durchzuleiten, um mit der Karawane gleichen Schritt zu halten. Es iſt gut für ihn, daß hier Alles dazu angethan, ſeine Augen und Gedanken nicht von Pferd und Weg abzu⸗ lenken. Es herrſcht die tiefſte Ruhe, nicht einmal das melancholiſche Tippen eines Brachvogels, oder der grelle Schrei eines aufgeſchreckten Schneehuhnes, wie oft in isländiſchen Niederungen, läßt ſich vernehmen. Wer noch nicht ſelbſt in Island gereiſt iſt, der kann ſich von der Beſchaffenheit einer ſolchen Heidi keine Vorſtellung machen. Plateaus ſind zwar ſonſt keine ſeltenen Landes⸗ formen, aber mit ſolcher Oberfläche, ſolcher Spärlichkeit der Vegetation, ſolcher Einſamkeit, Einförmigkeit und Ausdehnung in nächſter Nähe ewigen Eiſes, ſind ſie nur Island eigen.
Die Hraun kommt häufiger vor als die Heidi und prüft Herz und Nieren. Der Ritt durch einen ſolchen Lavaſtrom iſt eine mühſelige, langweilige Arbeit. Wenn man eine Eiſchale auf einer Tiſchfläche zerdrückt, ſo gäbe das eine Oberfläche, die ungefähr der dieſes erſtarrten Geſteinſtromes ähnlich wäre.
Die Geſteinmaſſe der Lava iſt hart und von der⸗ ſelben Art wie das Baſaltgeſtein. Im Zuſtande des Schmelzens, in welchem ſie ſich über den Boden ergoß, blähte ſie ſich auf und die Blaſen riſſen auf, ſchäumte ſie auf und floß, oft tropfenweiſe, wieder zurück, das mehr und minder Flüſſige ſperrte ſich gegen einander, rieb ſich aneinander, das Flüſſige rollte ſich auf oder floß über das andere hinweg. In dieſem Zuſtande er⸗ ſtarrte die Maſſe durch das Nachlaſſen der Hitze, und es blieb ihre ſo unruhig bewegte Oberfläche verſteinert für immer erhalten. Die Erſtarrung ſelbſt aber veran⸗ laßte wieder Vorgänge, welche dieſe Oberfläche noch unebener machten. Hier iſt dieſelbe, wie aus hundert feinen Fäden getrieben, die ſich innerhalb eines ſchwarzen glänzenden Rahmens in Knoten und Maſchen ver⸗ ſchlingen, eine kunſtreiche Agraffe für den Mantel


