Heft 
(1861) 9 09
Seite
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habe ich meine Abneigung gegen den mir verhaßten Rock⸗ und Jackenzwitter ausgeſprochen. Meine freund⸗ lichen Leſer mögen es entſchuldigen, wenn ich bei jeder Gelegenheit die Scipioſche Sentenz ceterum censeo Carthaginem esse delendam in meiner Art moderniſire.

Auch dem hohen ſchwarzen Cylinder ſind ſchon in früheren Schriften einige liebenswürdige Wahrheiten geſagt worden.

Wir kennen Alle die Gellert'ſche Fabel vom Hute.

Der Erſte, der mit kluger Hand Den Männerſchmuck, den Hut, erfand, Trug ſeinen Hut unaufgeſchlagen, Die Krempen hingen flach herab

Und dennoch wußt' er ihn zu tragen, Daß ihm der Hut ein Anſeh'n gab. Er ſtarb und ließ bei ſeinem Sterben Den neuerfund'nen Hut dem Erben.

Schön mag allerdings dieſe Art Hut nicht ausge⸗ ſehen haben. Jeder Erblaſſer teſtirt über den Hut, und jeder Erbe bringt ſeine Verbeſſerungen an. Die Geſtalt wird neu, der Hut ſelbſt aber bleibt alt und der alte ſchalkhafte Gellert kann ſich nicht enthalten, ſeine lie⸗ benswürdige Hutfabel mit der Moral zu ſchließen:

Und daß ich's kurz zuſammenzieh', Es ging dem Hute faſt wie der Philoſophie.

Leider iſt der Name des erſten Erfinders des Hutes der Nachwelt nicht aufbewahrt, aber noch viel bedauerns⸗ werther iſt, daß auch der Name desjenigen verloren ging, der zuerſt auf die Idee kam, der ehrenwerthen Geſtalt des Hutes der Vorzeit eine thurmähnliche Cy⸗ lindergeſtalt zu geben.

Ein Wohlthäter der Menſchheit, oder vielmehr der Männerwelt kann es nicht geweſen ſein, und war es ein Satyr, dann mögen ſich noch im Grabe unſere Enkel für die Großväter ſchämen, die ſich ſo lange die Foppereien des Satyrs mit ihren Nachwirkungen ge⸗ fallen ließen.

Nach meiner beſcheidenen Vorſtellung von einem normalen Bekleidungsgegenſtande muß dem menſch⸗ lichen Körper unter allen Umſtänden ſeine natürliche Bauart möglichſt wenig beeinträchtigt werden. Der Körper des Königs der Schöpfung iſt ein ſo erhabenes Meiſterwerk des Schöpfers ſelber, daß es mehr wie Leichtſinn, daß es geradezu Sünde iſt, die Formen muthwillig zu zerſtören oder zu verhüllen.

Wie aber in aller Welt läßt ſich der Cylinderhut mit den Formen des Kopfes vereinbaren? Fätte der liebe Gott gewollt, es wäre ihm ja ein leichtes geweſen, unſer Aller Haupt thurmähnlich zu zieren, wie er dem Stier die Hörner, dem Elephanten den Rüſſel, dem Rhinoceros das Naſenhorn gab. Ich will damit nicht geſagt haben, daß es heutigen Tages keine Männer gibt, die einen Kopfſchmuck tragen; das Geſchlecht der Aktäons wird nicht ausſterben, ſo lange die Welt ſteht. Der liebe Gott aber gab uns einen gewölbten Schädel und üppigen Haarwuchs auf die Schädelhaut, und ich wette Zehn gegen Eins, nur in der Hoffnung hat er uns ſo geſchaffen, daß wir uns nur einer leichten, mög⸗

Frack, Hut und Halseiſen. 271

lichſt der edlen Form des Hauptes angepaßten Kopfbe⸗ deckung bedienen würden. Wir aber ſtülpen ein ſchwar⸗ zes hohes Gebäude auf's Haupt, das unter den gierig eingeſaugten Sonnenſtrahlen erglüht; wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn hirnverbrannte Ideen auftau⸗ chen. Mit Sanftmuth aber werden alle Unbequemlich⸗ keiten ertragen, man bleibt auf Reiſen geduldig belä⸗ ſtigt, iſt in öffentlichen Lokalen ſtets in Verlegenheit, was mit dem Hute anzufangen, ſetzt den Hut der Ge⸗ fahr aus aufgetrieben zu werden und ſchaut wehmüthig jeder Regenwolke entgegen, die ſich entladen und das theure Bedeckungsmittel arg beſchädigen könnte.

Eine geiſtreiche, engliſche Dame vergleicht einen Mann mit Hut und Frack mit einer Krähe, die den Deckel einer ſchwarzgeſtrichenen Zündholzſchachtel auf's Haupt ſtülpte. Und Miß Maria S. Cummins hat Recht.

Gäbe es Krähen mit weißen Hälſen, oder gäbe es überhaupt Anſtreicher unter dem Geſchlecht der Krä⸗ hen, die den Kameraden bei großen Galacouren Hals ſtreifen in Weiß malen könnten, der Vergleich der eng⸗ liſchen Schriftſtellerin würde noch mehr auf unſere mo⸗ derne junge Männerwelt paſſen.

Jene weißen Streifen würden die Mode der Hals⸗ eiſen charakteriſiren.

Als der Jabot abkam und man ſich zu den ein⸗ fachen weißen Chemiſettes mit detto Halskragen be⸗ kehrte, da war eine große That geſchehen, ein Schritt zur geſchmackvollen Einfachheit gethan. Es kamen die Oberhemden und das war kein Fehler: die Tracht iſt kleidſam und bequem. Der geſchmackloſe Vatermörder war beſiegt, der ſtets das Beſtreben zeigte, das Ohr⸗ läppchen vom Kopfe abzuſchneiden.

Nun mußte irgend ein Engländer auf die Idee fallen, die bisherige Tracht, als zu zwanglos, mit der Etiquette nicht vereinbar zu halten. Er erfand die ſte⸗ henden, den ganzen Hals umſchließenden Kragen und eine möglichſt ſchmale Binde.

So geht denn nun die junge Welt einher mit ſtets wunder Haut am Unterkiefer. Die Neigung des Hauptes wird ihnen ſchwer, aber es ſieht ſchön aus. Wahr⸗ lich, ſehr ſchön!

Ddie Krinoline haben wir zu bekämpfen geſucht in Wort und Schrift, mit Satyre und möglichſt geſchärftem Sarkasmus, es iſt uns nicht gelungen, ein Reſultat zu erzielen.

Die Männer und ihre Modethorheiten bekämpft kein Menſch, wer wird gegen ſein eigenes Fleiſch und Blut wüthen?

Aber, man laſſe ſie doch auch ganz ruhig ge⸗ währen. Sie wollen ſich rächen des nutzloſen Krinolinen⸗ kampfes wegen, indem auch ſie die Thorheiten des Modeweſens zur Schau tragen. Aber es iſt dieſelbe Rache, die jener hoffnungsvolle kleine Weltbürger nahm, als er vom Lehrer wegen ſeiner ſchlechten Handſchrift beſtraft wurde: er hieb ſich mit der Axt den rechten Zeigefinger ab.