Heft 
(1861) 9 09
Seite
261
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Louiſe Meunier. 261

mehr, als es René, der Sie ſo ſehr liebt, nicht gerade leicht ſein dürfte, ganz unparteiiſch zu urtheilen.

Ah ſol ſchon haben Sie meinen guten Ruf untergraben, jetzt wollen Sie auch noch mein Leben vernichten; denn ich ſehe nur zu gut, ich kann, ich darf nicht René's Gattin ſein und dennoch liebe ich ihn, ja, ich liebe ihn!

Ich glaubte, Sie wären ſtärker als ſo; ich hätte nie gedacht, daß Sie ſo ohne Weiteres Ihre Liebe hoff⸗ nungslos aufgeben würden.

Grauſamer! Sie kennen meine Empfindlichkeit, meine ſchwache Seite! Unausgeſetzt wiſſen Sie dieſe zu treffen und laſſen der Hoffnung nicht den geringſten Raum.

Träume, Chimären zerſtöre ich, aber nur, um Ihnen dafür Wirkliches zu bieten. Derjenige, der unfrei⸗ willig Ihr Unglück verurſacht hat, kann es allein wieder gut machen; Rens ſelbſt würde das zugeben.

Was iſt das wieder für eine neue Ironie? Ich weiß nicht, was ich von Ihnen denken ſoll.

Mein geheimer Wunſch war es immer, Ihnen diejenige Stellung, die Ihnen in der Geſellſchaft ge⸗ bührt, dadurch zu ſchaffen, daß ich Ihnen anböte, mein Schickſal zu theilen

Siel! Nein!... Ich will nicht in Ihre Erklärung Zweifel ſetzen; ich will glauben, daß Ihre Abſicht rein iſt. Aber Sie täuſchen ſich. Ich wiederhole noch einmal: ich will René Alles erzählen; ſagen Sie nur ſeiner Mutter nichts; darum bitte ich Sie. Sie ſehen, wie mein armes Herz blutet ſein Zorn iſt mit ſeinem Stolze geſchwunden; meine Dankbarkeit und meine Freund⸗ ſchaft ſoll Ihnen dafür werden.

Stillſchweigen iſt mir da nicht mehr möglich; ich habe leider, als ſie mich um Aufklärung in Betreff un⸗ ſeres Abenteuers erſuchten, meine Niederlage erzählt; ich habe geſagt, daß Sie in jugendlichem Leichtſinn ſich ſelbſt kompromittirten und einen Ehrenmann gleich⸗ zeitig mit.

Und dieſes jugendlich leichtſinnige Mädchen, das Sie thatſächlich moraliſch entehrten, wollen Sie heiraten? Was wird man denn davon denken? frage ich.

Ich habe das Geſtändniß gemacht, daß ich Sie liebte... daß ich ſehr unglücklich geweſen... Man wird glauben, und das iſt wahr, daß ich mich von Ihrer Liebenswürdigkeit wieder bezaubern ließ, und daß mein Edelmuth Ihren und meinen Fehler wieder gut mache.

Ihr gleißneriſches Anerbieten iſt nur eine Falle, die Ihr Groll mir legt; aber ich brauche mich nicht erſt zu hüten, hineinzufallen. Nicht die Lüge, ſondern die Wahrheit würde mich diesmal in Schrecken ſetzen.

Was für Uebertreibungen! ſagte Mor i z Dornet;Sie mögen es glauben oder nicht: Ihre Heirat mit René wird nicht ſtattfinden, und mein An⸗ trag iſt ernſtlich und gut gemeint. Sie ſind zu unerfah⸗ ren und zu unklug; Sie wiſſen Ihr Intereſſe nicht wahr⸗ zunehmen. Schon Herr von Saint⸗Mérin hätte Sie geheiratet, wenn Sie gewollt hätten, aber Sie

wieſen ſein Vertrauen in beleidigender Weiſe zurück; heute iſt René, dieſer Bauer in Herrenkleidung

Jetzt iſts genug; kein Wort mehr ſagte Louiſe.

Ich gehorche um ſo lieber weil ich ſehe, daß Sie ſchon wiſſen, was ich ferner ſagen wollte, und weil ich ſomit auf meinen Antrag zurückkommen kann. Weiſen Sie ihn nicht von der Hand. Mein Vermögen, obwohl beſcheiden, wird uns erlauben alle die Freuden zu ge⸗ nießen, die das Leben anſtändigen Menſchen angenehm machen. Ich habss ſatt, ſo allein meine 30.000 Francs Rente zu verzehren; aber ich ſuche keinen Genoſſen mit einem rieſigen Appetit, ſondern einen, der das Eſſen verſteht und raffinirten Geſchmack beſitzt.

Geſetzt, ich wäre leichtſinnig genug, ſagte Louiſe darauf,Ihren Wunſch aus Furcht oder Eigennutz zu erfüllen, wo würde ich nach der Heirat die Liebe her⸗ nehmen, die ich Ihnen doch entgegen zu bringen ver⸗ pflichtet wäre?

Was ſind das für ſentimentale Albernheiten; ich ſtaune, wie Sie dazu kommen, ihnen ein Gewicht bei⸗ zulegen. Ein Menſch iſt ein Menſch, Geld iſt Geld, Ge⸗ nuß iſt das einzig Solide und Reelle, Liebe iſt nichts als ein Gewürz.

Pfui! ſchämen Sie ſich! Was Sie von mir wol⸗ len iſt Seelenverkauf; Sie wollen, daß ich einſt im Un⸗ glück verzweifle, ſterbe...

Haha! Verzweiflung! Tod! Wer ſtirbt heutzu⸗ tage vor Liebe? Nur Griſetten waren die, die es je ge⸗ than, ſolcher gibt es aber keine mehr.

Wer ſtirbt? rief ſie entrüſtet, während ſich ihre ſchönen Augen mit Thränen füllten;wer ſtirbt? Sie wollen ſagen, wer weiß zu ſterben? Ja, Sie werden's nicht wiſſen, das weiß ich. Daß der Tod nur eine Erlö⸗ ſung iſt von den Leiden dieſes Lebens, daß er nur der Uebergang zur Ewigkeit was wiſſen Sie davon! Ihre letzte Stunde wird Sie ohnmächtig und in pani⸗ ſchem Schrecken finden; wenn Chriſtus ſich Ihrem Sterbe⸗ bett nähert, um Ihnen in ſeiner Barmherzigkeit zu ver⸗ zeihen, ſo wird Ihre Seele ſich ſelbſt nicht verzeihen. Thun Sie, was Sie wollen: Sie haben das Leben, ich werde den Tod haben! Ja, den Tod, das Ende meiner Leiden, die Heilung meines gemarterten Herzens, Ruhe, Freiheit. Ich brauche nicht einmal die Gewißheit, daß mein Tod ein ſeliger ſein wird, um ihn willkommen zu heißen. Ich vertraue feſt auf ſeine Güte und Barmher⸗ zigkeit und das iſt mir genug.

Während Louiſe die letzten Worte ſprach, rollten lichte Thränen über ihre ſchönen Wangen, ihre Bruſt wogte mächtig.

Moriz Dornet ſah ſie an, erſtaunt und be⸗ troffen; ſeine Lippen zogen ſich krampfhaft zuſammen; endlich ſpielte ein ſardoniſches Lächeln um ſeinen Mund, als er anhob:

Sind Sie nicht von dieſer Welt, ſo läßt ſich nichts für Sie thun; zu dem Glücke, das Sie erwarten, kann ich Ihnen nicht gratuliren, noch viel weniger es Ihnen wünſchen.

Wer weiß! erwiederte ſie mit einer Ironie, die jene Dornets weit übertraf.Ich ſehe, Sie ſind hierher gekommen, um ein Gut hier zu ſuchen, das Sie