Heft 
(1861) 6 06
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Ein Brief aus Galizien vom Jahre 1846. 183

deutſchen und polniſchen Abtrünnigen, Soldaten und Beamte niedergemacht, die Fahne der Empörung überall im Lande gleichzeitig erhoben und ſomit das polniſche Reich proklamirt werden ſollte.

In Poſen, Krakau und Tarnow, in Lemberg und Rzeszow und andern Orten ſollte der Ausbruch zugleich erfolgen, die verhaßten Unterdrücker mit Schwert, Feuer, Gift und Dolch in einer Nacht niedergemacht werden. Die Ereigniſſe in Poſen und Krakau verwirren die Fäden des großen Planes, doch kommt er theilweiſe zur Ausführung. Da ergreift das Landvolk, gewarnt, aber wegen Mangel an disponiblem Militär auf ſich ſelbſt reducirt, Dreſchflegel und Miſtgabel, beantwortet die Ermunterungen und endlich die terroriſtiſchen Zwangs⸗ verſuche der Aufwiegler mit Mord und Todtſchlag, und die projektirte polniſche Vesper verwandelt ſich in eine Bartholomäusnacht gegen den inſurgirten Adel und die Anhänger des Polenthums. In drei Tagen iſt im Tarnower, Bochnier,Rzeszower, Wadowicer und Jaszloer Kreiſe alles, was dieſer Partei angehört theils erſchlagen, theils gefänglich eingebracht; auch im Sandecer und Sakoner Kreiſe ſteht das Landvolk noch mehrere Tage in Waffen und verfolgt die Verdächtigen. In den öſt⸗ lichen Kreiſen, wo die Elemente der Bewegung weniger entſchieden auftraten, iſt auch die Reaktion weniger heftig, wenn auch ebenſo drohend.

Mittlerweile verſuchen die Inſurgenten aus Krakau einen Freiſcharenzug über die Weichſel, in der Hoffnung, ihre Anhänger zu ermuthigen und an ſich zu ziehen; das von Truppen entblößte Wieliczka ſteht ihnen offen. Theils durch Gewalt, theils durch Ueberredung verſtärken ſie ſich dort mit ein paar hundert Zuzüglern, worunter kein einziger Bauer aus dem Galiziſchen, ſondern lediglich junge Studenten oder Handwerks⸗ burſchen, und rücken bis Gdow, auf der Straße nach Bochnia, zwei Meilen von Wieliczka, zwei Poſten von Krakau vor. Der Oberſtlieutenant und Generalkommando⸗ Adjutant Benedeck, welcher vom Landesgouverneur ab⸗ geſendet worden war, um die militäriſchen Maßregeln in jenen Gegenden einzuleiten, war inzwiſchen in Bochnia angelangt. Er zaudert keinen Augenblick, ſetzt ſich an die Spitze einer aus einigen ſchwachen Kompagnien Infanterie und fünf Zügen Cheveauplegers beſtehenden Truppenabtheilung, verſtärkt ſich durch eine Schar Grenzjäger unter dem Befehl des Grenzkommiſſärs Janiczewski, und bietet die Bauern der Umgegend auf. In wenigen Stunden ſtellen ſich deren über tauſend zu ſeinem Befehl..

Mit dieſer Macht rückt er den Inſurgenten ent⸗ gegen, trifft ſie in Gdow, greift ſie unerwartet an, zer⸗ ſprengt ſie nach geringem Widerſtand, verfolgt die Flüchtigen über Wieliczka bis Podgorze, wo ſich der Reſt der Freiſcharen über die Weichſel nach Krakau rettet, während mittlerweile die den Nachtrab bildenden Bauernhaufen die zurückbleibenden Inſurgenten ohne Gnade niedermetzeln, trotz der Bemühung der Linien⸗ truppen, die Gefangenen zu ſchonen.

Ein gleichzeitiger Angriff auf Podgorze von Wa⸗ dowice her, bringt dieſes wieder in die Hände der Kaiſer⸗

lichen. Unmittelbar darauf rücken ruſſiſche und preußiſche Truppen in den Freiſtaat, und in wenigen Tagen erfolgt die unblutige Beſetzung von Krakau und ſomit das Ende der Inſurrektion. Alles kehrt in die Ruhe zurück, und es erübrigt der Regierung nur noch, die lediglich zu ihren Gunſten erhobene Bewegung zu beſchwichtigen, die Gemüther zu beruhigen, und nach und nach die Wunden zu heilen, welche dieſe unglücklichen Ereigniſſe dem Lande geſchlagen haben.

Es ſteht alſo das Faktum feſt, daß trotz der ausgebreiteten, vielverzweigten Verbindung, die ihr Lebensprincip nur in den Kreiſen der Güterbeſitzer und ihrer Abhängigen und eines Theiles der Levitas(ſo nennt man in Spanien alle bürgerlich oder modiſch Gekleideten) fand, dieſelbe nicht allein im Landvolke durchaus keinen Anklang finden konnte, ſondern viel⸗ mehr an deſſen entſchiedenem Widerſtand ſcheiterte daß der Dreſchflegel des Bauers den ſchon gezückten Dolch des Verſchwornen nebſt dem Arme, der ihn führte, und dem Kopfe, der ihn leitete, zerſchmetterte. Es ſteht feſt, daß von den zahlreichen Bataillonen, welche gegen die Inſurgenten zogen, ſämmtlich einge⸗ borene Landeskinder der Regimenter Nugent, Haynau, Fürſterwärther, Hohenegg nicht ein einziger gemeiner Mann zum Feinde überging; ſondern vielmehr alle Urlauber der beſagten Regimenter und der dazu ge⸗ hörigen Landwehrbataillone freiwillig zu ihren Fahnen ſcharenweiſe herbeieilten; es ſteht feſt, daß dieſe ge⸗ ſammte, früher auf dem Lande zerſtreute und ſich ſelbſt überlaſſene Mannſchaft allen Verführungskünſten der Verſchworenen trotzte, und gerade ſie am offenbarſten ihre Anhänglichkeit an das Kaiſerhaus und ihre ent⸗ ſchiedene Abneigung gegen die ſogenannten nationalen Umtriebe an den Tag legte, welche ſomit ihren eigenen Untergang durch jene Werkzeuge fanden, die ſie am allermeiſten zu ihren Zwecken zu benutzen hofften, und die Reaktion, welche ſie hervorriefen, als weit mächtiger erſcheinen ließen, als das Princip, welches einen Umſturz des Beſtehenden beabſichtigte.

Dieſe Erſcheinungen werden Jenen, welche Polen, Galizien und die öſterreichiſche Regierung überhaupt nur aus Journalen kennen, und die Reſultate abſtrakter Theorien auf die ihnen unbekannten praktiſchen Ver⸗ hältniſſe und Zuſtände anwenden wollen, ein Räthſel ſcheinen.

Wer aber mit letztern vertraut iſt und ſich nicht durch vorgefaßte Meinungen, oder wenn auch edle und poetiſche, aber nichts deſtoweniger irreleitende Sympa⸗ thien und Antipathien blenden und täuſchen läßt, wird den Faden leicht finden, an dem er zur Löſung dieſer ſcheinbaren Widerſprüche gelangt.

Es gehört zu der Eigenthümlichkeit des polniſchen Charakters, daß er alles glänzend anfängt und wenig konſequent durchführt. Während die kleinen Gutsbeſitzer, faſt durchgängig auf die Bewegung eingehend, keine Koſten, keine Aufopferung ſcheuten, um ihre Zwecke vor⸗ zubereiten, vergaßen ſie gerade das Wichtigſte, nämlich das Werkzeug dazu den Bauer zu gewinnen welches, wenn ſie ſeit einigen Jahren ihre Aufmerkſam