Heft 
(1861) 6 06
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und die Trauung Redakteur derZiva).

Londoner Reklamenmacher. Es werden auch bei uns in Deutſchland alljährlich viele Tauſende für Zeitungs⸗ annoncen und gedruckte Anpreiſungen aller Art verwendet wir möchten z. B. blos wiſſen, mit welcher Summe für derlei Reklamen das Budget desBraumeiſters Hoff in Berlin, desalleinigen Eigenthümers des Hoff'ſchen Malz Extraktes, beſchwert iſt ſo toll, wie in England, ver fährt man hier zu Lande aber doch noch nicht, und unſere deutſchen Reklamenmacher verhalten ſich zu den engliſchen, wie Geizhälſe zu Verſchwendern. Man höre nur, was Dr Wynter in ſeinenCuriosities of civilisation erzählt. Profeſſor Hollowah, der Pillenfabrikant, verbraucht Jahr aus Jahr ein für Zeitungsannoncen 20.000 Thaler; der Schneider Nicholls, Erfinder derPatenthoſe, kommt nicht unter 30.000 weg; bei Heal und Sohn, den Bettſtellen fabrikanten, ſteigt die Summe ſogar auf 40.000 das Alles jedoch will noch kaum Etwas ſagen gegen das Beiſpiel von Moſes und Sohn, den Beſitzern des größten Modemagazins in London, ferner von Rowland und Sohn, den Macaſſarölfabrikanten, ſowie von Dr. de Jongh, dem Verfertiger des gereinigten Leberthrans. Jede dieſer drei Firmen gibt im Jahre durchſchnittlich 70 000 Thaler für Inſerate aus. Man kann daraus entnehmen, wie enorm ihr Abſatz ſein mag, aber auch wie gering die Herſtellungs koſten ihrer Fabrikate im Verhältniß zu dem Verkaufs preis ſein müſſen.

Seit Aufhebung der Leibeigenſchaft in Rußland haben viele große Grundbeſitzer daſelbſt Verſuche gemacht, deutſche Koloniſten und Arbeiter einzuführen, die ihnen anſtatt ihrer unzuverläſſigen Leibeigenen die von denſelben bisher geleiſteten Robotdienſte verrichteten. Leider haben dieſe jedoch, wie zahlreiche Beiſpiele gelehrt haben, anſtatt der verſprochenen goldenen Berge dort das entſetzlichſte Elend gefunden und ſind völlig enttäuſcht, krank und hungernd, zum Theil nur durch die Beiträge der öffentlich aufgerufenen Mildthätigkeit in ihre Heimat zurückgeführt worden. Wir erinnern nur an die weſtphäliſchen Bergleute Noch ſchmachten im Innern Rußlands, namentlich in der Nähe Kalugas, zahlreiche deutſche Landsleute, von ge wiſſenloſen Agenten verführt, in der größten Noth und Abhängigkeit, in einer Art Sklaverei, Ohne Hoffnung auf Hilfe und Erlöſung aus ihrer Lage. Um jedoch ähnlichen Vorkommniſſen für die Zukunft möglichſt vorzubeugen, ſind jetzt, wie man hört, in Preußen da Behörden ange

szeugen ſind Redakteure(J. U. C. Wäwra, Cas, und Med. Dr. Greger, Redakteur

des

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wieſen worden, nicht nur durch öffentl enung auf dieſe von ihren Landsleuten dort geme itteren Er fahrungen aufmerkſam zu machen, ſe auch Die jenigen, welche ſich nach Rußland verd haben, vor

efahren zu e Behörden lbſtverſchul

Aushändigung ihrer Reiſepapiere warnen, denen ſie dort entgegengehen gänzlich außer Stande ſeien, ſie dann i deten Unglück zu entreißen.

Dom Pouce f. Wer hätte nicht de Tom Pouce geſehen groß, weil er Jahrhunderts war

vor

en Admiral leinſte ſeines in Barnums zebens vielen

den Tom Pouce Meweoiren eine Rolle ſpielt

und Zeit ſ

gekrönten Häuptern huldvoll Audienz rt hat, der ein nimmer müder Wanderer und ech agabund in Holtei'ſchem Sinn, die Welt auf un der zog und

deſſen Name an der Donau, Rhein u be ebenſo be kannt war, wie an der Themſe Newa? Der arme Tom Pouce iſt nun todt! Ern niſt reich und glücklich, zuletzt aber gar arm und Sein ganzes Vermögen hatte er verloren, Krankheit ſeinen kleinen zarten Körper ergriffen, und ſo ſtark·, ſich vielleicht

Sei

das Ende herbeiſehnend, in einem riſer Spitäler, welches ihm mitleidig die Thore gei atte.

O Kedigirt unter Verantwortlichkeit des nn he

Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor

Das unvorſichtige Wegwerfen brennender Fidibuſſe hat abermals einen beklagenswerthen Unglücksfall nach ſich gezogen. Die ſechs Jahre alte Tochter eines Inſtru⸗ mentenmaches in Wien wurde am Sonntag Nachmittag von ihrem Vater in eine Tabak⸗Trafik geſchickt, wo eben einige Burſchen Cigarren anzündeten und die brennenden Fidibuſſe wegwarfen. Die Kleider der Kleinen fingen Feuer, das erſt gelöſcht werden konnte, als die ſchwerſten Brandwunden entſtanden waren. Das Fleiſch des linken Armes iſt bis zur Achſel verkohlt, dennoch war das un⸗ glückliche Kind am Montag Mittag noch am Leben, aber bewußtlos

In einem franzöſiſchen Blatte theilt ein Hof⸗ journaliſt mit, das Lieblingspferd des kaiſerlichen Prinzen ſei eine Schecke: dies ſei auch die Farbe des Schlacht⸗ roſſes des großen Turenne geweſen. Einen Knaben von fünf Jahren mit Turenne zu vergleichen der Mann verdient fünf Jahre Einzelhaft in Mazas.

Am 3. September d. J. gaſtirte Hr. Wachtel im Poſtillon von Lonjumean auf dem Friedrich⸗Wilhelm⸗ ſtädter Theater in Berlin. Mitten in der Vorſtellung mußte dieſelbe unterbrochen werden aus einer Urſache, die wohl ſelten vorkommen mag. Ein wolkenbruchartiger Re⸗ gen praſſelte mit ſolchem Geräuſch auf das Metalldach des Theaters, daß die Töne auf der Bühne und ſelbſt das gewaltige hohe C des beliebten Gaſtes dem Publikum unhörbar blieben. Es blieb nichts anderes übrig, als den Vorhang niedergehen zu laſſen. Nachdem der Regen vorüber war, nahm die Vorſtellung wieder ihren Fort⸗ gang. Der Sänger, der den Intendanten ſpielte, erſchien mit dem beluſtigenden Impromptu vor dem Publikum: Entſchuldigen Sie, daß ich nicht früher gekommen; der heftige Regen hat mich aber abgehalten.

Des Deutſchen Wandertrieb. In den Deutſchen

ſteckte von jeher ein großer Wandertrieb. Aeneas Sylvius

ſagte im fünfzehnten Jahrhundert von ihnen: iſt es wahr, wie man zu ſagen pflegt, daß da, wo Handel iſt, auch viel Geld iſt, ſo müſſen die Deutſchen ſehr reich ſein,

denn der größte Theil derſelben iſt mit Gelderwerb und Handel beſchäftigt und zieht auf Handelsreiſen in der Fremde umher. Fliehend vor der Armuth, mit Höraz zu reden, über Klippen, durch Meere und Gluthen, kehren ſie nicht eher nach Hauſe zurück, als bis ſie reich gewor⸗ den ſind.

Die beiden Knaben des Generals York, der zwölf⸗ jährige Heinrich und der ſechsjährige Louis, hatten einſt neben des Vaters Zimmer Unterricht; die offene Thür ließ wyn hören, daß die Geſchichte von Mucius Scävola, der die Hand in's Feuer ſtreckt, erzählt wurde. Nach der Stunde ſprach der Vater mit den Knaben von Mucius Scävola und deſſen Heldenmuth, und fragte ſie, was ſie wohl in ähnlichem Falle thun würden? Sie erwiederten: Dasſelhe.So ſoll es verſucht werden, ſagte der ein Blatt Papier zuſammengeballt, Hein rich mußte die ausſtrecken er würde ſich vor dem Vater geſchämt haben, es zu verweigern der Papierballen ward darauf gelegt, angezündet und Hein rich ließ ihn, ſo ſehr es auch ſchmerzte, niederbrennen bis in die Nun wurde Louis noch einmal gefragt; mit Thränen in den Augen blieb er bei ſeinem Wort. Es ward eine Papierkugel ihm in's Händchen gelegt und angezündet und auch er hielt ruhig aus, bis ſie ver brannt war.

Der preußiſche Miniſter des Innern hat befohlen, daß die körperliche Züchtigung in Strafanſtalten immer nur ganz ausnahmsweiſe angewandt werden ſoll, und zwar nur in ganz erheblichen Fällen. Doch darf ſie allein gegen ſolche Sträflinge in Anwendung gebracht werden, die ihre bürgerlichen Ehrenrechte durch rechtskräftiges Er fkenntniß verwirkt haben.

Vater. ward Hand

Hand.