176 doch dieſelb Ew. Gn. wohl verſteht, daß wir unſer Soldner nicht zu bezahlen haben.
„Allerd. K. und Herr, So wir nun ſolcher Hilf nicht vermügen, hat Ew. Gn. einen andern Weg erdacht und meint den Söldnern etliche Schloß, mit Namen March⸗ egg, Potenſtein und das Kaſtenamt hier zu Wien bei dem Rothenthurm, mitſammt den Nutzen und Renten, als wir vernehmen, zu verſchreiben. Solt das beſchehen, ſo war demnach kein Landfried dadurch beſchloſſen und ſie würden uns und das Land gar verderben, wie ſie nun jetzt anheben, uns unſer Frucht einzufeßnen, das wir das ganze Jahr leben ſollten, fahen, ſchätzen und morden, die Leut nehmen, die Roß, Wägen und ander Gut, ſchlagen den Meiſch vor den Weingärten auf die Erde metten und ſothan ſich aller Bosheit. Solches Gewalts und Unrechts Ihr uns doch als Landsfürſt gnediglich und v. R. w. ſollet vor ſein, So ſehen wir aber lauter und merken, daß kein Erbarmen, ſondern nur Verderben dabei iſt.
„Allerd. Kaiſer, Sollt aber lieb und Gnad gehn uns erſchinnen ſein, die wir doch wohl größlich verdient hätten, ſolch Verderben war längſt wohl und ſänftlich niedergelegt worden, daß ſich jetzt wohl erſchienen hat, aus dem, daß Euer K. Gn., zu den dreien Parteien, noch in den Landsfrieden, der mit Ehren aufzunehmen ge⸗ weſen wäre, nit hat kommen laſſen, wiewohl wir Ew. K. Gn. ſolches, da wir um Rath gefragt ſein, treulich gerathen haben und doch Euere K. Gn., ohn die vier Parteien und ſolchen Landsfrieden kein redlicher Ge⸗ horſam nimmermehr geſchehen mag.
„Allerd. K., nachmalen haben wir Euer Kaiſ. Gn. auf den aufgenommenen und geruften Frieden erſucht, Euer Gnad ihre Söldner ihres Solds entrichten, ſie aus dem Land abfertigen wollten, dadurch ſolcher Frie⸗ den deſto füglicher gehalten und unſer Früchte, der wir uns das ganze Jahr in unſern Nothdurften betragen müſſen, herein in die Stadt bringen ſollen, ſeither aber das nicht beſchehen und Ew. Gn. Land und Leuten, auch uns ſelbſt nichts beſſers iſt, denn der Fried, das wir an Ew. K. Gn. nicht erlangen mögen, und darum ſein zu merken, daß wir arm Leut von Ew. K. Gn. ſo gar veracht und gering geſchätzt werden, und unſer arme Dienſt ſo wenig Gedächtniß würdig iſt, auch ein Uebelthäter höher fürgenommen wird, denn fromme Leut und wir doch nie übel an Ew. K. Gn. gethan, ſondern uns allezeit in demüthiger Gehorſam beweiſet haben. Aber uns das alles nicht hilft und ſich Euer Kaiſ. Gn. als unſer Herr und Landesfürſt, zu thun ſchuldig iſt. Nachdem und wir doch Euern K. Gn. unſer, als Unterthanen gegen unſern Herrn und Landsfürſten zu thun ſchuldig ſein, gethan.
„Und ſo wir dann Ew. K. Gn. und Ew. Gn. Erben und Sohne mit Eiden und Gelübden verbunden ſeind, ſo erlauben und müßigen uns wir von Ew. K. Gn. und Euer Gn. Erben und Sohne, von ſolchen Eiden und Gelübden allen, wie wir die Euern Gnaden gethan haben, es ſei zu erblicher Huldigung Burger⸗ meiſter, Richter, Räthe, Genannten und die ganze Ge⸗ meinde und aller Aemter, Eiden und Gelübden, wie die
Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
genannt ſein, meinen und wollen auch Euch hiefür keinerlei Gehorſam, von Ehren und Rechtens wegen darum nichts pflichtig noch ſchuldig ſein zu thun, noch auch fürbaß weder um Geld, Mauth, Bürgerſteuer, noch keinerlei Rente reichen und geben laſſen, ſo lang daß wir mit den dreien Parteien einsgeworden ſeind, dadurch wir als der vierte Stand vereintlich, Ew. K. Gn., als unſerm Herrn und Landsfürſten gehorſam ſein und gedienen mögen, als wir dann zu thun ſchuldig ſein und von Alter beſchehen und herkommen iſt.
„Allerd. K. Nun ſoll Ew. K. Gn. ohne allen Zweifel ſein, daß wir ſolcher unſer Eid und müſſigen ſo vor berühret iſt; nicht gern thun, Ew. K. Gn. Gemahl und Sohne unſer Herrſchaft zu Leib ſchaden, zu Schmach noch zu keinerlei Widerwärtigkeit. Es ſoll auch das in aller Wahrheit an uns nicht erfunden werden, ſondern als wir zu Gott hoffen und Zutrauen haben, es ſoll für Ew. K. Gn. und Ew. Gnad Gemahl und unſerm jungen Herrn als unſer, das wir getrauen, gnedig Herrſchaft dazu für Land Leut und in kein Unbilligkeit noch un⸗ ziemliche Widerwärtigkeit nit, und Ew. K. Gn. wolle das in keinerlei Meinung von uns zu beſchehen ſein, nicht glauben, und wollen darauf nach dem Landsfried ſelber trachten, wenn durch den Landsfrieden Ew. K. Gn. auch Land und Leut aufnehmen und wollet zu den 3 Parteien und Ständen treten und uns mitſammt Ihnen den Landsfrieden geben, von daraus kommt, Land und Leut wieder in altes Weſen und gewöhnlich Herkommen und aus dem Landsfrieden geht, das Lands⸗ recht und dasſelbige ſchutzt und ſchirmet den Landsfrieden und männiglich von Gewalt und Unrecht, dadurch dann Ew. K. Gn. als unſeren Herrn und Landsfürſten, deſto baß gedienet werden mag. Mit Urkund der Geſchrift zu Ende bewahret mit unſerm gemeinen, fürgedruckten Stadt Inſiegel. Geben zu Wien am Erichtag nach Michaelis A. D. 62.“
In der Burg herrſchte nach Empfang dieſes Schreibens nicht geringe Beſtürzung. Friedrich war nahe daran, den Kopf zu verlieren. In ſeiner Bedrängniß ſendete er den eben in Wien anweſenden Hauptmann von Günß und ſeinen getreuen Friedrich Zenger nach Neuſtadt und an andere Ortſchaften, um die ihm treugeſinnten Landeshauptleute und Kriegsoberſten zum Beiſtand aufzufordern; auch befahl er ſeinen Räthen augenblicklich, die Burg mit Lebensmitteln und Kriegs⸗ munition zu verſehen. Leider wurde es dazu zu ſpät, denn ſchon am folgenden Tage kündigten ihm die Bür⸗ ger in aller Form den Krieg an, erklärten ſich als des Kaiſers offene Feinde und ſchnitten alle Zufuhren ab.
(Fortſetzung folgt.)


