Heft 
(1861) 6 06
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fremd, daß man den greiſen Bürgermeiſter Prenner,

174 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

wie ſich wohl von ſelbſt verſtand, kaiſerlich war, lag ernſtlich daran, Ruhe und Ordnung wieder herzuſtellen, und mehr wie einmal hatten die Rathsherren ihrem Oberherrn feierlichſt zugeſagt, nichts zu unternehmen, was dieſem oder der Stadt Nachtheil bringen könne; im Gegentheil mit allen Kräften dahin zu ſtreben, das immer weiter um ſich greifende Uebel in ſeinem Laufe zu hemmen. Daß ſie einen ſchweren Kampf zu beſtehen hatten, ſahen ſie nur zu wohl ein, denn das ganze mißvergnügte Volk, dem der thatkräftige und bis zur Verſchwendung freigebige Albrecht weit beſſer zuſagte, ſtand ihnen gegenüber, und es war ihnen auch nicht

den man als das Haupt ihrer Partei betrachtete, zu ſtürzen trachtete.

Dem entgegenzuarbeiten wurde insgeheim eine Verſammlung im Auguſtinerkloſter angeordnet; allein das Vorhaben war doch nicht ſo geheim geblieben, daß es nicht Einigen aus dem Volke bekannt geworden wäre, und ſo drängte ſich, als eben Bürgermeiſter und Raths⸗ herren die Sitzung eröffnet hatten, ein Volkshaufe, meiſt loſes Geſindel und Handwerksburſche in das Ge⸗ mach und machte durch ſein Lärmen und Toben jede Verhandlung unmöglich. Ganz dieſelbe Scene wieder⸗ holte ſich bei einer zweiten Verſammlung, die am fol⸗ genden Tage bei den Franciskanern ſtattfand. Die Pöbelrotte erſchien diesmal noch zahlreicher und unge⸗ ſtümer, und unter Schmähungen und Vorwürfen mußten ſich die Magiſtratsperſonen flüchten. Im Anſtiften dieſer Unruhen war Niemand eifriger als der Münzmeiſter Ulrich Holzer. Sein Vater hatte im Viehhandel ein beträchtliches Vermögen erworben und der ſpekulative Sohn es durch eigene Thätigkeit bedeutend vermehrt. Deſſenungeachtet beſaß er unter ſeinen Kollegen an der Magiſtratstafel nur wenige Freunde; ſeine Zunge war ſpitz und ſeine Rede ſcharf, er that ihr ſelten Zwang an; und unter denen, die er in früherer Zeit zu ſeiner Privatbeluſtigung geißelte, ſtand Graf Cilly oben an. Spottreime und Zerrbilder auf dieſen, wie ſie zu Dutzen⸗ den in der Stadt in Umlauf waren, wurden ihm zu⸗ geſchrieben. Holzer erwarb ſich dadurch allerdings Freunde im Volke, aber auch eben ſo erbitterte Feinde bei Hofe; er fiel in Ungnade und wurde bei Cilly's Rückkehr auf deſſen Betrieb wegen ſeiner Schmähungen zur Rechenſchaft gezogen. In Folge davon verlor er nicht allein ſeine Freiheit, ſondern auch ſein Vermögen. Als ihm beides ſpäter wieder zu Theil wurde, ging er als unverſöhnlicher Feind Friedrichs aus dem Ge⸗ fängniſſe hervor, und er machte ſeinem Haſſe in lauten Worten Luft. Als einer der beredteſten und kühnſten Straßenredner wurde er ſchnell ein Liebling des Volkes, und mit einem ſchlauen Geiſte begabt, wußte er dieſen

Umſtand wohl zu nutzen und von einer Staffel der Ehre zur anderen zu ſteigen. Zu der Zeit, in welcher unſere Erzählung ſpielt, war er Hubmeiſter der Stadt, Münzmeiſter und Rathsherr, lauter Aemter und Wür⸗ den, die ihm einen nur um ſo größeren Einfluß möglich machten.

Holzer war es auch vornehmlich geweſen, der

durch ſeine Beredſamkeit des Volkes Haß gegen Kaiſer Friedrich vermehrte. Gleichgeſinnte hatten ſich ihm bald als Freunde zugeſellt. Friedrich Weſtendörfer, Profeſſor Haſelbach, der Prieſter Odenacker und der Medikus Kirchheim waren ſeine Vertrauten, die nicht minder eifrig auf den Sturz des treu an ſeinem Kaiſer hängenden Bürgermeiſters Prenner hinar⸗ beiteten, und ſie waren es geweſen, welche die Störung der Rathsherren⸗Verſammlung veranlaßt hatten. Nur wenige Stunden waren ſeitdem erſt vergangen als Kirchheim der Medikus an der Spitze von ſechzig Bewaffneten durch die Straßen zog und ſich dem Rath⸗ hauſe zuwendete, in welchem ſich die Magiſtratsper⸗ ſonen beiſammen befanden. Mit der Gewalt ihrer Waffen drangen ſie in den Saal, und Alle, die eben anweſend waren, der Bürgermeiſter Chriſtian Pren⸗ ner, Oswald Reichwolf, Stephan Kiesling, Nikolaus Teſchler, Johannes Angerfelder, Thomas Tank, Simon Rottl, Ulrich Kar⸗ ner und einundzwanzig Andere, deren Namen die Chronik nicht aufbewahrt hat, wurden zu Gefangenen gemacht. Dieſe Menge würde aber doch die Gefängniſſe zu ſehr gefüllt haben, deßhalb ließ man die ledig, welche verſprachen, nichts gegen die Aufrührer zu unternehmen und die Rathsſtube nicht ferner zu betreten.

Holzer, ein ehrgeiziger Mann, war dem, wonach er trachtete, etwas näher gerückt; das dankbare Volk er⸗ nannte ihn noch am ſelben Tage zum Beſchützer der Gemeine und zum oberſten Zunftmeiſter.

Ein neuer Rath wurde gebildet und durch dieſen ſelbſt der Kaiſer, der ſich damals ſchon ſeit einem Jahre zu Neuſtadt aufhielt, von Allem, was vorgefallen, in Kenntniß geſetzt. Die Herren entſchuldigten ſich und luden ihn ein nach Wien zu kommen, um die noch ſchwebenden Zerwürfniſſe zu ſchlichten.

Da verbreitete ſich mit einemmale die Nachricht, Kaiſer Friedrich habe die Boten des Rathes ent⸗ haupten laſſen. Alles gerieth in Bewegung und die Aufregung ſteigerte ſich in bedenklicher Weiſe. Den kaiſerlichen Räthen, welche Friedrich voraus kamen, verweigerte man den Einlaß, erſt ihre Verſicherung, daß Niemand ein Leid widerfahren ſei, verſchaffte ihnen eine geneigtere Aufnahme. Indeß ließ ſich der Argwohn der Wiener nicht ſo ſchnell beſchwichtigen, und als es gar bei der Annäherung des Kaiſers hieß, er komme mit einem großen Heere die Stadt zu züchtigen, dachte man ganz ernſtlich an Widerſtand.

Das Gerücht hatte nicht gelogen. Friedrich ſtand wirklich mit viertauſend Söldnern bei St. Mark. Sofort griff Alles zu den Waffen. Holzer blieb nicht müßig, er verſtärkte die Poſten, ließ Geſchütz aufführen und nahm vierhundert berittene Söldner Herzog Al⸗ brechts in die Burg.

Am andern Morgen es war der des 23. Septembers ſandte er zwar ein Entſchuldigungs⸗ ſchreiben an den Kaiſer, der mit ſeiner Gemalin und ſeinem kleinen Sohne Maximilian vor dem Thore

harrte, und ſchob die Schuld des verweigerten Einlaſſes

darauf, daß noch keine genügenden Vorbereitungen zu

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