Heft 
(1861) 6 06
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172 Erinnetungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

und auf das Weiterſchaffen der eingeführten Waaren beſchränkt, aber dennoch iſt die Bevölkerung fleißig, reli⸗ giös und zeichnet ſich durch ein patriarchaliſches Fami⸗ lienleben aus, welches ſich manche hochciviliſirte Nation zum Muſter nehmen könnte. Mit Wenigem iſt der Kroat zufrieden, und dabei noch ſtets bereit, mit dem Armen das Wenige zu theilen. Nach der Arbeit erheitert er ſich gern durch ein frohes Feſt. Vater und Mutter, ſo wie ältere Perſonen, behandelt er mit Ehrfurcht, ge⸗ horcht ihren Ermahnungen, nimmt ſich deren Rath zu Herzen und iſt bereit zu darben, damit die Eltern nicht Mangel leiden. Nicht ſelten bewohnen mehrere Familien ein und dasſelbe Haus und wählen den Er⸗ fahrenſten zum Oberhaupt. Dieſer ordnet ihre Arbei⸗ ten, nimmt den Gewinn derſelben in Empfang, da⸗ mit er Allen zu Gute kommt, und hält auf Verträglich⸗ keit und Eintracht, ſo daß ſich nach altteſtamentlicher Weiſe ein reines, einfach patriarchaliſches Leben ent⸗ wickelt. Selten wird man einen Kroaten oder Sla⸗ vonier betrunken, noch we⸗ niger andern Ausſchwei⸗ fungen ſich hingeben ſehen, dagegen war ſein Volk ſeit alten Zeiten ſtets bereit, für Kaiſer und Vaterland mit Freuden in den Tod zu ge⸗ hen; denn ſeinen Kaiſer betrachtet der Kroat als das Oberhaupt der ganzen Volksfamilie.

Hat der Kroat die Woche über gearbeitet, ſo ſchmückt er ſich am Sonntag auch gern einmal und vergnügt ſich am Tanz oder bei einem öffentlichen Volksſpiele. Dann kleidet ſich die Kroa⸗ tin in ſchöne Farben. Das Mädchen legt das mit Gold⸗ ſtickereien bedeckte Mieder

an, welches panzerartig die Bruſt umſchließt, und flicht

in die Zöpfe, welche lang den Rücken hinunter hängen, bunte Bänder ein. Die Frau dagegen bedeckt den Kopf mit einer großen Haube, von welcher hinten lange Ge⸗ webe mit reichen Stickereien und Spitzenbeſatz nieder⸗ fließen. Wohl aber hüten ſich Mädchen und Frauen, die ſchönen Schuhe ohne Noth zu beſchmutzen, weßhalb ſie Schuhe und Strümpfe in der Hand tragen, bis ſie in's

Dorf oder vor die Kirche gekommen ſind. Dort erſt be⸗ V ziehen ſich an Berglehnen und über breite Gründe hin,

kleiden ſie ihre Füße.

Kroate und Frau

Auch die Männer tragen einen Bruſtlatz, den bunte Stickereien in Blumengeſtalt ſchmücken, und ziehen dann über denſelben einen eng anliegenden Spenſer, den mehrere Reihen blanker Knöpfe und Schnüre ver⸗ zieren. Ein breitkrämpiger Hut bedeckt den Kopf, auf dem Hute aber ſchwanken große Büſche von Blumen und Straußfedern. Ein ſolcher Buſch iſt der Stolz des Kroaten. Der kriegeriſche Uebermuth treibt wohl den Einen oder Andern, nach dem Gottesdienſt auf den Dorfplatz mit einer hohen, langen, goldig ſchimmernden Pfauenfeder am Hute hin⸗ zutreten, um durch dieſe Trotzfeder einen Muthigen zum Raufkampfe heraus⸗ zufordern. Bald hat ſich ein ſolcher gefunden, das Raufen beginnt, aus dem Wettkampf wird ein ernſter Zweikampf, Hetzer und Nei⸗ der miſchen ſich ein, der Zweikampf artet zur Schlä⸗ gerei aus, die draußen auf dem Felde zu Ende gebracht wird, wenn die Ortspolizei die Streitenden vertreibt.

Kaum erkennt man hier den anſpruchsloſen Kroa⸗ ten wieder. Harmloſer iſt er beim Tanz, bei feier⸗ lichem Empfang ſeines Monarchen oder eines von deſſen hochgeſtellten Die⸗ nern, oder wenn er einem Sänger lauſcht im Wirths⸗ haus hinterm Krug rothen Weins. Da ſchaut Lebens⸗ luſt froh aus den dunkeln Augen, da bricht ſeine Freude in lauten Jubel aus, da öffnet ſich ſein tie⸗ fes Gemüth und fühlt er ſich poetiſch angeregt! Der Sänger erſcheint, alte Er⸗ innerungen aus der Hel⸗ denzeit der Türkenkämpfe erwachen in der Zuhörer Seele, dazwiſchen aber be⸗ ſingt der Guslakünſtler die Anmuth ländlichen Still⸗ lebens, ſo wie Begebenheiten des friedlichen Dorflebens V in einfachen Volksliedern.

Kroaten und Slavonier beſchäftigen ſich mit Ge⸗ treide⸗ und Weinbau, erziehen aber auch zahlloſe Schweineherden, weiden Schafe, Pferde und Rinder, oder pflegen in anderen Gegenden Maulbeerbäume der Sei⸗

denkultur wegen, oder beſäen weite Strecken mit Flachs, V und haben unabſehbare Waldungen von Pflaumenbäu⸗

men angelegt. Hunderttauſende fruchtbeladener Bäume