Heft 
(1861) 6 06
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auszuführen? Aber tauſend! ich dachte nicht daran, daß mein Pferd krank iſt; ich muß daher den Weg auf irgend einem Fuhrwerk eines unſerer Nachbarn machen, und da kann es leicht geſchehen, daß ich Ihnen nicht einmal einen ordentlichen Sitz anbieten kann.

Herr Doktor, Sie foppen mich gewiß; aber ich werde Ihnen dieſe Ausflucht unmöglich machen, und ſelbſt für eine Fahrgelegenheit ſorgen.

Louiſe theilte René ihre Verlegenheit mit. Gerade hatte der junge Graf auf dem Gute, welches die Familie Tiercelin bewohnte, einen großen Holz⸗ verkauf eingeleitet, und ſo mußte er an dem einen oder andern Tage ohnehin dort ſein; er ſchlug Louiſen

vor, er wolle ſich dieſerhalb mit dem Herrn Doktor ver⸗

ſtändigen, der es dann auch nicht verſuchte, die ſo hübſch arrangirte Zuſammenkunft Louiſens und des jungen Grafen zu ſtören.

Eine elegante amerikaniſche Kaleſche, mit einem prächtigen, feurigen Roſſe beſpannt, deſſen Zügel in Renés Hand ruhten, hielt nun eines Morgens vor dem Hauſe Renoults. Dorthin hatte man ſich ver⸗ abredet, denn Louiſe wollte nicht, daß ihr Onkel und Veronika bei ihrer Abfahrt zugegen ſeien. Schnell ſtieg ſie in den Wagen, ſetzte ſich und breitete ihr präch⸗ tiges Kleid über die Sitzpolſter aus; ein ſanftes Roſen⸗ roth lag auf ihren ſchönen Wangen und ihre Augen verriethen eben ſo viel Freude als Hoffnung. René be⸗ trachtete ſie; noch nie hatte er ſie ſo ſelig, noch nie ſo jugendlich ſchön geſehen.

So wird ſie alle Tage ausſehen, ſagte er,wenn wir werden vereinigt ſein.

Nachdem ſie ſich zuſammen an dem herrlichen An⸗ blick der bunten Landſchaft, an dem Zauberduft, der die

Lüfte erfüllte, weidlich ergötzt, waren ſie an dem Ziele

ihrer Reiſe angekommen und trennten ſich ſofort auf einige Zeit. René ging die Geſchäfte, die er hatte, be⸗ ſorgen; Louiſe ſchloß ſich mit ihrer lieben Kranken ein, die ſich bei ihrem Anblick ganz geſund und herge⸗ ſtellt glaubte. Frau Tiercelin hatte unterdeſſen ein Gabelfrühſtück für die Reiſenden bereitet und René mußte an demſelben Theil nehmen. Im Laufe der Unter⸗ haltung theilte ſie dann unter Anderem ihren Gäſten auch mit, daß ſie in einer alten benachbarten Abteikirche eine neuntägige Andacht abhalten laſſe, um die Wieder⸗ geneſung Klärchens vom Himmel zu erflehen.

Wenn Sie, ſetzte ſie zu Louiſe gewendet hinzu, zu den Füßen unſeres Kirchenpatrons Ihr Gebet ver⸗ richten wollten, ſo würde ſich gewiß Klärchen bald wieder wohl fühlen.

Dieſes Anſinnen befremdete Louiſe keineswegs, obwohl Frau Tiercelin nichts weniger als fromm war und die Sorge umss Zeitliche der ums Ewige ſtets voranſtellte: Gebete und Pilgerfahrten ſind nun einmal die erſten Heilverſuche, die die Landleute anzuſtellen pflegen.

René bot ſich ſofort an, Louiſe zu begleiten; er hatte ohnehin ſich ſchon längſt vorgenommen, die ar⸗ chäologiſch merkwürdige Kirche einmal zu beſuchen. Louiſe hatte derlei Beſuche mit den Frauen und Fräu⸗

lein, in deren Umgebung ſie gelebt, ſchon öfter gemacht. Man nahm alſo Notizbücher, Stammbücher mit und verſah ſich mit Zeichenſtiften. Man ſchrieb Inſchriften, die ſich auf verſchiedenen Monumenten fanden, ab, unter andern ſolche, die auf das Jahr der Herſtellung, auf die Errichter ꝛc. ſich bezogen. Auch kopirte man die langen Titelreihen manches hohen mächtigen Herrn und mancher hohen Dame, die in dem Stifte begraben wur⸗ den. Endlich wurden die beſſeren und intereſſanteren Statuen gezeichnet.

Es war gerade Mittag und drückend heiß; um in die Kirche zu gelangen, mußte man eine von der Son⸗ nenhitze ausgedörrte Ebene paſſiren, auf der es aber auch nicht einen Zollbreit Schatten gab. Die Stille und Kühle der Kirche waren für die, welche ihre gewölbten Gänge beſuchten, ein wahres Labſal für Körper und Geiſt. Sie war erbaut im romaniſchen Styl, aber er⸗ baut in den erſten Jahren des 12. Jahrhunderts, trug ſie ſchon Spuren der durch ſeine primitive Reinheit ſo wunderbaren gothiſchen Bauart.

Louiſe betrachtete die Rieſenſäulen, die eben ſo ſchlank als dauerhaft in die Höhe ragten, und die ma⸗ jeſtätiſch frei ſich wölbenden Bogen, und je mehr ſie ſich in die Betrachtung vertiefte, deſto mehr wurde es ihr klar, daß das ganze herrliche Gebäude mehr eine echt geniale, als eine ſchulgerechte Schöpfung ſei. Sie lauſchte den einfachen, würdevollen, mächtigen Tönen, die aus dem Ganzen gleichſam zu ihrem geiſtigen Ohre ſpra⸗ chen; ſie ſtaunte, daß dieſes ſteinerne Buch ſo belehrend ſei und ſo tiefe Eindrücke auf ihre Seele mache. Dieſes Erſtaunen theilte ſie auch René mit.

Die Architektur, begann ſie,iſt die älteſte unter den Künſten; ſie iſt die erſte große Schöpfung der Ci⸗ viliſation. Sie iſt gleichſam die Natur⸗ und Univerſal⸗ ſprache, und kann man auch ihre Theorie nicht ohne ein eigenes Studium kennen lernen, ſo macht ſie doch auf jeden aufmerkſamen Beobachter einen tiefen und erhe⸗ benden Eindruck.

Denken Sie denn, der Bauer hätte, wenn er hier niederkniet, irgend einen Sinn für die Schönheiten ſo eines Bauwerks?

Wenn das Volk nicht in dieſen großartigen Bau⸗

ten die geheimnißvolle Leiter erkannt hätte, auf der es⸗ von der Erde zum Himmel emporſteigt, ſo würde es ſich wahrlich dieſelben nicht ſo viel Schweiß, ſo große Opfer, ſo viel Arbeit haben koſten laſſen.

Warum können aber wir, die wir mit der tiefen Kenntniß auch den Sinn für das Große zu beſitzen ſcheinen, in unſeren Werken nur dann Aehnliches leiſten, wenn wir jene nachahmen?

Man ſagt insgemein, der Mangel an gläubigem Sinn und an höherer religiöſer Begeiſterung ſei Schuld; ich möchte aber vielmehr den Grund in der Unabhän⸗ gigkeit ſuchen, in der wir von einander leben; während ſich das Individuum vervollkommnet und erſtarkt, löſt ſich die große Maſſe des Ganzen immer mehr auf und verliert ihre Kraft. Heutzutage arbeitet jeder für ſich; es iſt nicht mehr ein Gedanke, der uns begeiſtert, nein, es ſind unſere Sonderideen, denen wir huldigen; man

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