Heft 
(1861) 6 06
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Louiſe Meunier. 163

III.

Ungeachtet des Wortwechſels beim letzten Banket des Doktor Renoult hatte Madame Tiercelin Klärchen und ihren Onkel für's nächſte Kirchweihfeſt zu ſich geladen. Es war ein herrlicher Tag; man legte den kleinen Weg zur Kirche, um der Meſſe beizuwohnen, zu Fuß zurück; die jungen Bauernmädchen waren von der Schönheit und der Toilette Klärchens ganz ent⸗ zückt und die jungen Männer warfen ihr manch ver⸗ ſtohlenen Blick zu; die boshafteſten und größten aber ſtießen JFerome an den Elbogen, um ihm zu ſagen, daß er ein Glücksvogel ſei. Man hatte von zwei bis ſechs Uhr geſpeiſt, von ſieben bis Mitternacht getanzt. Klärchen hatte keinen andern Kavalier gehabt als Jerome und kehrte an ſeinem Arme mit etwas zer⸗ knittertem Kleide, das Haupthaar durchnächſt zurück, wo ſie Madame Tiercelin im Speiſeſaal erblickte. Bleich und ſchwach, ja halb ohnmächtig, ſaß ſie da, ihr Kopf ruhte auf dem Rücken ihres Lehnſtuhles, während ihr Gemal ſie mit all der Ungeſchicklichkeit und Unbeholfen⸗ heit bediente, die dem gewöhnlichen Bauer ſo ganz zu Geſichte ſteht. Augenblicklich trat Klärchen hinzu, brachte die Tante in eine bequemere Lage, lüftete die Kleider, die ſie irgend geniren konnten, und gab ihr, indem ſie ihre Schläfe mit wohlriechenden Waſſern leiſe einrieb und ſie gleichzeitig davon einathmen ließ, die Beſinnung wieder. Inzwiſchen erſchien der Doktor; er erklärte, den Zuſtand der Kranken nur dann beurtheilen zu können, wenn man ſie zu Bette bringe.

Klärchen ſaß die ganze Nacht zu Häupten ihres Bettes; der Doktor kam zu wiederholten Malen, das Uebel zu beobachten, und ſetzte ſich dabei jedesmal an's andere Bettende, den Kopf auf die linke Hand, den linken Elbogen auf die rechte Hand geſtützt. Das Fieber war heftig; alle ihre Züge ſchwollen heftig an, bren⸗ nende Flecken begannen ſich auf der Bruſt und den Ar⸗ men zu zeigen; am andern Morgen war' klar, daß Madame Tiercelin die Blattern hatte. Der erſte Gedanke des Doktors war unter ſolchen Umſtänden, ſeine Nichte fortzubringen; aber Klärchen begriff plötzlich, daß ſie in dieſer Lage unentbehrlich ſei. Sie proteſtirte daher gegen die Zumuthung des Doktors, nach Hauſe zurückzukehren:Kann ich Madame Tier⸗ celin ihrem Manne, ihrem Sohne und den Dienſt⸗ boten überlaſſen? Da würden Ihre Vorſchriften ſchön beobachtet werden!

Der Doktor mußte nachgeben, und Klärchen richtete ſich ſofort in der Nähe der Kranken zur großen Freude des ganzen Hauſes häuslich ein. Die Krankheit war langwierig, und die liebenswürdige Zauberin wußte die Zeit zu benützen, um die Herzen für ſich zu gewinnen. Sie berührte die Kranke ſtets mit ſo zarter Hand, und verſüßte ihr die gereichten Arzneien durch ſo gutmüthige Blicke und durch ſo freundliches herzliches Lächeln, daß Madame Tiercelin bald nur mit ihrer jungen Wär⸗ terin ſich beſchäftigte. Man hatte im Krankenzimmer ſelbſt für Klärchen ein Ruhebett hingeſtellt, und

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während ſie auf dieſem nothdürftig ausruhte, vertrat ſie eine brave Bauersfrau, die einſt die Amme Jeromes

geweſen war. Wenn ſie aufſtand, beſorgte ſie raſch ihre

Toilette, und ſo war ſie, ſo oft Jerome die Mutter beſuchte, ſtets überaus reizend. Die Abſpannung, die in ihren Zügen unverkennbar lag, erhöhte nur deren Fein⸗ heit, und machte ſie erſt recht intereſſant. So kam es, daß ſich Aller Augen auf ſie richteten. Wenn die Kranke ſchlief und ſie ſomit einige freie Augenblicke hatte, be⸗ nützte ſie dieſelben oft zu einem Briefe an Louiſe und ließ ihn jedesmal gleich zur Poſt befördern. Unter dem Vorwande, Anſteckung zu vermeiden, verbrannte ſie Se⸗ railpaſtillen und ließ den balſamiſchen Duft derſelben durch ihre Kleider gehen. Der Zufall wollte, daß Je⸗ rome immer zugegen war, wenn ſie dieſe halbmagiſche Operation vornahm und, merkwürdig, verfehlte ſeine Wirkung auf den jungen Gutsbeſitzer nicht, und be⸗ freite ihn zum Theil von ſeiner Schwerfälligkeit und Plumpheit.

Inzwiſchen genaß Madame Tiercelinz die Re⸗ konvalescenz hatte begonnen. Daß aber Klärchen an ihrer Seite wie eine Tochter liebevoll gewacht und ſie gepflegt, das ſchien ihr noch immer nichts als ein kon⸗ fuſes Traumbild. War ſie etwa darüber erfreut oder ärgerlich? Das war ſchwer zu beſtimmen, ſie wußte es ſelbſt nicht. Eine zarte Erkenntlichkeit und Rührung, die ſich zu ihrer verdrießlichen Stimmung geſellte, verbun⸗ den mit der Hochſchätzung, die ſie der Zartheit, Ergeben⸗ heit, Opferwilligkeit nicht verſagen konnte, waren ge⸗ eignet, ſie für Klärchen einzunehmen. Aber der Ge⸗ danke, daß ſie vielleicht darum in die Heirat mit Je⸗ rome werde willigen müſſen, beunruhigte und quälte ſie ſehr, machte ſie mißtrauiſch und ſchroff.

Klärchen war zu ſcharfſinnig, als daß ſie nicht die Vorgänge im Innern der Gutsbeſitzerin errathen hätte, wenn ſie ſprach:

Sie waren ſo gut, meine Theure, zu meiner Pflege zurückzubleiben; aber wie konnte mein Mann das zugeben. Sie ſind in der That zu ſolchen Liebes⸗ dienſten wie gemacht. Würden aber nicht Roſe und Franciska es am Ende auch übernommen haben?

Ihr Herr Gemal hatte aber mehr Zutrauen zu mir als zu jenen braven Kindern, die ſich, glaube ich, beſſer auf die Behandlung ihrer Kühe ec. verſtehen, als auf die Behandlung von Kranken.

Ach! Bauern, wie wir, ſind durch Arbeit und Strapatzen abgehärtet, und auf uns wirken alle jene kleinen Kleinigkeiten, die bei feinen Leuten ſchon helfen, gar nicht: ein Riechfläſchchen und ein Löffelchen Shrup das iſt nichts für uns. Wir haben eine beſſere Arznei: die reine Landluft und Gottes Hilfe. Hier, nehmen Sie, meine Theuerſte, in meiner Kommode ein Mouſſeline⸗ tuch, und geben Sie es mir; ich will mir den Kopf da⸗ mit bedecken, denn die Sonne ſticht förmlich.,

Iſt's ſo gut? ſagte Klärchen, nachdem ſie aus dem Mouſſelinetuch eine Kaputze gemacht und die⸗ ſelbe bequem auf dem Kopfkiſſen ihres Fauteuils an⸗ gebracht.

Ja, das iſt wahr, es gibt nicht leicht ein junges

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