Erinnerungen.
Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
„Ja da können wir ja nöt einmal ein Stück Kuhvieh halten?“ wandte der Oeder mit bedenklicher Miene ein.
„Das iſt ja auch gar nicht nothwendig, Martl,“ fuhr der Andere eifrig fort,„haſt Du denn an Deinem Hofe noch nicht genug? Wenn auch im Sommer das meiſte Vieh auf der Alm iſt, ſo viel habt ihr ja doch immer noch daheim, daß ein paar Dutzend Sommer⸗ friſchler zum Kaffee ihre Milch bekommen!“
Der Oedbauer ſchüttelte bedenklich den Kopf. „Na, beileib nöt, Herr Schwindell“ verſicherte er offenherzig,„ſo viel gibt's nit ab. Sind uns einmal zu viel Leut daheim!“
„Nun in Gottes Namen, dann iſt's auch noch nicht ſo weit gefehlt!“ lachte der Akkordant,„dann ſchüttet man halt Waſſer darunter; auf dieſe Art wird's dann ſchon mehr!“
Dieſer Vorſchlag war dem Oeder bis jetzt zwar neu, aber er leuchtete ihm nichts deſto weniger vor⸗ trefflich ein. Mit großen Augen ſtarrte er jetzt dem ge⸗ ſcheiten Herrn eine Weile in's Geſicht, und nur ein einzi⸗ ger Punkt ſchien ihm noch ein wenig Bedenken zu erregen.
„Ja, das wär Alles g'recht—,“ meinte er nämlich nach einer kleinen Pauſe,„aber merken denn das die herriſchen Leut' nöt, bald ſ' anſtatt der guten Milch grad Waſſer zu trinken kriegen?“
„Sie wiſſen's ja nicht beſſer, Martl!“ belehrte der Akkordant mit ſpöttiſchem Lächeln.„Und wenn ſie's auch merken, was liegt daran? Bezahlen müſſen ſie doch. In der Stadt macht das ein Jeder ſo; da wird nicht allein bei der Milch betrogen— das wäre noch das wenigſte— in größern Dingen macht es ein kluger Wirth gerade ſo, das gehört zum ſchwunghaften Betrieb und verſteht ſich von ſelber.“
Der Bauer mußte jetzt hell auflachen über dieſe Geſcheitheit ſeines Freundes.„Ja da ſchau her, was Einer nöt noch alles lernen kann, bald er's mit g'ſtudirten Leuten zu thun hat,“ rief er luſtig aus, und trank dabei ein neues Glas bis auf den Rand leer—„trinken S“, Herr Akkordant! trinken S zul Sie warn ebber doch ſchon ein rarer Herr, der ſeine Sach verſteht. Ja, was
W9.lage pilneneribin Soch ſo vie gut auszuichte der Akkordant genannt. Unter Reichwerden freilich kein Miene verſtand er es, ſich in des Ocd„„*
einzuſchleichen, und nur zu bald gelvöhnlich Rart. Ein kaufte dieſem für die Eiſenbahn viel leer geworden, und dieſer in ſeinen weitläufigen Bergwalch ein brittes voll ließ. Die guten Preiſe verlockten ihn, man ſich umfah. in dieſer Gegend für das Holz bezablen Trinken hinein. daß er ſeine Waldungen durch dioa Akkordanten ſchon
holzen für lange Jahre nutzlos,„e ſich ſeine Luſtbarkeit Vergebens warnte ihm ihm der Wein zu munden,
danten, gegen den ſie von 8 um das andere. Sch windel ſie ihn gefehen ſofort mit ſpöttiſchem Lächeln, wie ſich cfaßt an vergeben Oeders von Minute zu Minute 0..7 21. Praundo d Arſnu ſah, wie ſeine Augen erſt allmälig Grunde runt. Er wen und dann immer lebhafter und welche er für das während die Zunge mit jedem neuen
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„Sakra, das war aber ein Wein!“ rief jetzt der Bauer auf einmal mit ſolch' durchdringender Stimme, daß ſich das Mädel am Fenſter erſchreckt umwandte und ſchier ein wenig ärgerlich herſah über dieſe unliebe Störung der ſonntäglichen Roſenkranzfeier.„Herr Ak⸗ kordant, trinken S! Wir ſind nöt alle Tage ſo beiſamm' wie heut. Laſſen S Ihnen die Zeit nöt reuen, wo Sie bei mir ſind, und daß Sie's grad wiſſen, ich bin kein Menſch nöt, der ſich was fürchtet, wenn es wagen heißt. Schlagen S ein, Herr Schwindell Die Hand darauf, ich bin bei Allem dabei! Bauen wir den Hausſtock! In Gottes Namen, die paar tauſend Gulden werden mich auch nöt zu Grunde richten. Sagen S nur frei heraus, was Sie brauchen! Was ich hab', das gib ich her— und wenn's nimmer gllangt— in Gottes Nam aft müſſen wir ſuchen, wo wir was aufnehmen können! Iſt's recht jetzt, Herr Akkordant?“
Schwindel horchte hoch auf bei dieſen Worten ſeines Freundes. Der raſche Entſchluß des Bauers ſchien ihm ein wenig unerwartet zu kommen; denn wenn er auch nicht daran gezweifelt hatte, daß der Oeder all⸗ mälig auf ſeine Pläne eingehen werde, ſo hatte er ſich dies doch nicht ſo ſchnell erwartet.
„Ob mirs recht iſt, Oeder?“ fragte er jetzt mit anſcheinender Ruhe,„das iſt eine ſonderbare Rede. Ich hab' ja nichts davon, wenn Du das Wirthshaus her⸗ ſtellſt; Dein Nutzen iſt es, aber nicht der meinige. Doch, damit Du ſiehſt, wie gut ich es mit Deinem Glück im Sinn hab, will ich Dir jetzt was anderes ſagen. Schau, Martl, es freut mich von Dir, zu ſehen, daß Du einen Sinn haſt zum Spekuliren und ich will Dir darum auch an die Hand gehen, ſo viel ich kann. Du ſagſt, daß Du das Kapital, was Du zur Zeit baar daheim liegen haſt, für das neue Unternehmen hergeben willſt. Es iſt nicht viel; ich weiß das. Aber Dein guter Wille iſt werth, daß man ihn belohnt. Gut alſo— wenn Du allen Ernſtes im Sinne haſt, mit dem Bau anzufangen— und wenn es nicht am Ende blos der Wein iſt, der Dich jetzt auf einmal ſo kuraſchirt macht: ſo laſſ' uns gleich in dieſem Monat noch anfangen! Spendir Du Dein Geld, das Du entbehren kannſt. Für's Erſte reicht es aus, und was dann darüber iſt, um das brauchſt Du zu keinem Fremden zu geh'n: das leih' ich Dir, Martll Die Hand darauf, es ſoll mein Ernſt ſein!“
Mit einem tüchtigen Rauſche kam Martl zum Schrecken der Oedbäuerin heim. So hatte ſie ihn noch nie geſehen, ſie war indeß eine zu kluge Frau, um gro⸗ ßes Aufſehen darüber zu machen. Still brachte ſie ihn zur Ruhe, ein Rauſch ließ ſich ausſchlafen. Aber weniger wollte es ihr gefallen, daß ihr Mann mit dem Akkor⸗ danten ſo viel Umgang pflog, deſſen nachtheilige Folgen ſie ſchon jetzt tief und bitter empfand. Der Friede im Hauſe war dahin, die Luſt zur Arbeit war bei ihrem Manne geſchwunden. Halbe Nächte ſaß er mit dem Schwindell und dem Lotterieſchreiber und tarokte, er verlor viel Geld beim Spiel, das er früher nur dem Namen nach gekannt hatte, und wenn er dann heim kam, ärgerte ihn ſein Verluſt, er ſchämte ſich ſeines Le⸗ bens, beſaß indeß zu wenig Kraft, da der Akkordant


