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Das Haberfeldtreiben 119
Der Oedbauer horchte aufmerkſam zu.
„Du weißt,“ fuhr der Akkordant fort,„daß mit jedem Jahre mehr Städter hierher kommen, um dieſe herrliche Gegend zu beſchauen, ſie bleiben indeß ſelten lange, weil hier kein Wirthshaus iſt, in dem es ein ordentlicher Menſch auszuhalten vermag. Oder ſollen ſie etwa beim Huſarenwirth oben im Dorfe einkehren? Durch die Eiſenbahn, welche bald vollendet iſt, wird der Beſuch natürlich zunehmen, und wer's benutzt und baut ein Wirthshaus nahe an der Eiſenbahn, mit einer Ausſicht in dies Thal, der wird ein reicher Mann werden, denn an Gäſten kann's ihm nimmer fehlen; die Sommer⸗ friſchler mehren ſich ja mit jedem Jahre.“
Der Gedanke leuchtete dem Oedbauer ein. Ein Wirthshaus an der Eiſenbahn— das mußte rentiren, aber er war ja kein Wirth und warf deßhalb ein:„Ich verſtehe nur nichts davon.“
„Was willſt Du denn groß verſtehen!“ rief der Akkordant lachend.„Du ſollſt Deinen Gäſten nicht ſelbſt aufwarten, aber Dich zu ihnen ſetzen, ſie unterhalten und angenehm mit ihnen ſchwatzen, dazu biſt Du der rechte Mann, weil Du der geſcheiteſte unter allen Buchauer Bauern biſt und weißt, wie ein Städter behandelt werden muß. Sieh;, ich bin auch kein Wirth, aber wär jetzt mein Akkord zu Ende, ich baute das Wirthshaus und Niemand ſollte ſich wohler befinden wie ich.“
Der Oedbauer hatte Luſt zu dem Plane und zugleich fürchtete er ſich wieder vor ſolch' großem Unternehmen. Er warf ein, daß er keineswegs ſo viel Geld habe, als jener glaube, ein paar tauſend Gulden ſeien ſeine ganze Baarſchaft.
Vergebens ſuchte ihn der Akkordant in ſcheinbar uneigennütziger Weiſe zu dem Unternehmen zu überreden und trank dem Bauer, der des Trinkens wenig gewöhnt war, immer tüchtiger zu.
„Du biſt aber auch ein Menſch, Martl,“ rief er endlich,„der ſich nichts zu unternehmen traut, und bleibſt lieber Dein Lebtag ein geſchundener Bauer, eh Du ein paar Gulden d'ran wagen möchteſt, die Dich ſicherlich in etlichen Jahren zu einem Herrn machen! Nun, mir iſt's einerlei, und ich rede Dir auch nimmer zu. Ich hab⸗ ja keinen Nutzen davon, ob Du auf meinen Rath achteſt oder nicht; aber Schuld will ich auch keine haben, und einen Vorwurf noch weniger, wenn der Holzhändler den Gewinn in die Taſche ſteckt, den Du ſo leicht hätteſt haben können. Verſtanden?“
Mit dieſen Worten beſchloß jetzt der Akkordant ſoeben eine längere Rede, die er mit großer Lebhaftigkeit ſeinem ungläubigen Nachbar gehalten hatte, und that darauf einen langen Zug aus dem Weinglaſe, das vor ihm ſtand, um hierdurch ſeinen Aerger hinunterzuſchlucken. Der Bauer ſah jetzt dem Sprecher ein wenig verblüfft in’s Geſicht.
„No, werden S' mir nur nöt gleich ſo viel un⸗ wirſch, Herr Akkordant,“ meinte er mit gutmüthigem Lächeln,„daß Sie's gut meinen, ſo viel mag ich ſchon derſeh'n. Aber ſo ein Geſchäft, das laßt ſich halt auch nöt g'rad über's Knie abbrechen; das braucht ſchon ein boiß Nachdenken. Der Holzhändler kann leicht was unter⸗
nehmen: der hat Geld grad genug, und bald ihm einmal was nöt grecht ausgeht, aft iſt's dabei auch noch nöt ſoweit gefehlt. Bei Unſereinem war das aber was anderes, der ſteckt ſein Biſſel Geld in ſo eine Geſchicht, und bald's nachher krumm geht, ſo verdirbt er.“
„Es geht aber nicht krumm, Oederl“ warf hier der Andere ärgerlich ein—„denk an mich, ich hab's geſagt! In etlichen Jahren haſt Du Dein Geld zehnfach wieder herin! Aber dazuthun mußt Du, und nicht lange hin und her ſinniren; aus einem Zweifelskrämer iſt noch nie was Rechtes worden.“
Der Bauer ſchwieg jetzt und ſann eine geraume Weile für ſich hin; dabei blies er mit vollen Backen in ſeine Cigarre, daß die Rauchwolken blau und dick in die Höhe ſtiegen.
„Und auf 12.000 Gulden alſo ſagen S käm der Hausſtock, bis daß er vollends fertig war?“ fragte er endlich wieder einlenkend.
„Mit aller Einrichtung allerdings ungefähr ſo hoch!“ verſetzte Schwindel, ‚„vielleicht auch ein paar hundert Gulden mehr oder weniger: ſo ganz genau läßt ſich dies im Vornhinein nicht ſagen. Aber iſt denn das ein Geld, Oeder? für einen Bauer wie Du, der den größten Hof hat, und dem ein Jeder leiht, was er nur braucht?“
Der Oeder ſchwieg wiederum eine Weile, er ſetzte ſein Weinglas an, that einen tüchtigen Schluck daraus und ſtellte es dann wieder auf den Tiſch, indem er ſich dabei bedächtig hinter den Ohren kratzte.
„Sie reden da vom Leihen, Herr Schwindel“ meinte er zuletzt,„das wär wohl nöt unrecht, bald s8 ſo leicht ging, was man meint. Aber bei uns herin leiht nöt gern Einer was her, und wann auch Einer möcht' nachher hat er nöt ſo viel, daß er was ausleihen kann. Ich wüßt mir keinen von all unſeren Bauern, der mir was gäb, bald ich auch heut' in den Fall käm.. Und was ich ſelber hab', das bedeut' nöt viel. Ein Bauernmenſch mag ſich weiter nöt viel erſparen in den harten Zeiten, und bald ebber auch was Weniges übrig hat, das braucht er einmal zu viel nothwendig für Haus und Hof,; denn dorten gibt's alleweile was zu richten und herzuſtellen. Sie dürfen mzeborner laghen Herr Akkordant— die paar ſeci, ein noch ziemlich junger jetzt mit den Holzliekr. Die Zeit des Frühſtücks iſt mein baares Geld Zeit während des ganzen Tages für mich umkehren thér. Iſt dasſelbe um neun Uhr beendet ich auch gern her orreſpondenz geleſen, ſo tritt der Kar⸗ ich nöt aus, und ein, der aus dem oberen Stockwerke — aber 12.00 ontonelli iſt unterwürfig, aber dabei feſt, Koſten und nachher ad nicht in Verlegenheit zu bringen, und nöt einmal GrundſteRath. Pius IX. kann ihn nicht
„Zu was denn auch Cadre, Beatissimo Padre zu hier der Akkordant lachend, ineicheln wie der beſte Hof. glas hellklirrend an das des A, ſeine Detail⸗Kenntniß doch kaum der Rede werth. Ein pht es, ſich beliebt und Land, damit die Fremden ihr Feuolitiſche Unterhaltung eſſen im Freien haben können; ein kleiwährt ein oder zwei Hauſe, das iſt aber auch Alles, was denen Antonelli auf wüßt' ich nichts, zu was wir Grundſtückerbrechen ſie bis
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