118 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor
in der Buchau. Jeder Hof iſt groß, ſtattlich gebaut und trägt ſeinen beſonderen Namen.
Der hinterſte von den Buchauer Höfen iſt der Oedhof und ſein Beſitzer iſt ein ſtattlicher, großer Mann. Der ſchwarze Schnurrbart unter der gebogenen Naſe, die dunkeln, leuchtenden Augen geben ihm ein keckes, entſchloſſenes Ausſehen. Er iſt wohl der reichſte von allen Buchauer Bauern und als ein fleißiger, ordentlicher Mann bekannt. Mit der Oedbäuerin, ſeiner Frau, einem jungen kräftigen Weibe mit friſchen ſonnverbrannten Wangen, lebte er in glücklichſter Ehe. Aus Liebe hatte er ſie geheiratet, obſchon ſie ein blutarmes Mädchen geweſen war, er hatte indeß keine beſſere Wahl treffen können, denn ſie war fleißig, hielt Haus und Hof in Ordnung und ſtand bei allen gleich geachtet da.
Ein zehn⸗ bis zwölfjähriges Mädchen, die Moidei (Marie)) eine hübſche friſche Dirne, war ihr einziges Kind, von beiden Eltern gleich geliebt. Außerdem lebte auf dem Oedhofe noch die Roſi, ein zwanzigjähriges Mädchen, des Oedbauers Schweſter, und der Waſt (Sebaſtian), ein um einige Jahre älterer Burſche, den der Oedbauer als kleines verwaiſtes Kind aufge⸗ nommen und wie ſeinen eigenen Sohn gehalten und großgezogen hatte.
Der Oedbauer fühlte ſich glücklich, war heiter und lebensfroh. Und was wollte er auch weiter! Sein Hof war einer der größten, auf der Alm hatte er das meiſte Vieh weiden, ſeine Felder trugen reiche Ernten, und fuhr er zur Stadt ſo hatte er nicht nöthig, es auf ein paar Gulden anzuſehen.
Nicht immer ſollte es ſo bleiben. Bei allem Glück hatte der Oedbauer einen unruhigen, leicht erregbaren Sinn, der ſich mit ſeinem Loſe noch nicht genügen ließ.
Eine Eiſenbahn, welche erbaut wurde, führte in der Nähe des Dorfes durch. Die meiſten Buchauer Bauern ſahen mit Unwillen auf dies neue Wert und mochten nichts damit zu ſchaffen haben, denn ſie hielten es mit dem Alten. Was hatten ihre Väter von einer Eiſenbahn gewußt und hatten doch glücklich gelebt. Ein herunter⸗ gekommer, aber ſchlauer Menſch, Namens Schwindel, hatte den Bau der Eiſenbahn in jener Gegend in Akkord übernommen und wurde von den Bauern deßhalb der Akkordant genannt. Unter aufrichtiger, unſchuldiger Miene verſtand er es, ſich in des Oedbauers Vertrauen einzuſchleichen, und nur zu bald gelang ihm dies. Er kaufte dieſem für die Eiſenbahn viel Holz ab, welches dieſer in ſeinen weitläufigen Bergwaldungen ſchlagen ließ. Die guten Preiſe verlockten ihn, ſo viel war nie in dieſer Gegend für das Holz bezahlt und er überſah, daß er ſeine Waldungen durch dieſes übermäßige Aus⸗ holzen für lange Jahre nutzlos machte.
Vergebens warnte ihn ſeine Frau vor dem Akkor⸗ danten, gegen den ſie von der erſten Stunde an, in der ſie ihn geſehen, ſofort ein unbezwingbares Mißtrauen gefaßt hatte, vergebens ſuchten ihn ſeine Nachbarn und Freunde zu überzeugen, daß er ſeine Waldungen zu Grunde richte. Er wollte nicht hören, die blanken Gulden, welche er für das Holz ausgezahlt erhielt, verblen deten ihn.
Am gefährlichſten wirkte indeß der Umgang des Akkordanten ſelbſt auf ihn ein. Abſichtlich ſuchte ihn dieſer Menſch, der von vornherein den Plan gefaßt hatte, ihn zu Grunde zu richten, um den großen und
reichen Oedhof in ſeine Hände zu bringen, zum Müßig⸗ gehen zu verleiten und die Leidenſchaften des Trunkes
und des Spiels in ihm zu erwecken. Der Lotterieſchreiber des Ortes, ein Menſch von dem ſchlechteſten Rufe und ſein Freund und Genoſſe von früheren Zeiten, hatte ſich mit ihm zu dem Zwecke verbunden.
Beiden gelang dies nur zu gut. Der Oedbauer, ſonſt fleißig und ordentlich, brachte jetzt Tage lang mit dem Akkordanten im Nichtsthun hin. Weßhalb ſollte er ſich auch quälen und mühen? Brachte ihm ſein Holzver⸗ kauf ohne Arbeit nicht mehr ein, als all ſeine Felder
durch mehrjährige Ernten! Der Akkordant hatte ihm das Alles ſo einleuchtend vorgeſtellt und er hatte Recht. Er verdiente jetzt viel Geld, da durfte er auch etwas darauf gehen laſſen. Leicht gewonnen, leicht zerronnen! Mochten ihn jetzt auch ſeine Nachbarn und die Buchauer Bauern ſchief anſehen, weil er ſo viel mit dem Akkor⸗ danten lief, der war klüger als ſie alle. Und im Stillen
ſchmeichelte es ihm auch, daß der ſtädtiſche Herr gerade
ihn von allen Bauern der Buchau ſich zum Umgange erwählt, daß er mit ihm ſo freundlich that, als wäre er
ſein Freund ſeit langen Jahren.
Ein Bauer iſt mißtrauiſch und ſchließt ſich ſchwer an; iſt es indeß Jemand gelungen, ſein Vertrauen ein⸗ mal zu erwecken, ſo gibt er ſich demſelben blind hin und läßt ſich benutzen und leiten wie ein Kind. Das verſtand der Akkordant. Er hatte jetzt den Oedbauer einmal in ſeinen Händen, das wußte er recht wohl.
„Martl,“ ſprach er zu ihm,„Du verdienſt jetzt
durch den Holzverkauf ein ſchweres Geld, aber Du biſt
ein Thor, daß Du es wie die anderen Bauern machſt
und die blanken Gulden in den Koffer legſt. Dort liegen
ſie nutzlos. Mit Geld iſt am leichteſten Geld zu verdienen,
ſund wenn Ou ein geſcheiter Kerl wäreſt und Muth hätteſt, ſo könnteſt Du ohne Mühe das Doppelte und Dreifache mit Deinem Gelde verdienen. Ohne Arbeit,
Martl, nur ein Bißchen Spekulation, aber ihr Bauern habt keinen Muth, und Du auch nicht, ſonſt könnte ich
Dir ſchon behilflich ſein.“
Durch ſolche Reden fachte er die Habſucht in des Oedbauers Bruſt an und machte ihm immer mehr Luſt, das Glück durch Spekulation zu verſuchen, bis er endlich einwarf, er habe wohl Luſt, es einmal zu probiren, er wolle einige hundert oder tauſend Gulden daran wenden,
wiſſe nur nicht, wie er es anfange.
Hierauf hatte der Akkordant nur gewartet.„Ich hab' einen Plan für Dich, Martl,“ erwiederte er.„Ich ſollte ihn Dir eigentlich nicht ſagen, weil ich ihn ſpäter ſelbſt ausführen wollte, vox der Hand kann ich indeß nicht daran denken, da ich noch mit der Eiſenbahn zu ſchaffen habe, und ehe ein Anderer mir zuvorkommt, lieber gönne ich Dir den Gewinn, zumal da ich weiß, daß ein reicher Holzhändler in Tirol damit umgeht. Dem mußt Du zuvorkommen. Du kannſt ein reicher Mann dadurch
werden und führſt ein angenehmes Leben dabei obenein.“
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aber verſt


