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des leidenſchaftlich⸗fröhltchſten Hirtenfeſtes im ganzen Appenzeller Lande. Im Kranze der ſingenden Mädchen war ſie Tonangeberin; ihrechelle, glockenreine Stimme jauchzte am Freudigſten hinaus gegen die Bergwände und— als ob das Echo Mareieli bevorzugend zu ſei⸗ nem Lieb erkoren hätte, gab es nur ihren„Juchzger“ freudevoll accentuirt, überlaut zurück, während der Wie⸗ derhall vom Geſang der Uebrigen nur wie Folie klang, von der Mareieli's Jubel diamantklar ſich ablöſte. O! ſie hatte eine herrliche, harmloſe Jugend verlebt, und juſt am Schutzengelfeſte war's, wo ſie der Sepp von ihren Eltern zum Weibe begehrte. Jetzt iſt er todt, ſchon zwanzig Jahre lang; der heil. Michael war ihm kein Schutzengel geweſen, denn juſt unterm Wildkirchli war er beim Laubſammeln geſtürzt und todt gefallen. Nun ſitzts Mareieli drunten allein, alt, gebrechlich und arm. Des Glöckleins Klang läutet ihr Erinnerung: Freude und Gram zugleich in's lebensmüde Herz.
Die Tochter Eliſabeths.
Mitgetheilt von E. D.
A
() ls Eliſabeth von Rußland, die Tochter Pe⸗ Hters des Großen, am 29. December 1761(5. 25 Jan. 1762) die Augen ſchloß, hinterließ ſie ein trauerndes Volk, das ihr durch den Beinamen der Gütigen ein dankbares Andenken bewies. Sie hinterließ aber keine Leibeserben bis auf eine natürliche Tochter, deren Aufenthaltsort nur wenige Vertraute wußten, obwohl das Daſein des Kindes ſelbſt nur Wenigen unbekannt war. Es war in der größten Abgeſchiedenheit erzogen worden und man darf glauben, daß die vergnügungsſüchtige Kaiſerin ſeiner ganz ver⸗ geſſen hatte, denn es war nur wenig geſchehen, die Zu⸗ kunft der Tochter auch nach ihrem Tode ſicher zu ſtellen. Der polniſche Fürſt Radziwill war durch Zufall Mitwiſſer des Geheimniſſes über den Aufenthaltsort des kaiſerlichen Kindes geworden und in ſeinem Kopfe bildete ſich ein Plan aus, wie er nur einer ſehr ehr⸗ geizigen Bruſt entkeimen konnte. Das Ziel, welches er ſich vorſteckte, war der ruſſiſche Thron, und es zu erreichen dünkte ihm um ſo weniger eine ſchwierige Aufgabe, als die dem Tode Eliſabeths folgenden inneren Un⸗ ruhen, der Zwiſt ihres unglücklichen Nachfolgers mit ſeiner Gemalin, deren glänzende Eigenſchaften und deren Ehrgeiz über ihn den Sieg davon trugen, ſeinen verwegenen Abſichten eher förderlich als hinderlich ſchienen. Das tragiſche Ende Peters des Dritten ver⸗ mehrte bald die Anzahl der Mißvergnügten. Die Einen
beklagten den Verluſt eines Fürſten, unter dem ſie ſelbſt
zu regieren gehofft hatten und ſahen ſich nun der Rache Katharinens und dem beleidigten Stolze ihrer Günſtlinge ausgeſetzt; Andere wünſchten die Regierung der Tochter des großen Peter zurück, deren Ende Vie⸗ len zu unerwartet kam, um nicht zu mancherlei Muth⸗
maßungen Anlaß zu geben. Alles vereinigte ſich, die weitausſehenden Plane des polniſchen Magnaten zu begünſtigen und ſeinen Hoffnungen Nahrung zu geben. Er betrachtete bereits die ruſſiſche Krone als ein Gut, wornach er nur die Hand auszuſtrecken brauche, ſobald er ſie mit der jungen Prinzeſſin, die er für die einzig rechtmäßige Beſitzerin derſelben erklären wollte, theilen würde. Die Rolle, die nach ihm Pugatſchew ſpielte, beweiſt, daß ſein Plan eben nicht unausführbar war. Wenn ein Rebell, dem ſeine Frevelthaten allein einen Namen gemacht, es dahin bringen konnte, daß die ſtolze Katharina auf einem Throne, den ſie ihrem kühnen und unerſchrockenen Geiſte verdankte, zittern mußte, was wäre einem Radziwill nicht möglich geweſen, wenn er ſich als der Gemal einer Enkelin Peters gezeigt hätte, deren Mutter bei ihren Lebzeiten beinahe ver⸗ göttert worden war und in ganz Rußland das Andenken an ihre Wohlthaten und ihre ruhmvolle Regierung hinterließ.
Die Tochter Eliſabeths hatte kaum ihr zwölftes Lebensjahr erreicht, als Fürſt Radziwill die Aus⸗ führung ſeines Vorhabens damit begann, daß er ſie heimlich ihren Erziehern entzog, ſie entführte und nach Rom brachte, wo ſie ſich einige Jahre aufhielt. Katha⸗ rina konnte über dieſe Entführung nicht lange in Un⸗ wiſſenheit bleiben. Um Radziwill zu zwingen, von ſeinem Vorhaben abzuſtehen, legte ſie Beſchlag auf ſeine Güter in Polen, ſo daß ihm nichts übrig verblieb als die Edelſteine und Kleinoden, die er mit ſich genommen hatte um ſeinem Mündel— ſo nannte er die junge Prinzeſſin— einen Anfang zu verſchaffen, zu Gelde zu machen.
Mit dieſer Summe half er ſich eine Zeit lang durch und kämpfte lange mit Katharinens Uebermacht. Die Hoffnung iſt des Menſchen treueſte Begleiterin, ſie erhält ihn mitten im Unglück und verläßt ihn auch in der verzweifeltſten Lage nicht; allein die Unmöglichkeit. in einem fremden Lande ohne die geringſten Hilfsquellen zu leben, ſiegte endlich. Radziwil ſpielte den Reui⸗ gen und ging einen Vergleich ein. Um wieder in den Beſitz ſeiner Güter zu kommen, verließ er Rom und ſeine Mündel, die ſich in einer Lage befand, die zunächſt an
Dürftigkeit grenzte. Ein Frauenzimmer, das den Namen
einer Aufſeherin führte, im Grunde aber nichts mehr als eine gemeine Magd war, deren Dienſtleiſtungen ſier auch verrichtete, bildete die ganze Umgebung der jungen Prinzeſſin. Indeß beſaß ſie in ihr eine treuergebene Seele, deren fortwährendes Streben es war, ihre Ge⸗ bieterin aus einer Lage zu reißen, die um ſo drückender ſein mußte, als man ihr bereits die glänzendſten Vor⸗ ſpiegelungen zu einer baldigen Thronbeſteigung ge⸗ macht hatte.
Inzwiſchen blieb der ruſſiſche Hof nicht ohne die ernſteſten Beſorgniſſe, Radziwill möchte den abge⸗ riſſenen Faden von Neuem anknüpfen oder Andere könn ten ſich der Exiſtenz dieſer unwillkommenen Prinzeſſin bedienen, um neue Pläne zu entwerfen, die nicht ſo leicht zu vereiteln wären; genug, um die junge Prinzeſſin in einen Fallſtrick zu locken, den ihre Unerfahrenheit nicht
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