88 Erinnerungen.
Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
Nemours und Ferrara, der Konnetable Mont⸗ morenchy und noch viele, viele Edelleute des Landes, alle gar prächtig gekleidet und gerüſtet, auf herrlichen, goldſtrotzenden Roſſen.
So umritten ſie unter dem Schmettern der Fan⸗ faren, dem Donner der Karthaunen und dem Jubel⸗ getöſe des ob der ungewohnten Herrlichkeit entzückten Volkes die Streitbahn und ſtellten ſich in vorgeſchrie⸗ bener Ordnung auf.
Da gab die Königin Katharina das Zeichen zum Beginne des Spieles; die Fanfaren ſchmetterten und der König Heinrich II. und der Dauphin Franz ritten in die Schranken ein, in den Händen lange Speere haltend, an deren oberem Ende unterhalb der Spitzen kleine Kränze von Blumen hingen.
Der Kampf, den da Vater und Sohn mit einander ausfechten wollten, war ein eben ſo anmuthiges wie be⸗ luſtigendes Spiel; es war das ſogenannte Blumenſtechen, und Sieger wurde derjenige, dem es gelang, den Kranz des Gegners von der Lanze herabzuſtechen.
Der König und der Dauphin ſtellten ſich an die ent⸗ gegengeſetzten Schranken der Rennbahn und nach einer gegenſeitigen ritterlichen Begrüßung fprengten ſie unter luſtigem Spiele der Muſik gegen einander an.
Zweimal waren ſie ſchon an einander vorüber ge⸗ ritten, ohne daß es einem von Beiden gelungen wäre, den Kranz des anderen herabzuſtechen, was ein Zeichen von ihrer Gewandtheit und Behendigkeit im Stechen und Pariren war. Da ritten ſie zum Drittenmale an und— mochte es nun größere Geſchicklichkeit in der Handhabung des Speeres, oder aber die Behendigkeit der Jugend ſein, der Dauphin ſtach ſeinem königlichen Vater den Kranz herab.
Doch im ſelben Augenblicke hatte er auch ſchon ſein Pferd herumgeworfen und ließ raſch beide Kränze von ſeiner Lanze auf die Lilie am Helme des Königs herabgleiten, welcher Beweis von Geſchicklichkeit und liebevoller Beſcheidenheit von den Zuſehern mit don⸗ nerndem Beifalle belohnt wurde.
Der Dauphin verließ nun die Schranken und begab ſich auf die Tribune zu ſeiner königlichen Gemalin.
König Heinrich aber ſetzte das Tournier mit ſeinem Schwager dem Herzoge von Savoyen mit ſpitzenloſen Lanzen fort. Es galt nun, den Gegner aus dem Sattel zu heben und der König hatte das Glück, den Herzog bügellos zu machen.
Hierauf forderte der König, der, erfreut über ſeinen Sieg, an dem Spiele viel Vergnügen fand, den tapferen Grafen De Lorges zum Gange heraus und ſetzte ihn gleich beim erſten Anrennen auf den Sand. Zufrieden mit ſeinem Erfolge, verließ er nun die Bahn und es ſtellten ſich jetzt der alte Claude von Guiſe und der Konnetable von Montme⸗ renchy gegenüber. Beide, von jeher erbitterte Feinde, rannten wüthend gegeneinander an; Beide wankten unter der Wucht des Anpralles, doch wußte der Herzog von Guiſe ſich noch zu erhalten, Montmorency
aus dem Sattel.
ab us ritten Franz von Guiſe und der
ebenſo ſchöne wie tapfere Ritter Chaſtelard und der letztere errang hiebei den Sieg.
Inzwiſchen hatte der gutmüthige König Heinrich, der ſah, wie der alte Graf De Lorges ſich ſeine Niederlage zu Gemüthe nahm, denſelben zu ſich gerufen und tröſtete ihn über ſein Unglück beim Rennen.
Da hatte De Lorges im gekränkten ritterlichen Ehrgefühle dem Könige unbeſonnen geantwortet:„Ma⸗ jeſtät! ich habe vor der Krone und nicht vor Eurem Speer gewankt.“
„Was?!“ ſchrie der König, deſſen Blut, durch das ungewohnte Spiel ohnedies aufgeregt, bei dieſer Ant⸗ wort zu kochen begann,„was? was ſagt Ihr da? Ihr hättet vor der Krone und nicht vor meinem Speere gezittert; das ſoll wohl heißen, ich konnte leicht Singer ſein, weil Ihr Euch freiwillig beſingen ließet?“—
„Majeſtät!“—
„Hal hal De Lorges, das wollen wir doch ſehen; wir machen gleich noch einen Gang.“
„Verzeiht, mein König,“ fleht der Graf und beugt vor Heinrich ſein Knie.
„Nichts da! auf zu Pferde. Doch ſchont jetzt nicht die Krone, ich ſage es Euch, und zittert vor meinem Speere. Ich ſchwör' es Euch, Einer von uns Beiden muß jetzt auf den Sand!“
„Majeſtät, ich flehe Euch an, erlaßt mir dieſen Gang, wollet nicht, daß ich meine Ehrfurcht gegen Euch vergeſſen muß, und verzeiht meine unbeſonnenen Worte.“
„Leere Ausflüchte; ich ſehe es, Ihr ſeid ein eitler Prahler, und wenn Ihr meiner Aufforderung nicht raſche Folge gebt, ſo ſeid Ihr auch ein— Feigling!“
So ſchrie der erboste, aufgeregte König. Doch das war zu viel für die Geduld, zu viel für die Ehre des Grafen De Lorges. 1
„Majeſtät! Ihr wollt es und ich muß gehorchen;“ — und mit einem Satze ſaß er im Sattel.
Vergebens waren alle Bitten der Königin, verge⸗ bens alle Vorſtellungen des Dauphins und der Ritter; der König beſtand feſt auf ſeinem Willen und zornig befahl er dem Herolde, das Zeichen zu geben.
Ein Fanfarenſtoß ertönte und noch einer und ein dritter und da gaben Beide ihren Pferden die ſpitzigen Sporen in die Weihen und die Lanze mächtig zum Stoße ausholend ſprengten ſie gegen einander an.
Athemloſe Stille herrſchte und Bangigkeit und Erwartung lag auf allen Zügen.
Sie ſtießen zuſammen; der König führte einen kräftigen Stoß nach ſeines Gegners Bruſt; doch dieſer fing ihn behende mit dem Schilde auf und des Königs Lanze zerſchmetterte in tauſend Stücke.
Doch im ſelben Augenblicke erſcholl ein ſchwerer Fall, ein furchtbarer Schrei durchzitterte die Luft und als ſich die von den Hufen der Pferde aufgewirbelte Staubwolke zertheilte, ſah man den König blutend, im Todeskampfe ſich windend, am Boden liegen.
Der Speer des Grafen De Lorges hatte ihm das Viſir zertrümmert und war ihm durch das Auge in's Gehirn gedrungen.
Die Damen fielen in Ohnmacht, das Volk heulte:
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