chtbar ebe⸗ nichts
3 der
——
Joſef Burian:
Das letzte Tournier in Frankreich. 87
in Liebe zuſammengeführt, die nach dem Willen der Eltern und nach den Beſchlüſſen der Politik ohnedies einander angehören ſollten.
Die Königin Maria Stuart kam nun, wenn auch dem Kloſter nicht ganz entrückt, ſo doch den Hof⸗ kreiſen näher und übte, obzwar beinahe noch ein Kind, durch ihren lebensfrohen, naiven Sinn, durch ihren regen Geiſt, durch ihre Liebenswürdigkeit und außerge⸗ wöhnliche Schönheit einen mächtigen Zauber auf ihre ganze Umgebung aus.
So erreichte die kleine Schottenkönigin zwiſchen dem einfachen, den Wiſſenſchaften und der Religions⸗ übung gewidmeten Kloſterleben und dem luſtigen Trei⸗ ben des Hofes ihr fünfzehntes Lebensjahr, das Jahr ihrer Vermälung mit dem Dauphin Franz von Frank⸗ reich; es war, wie wir ſchon im Anfange dieſer Erzäh⸗ lung angedeutet haben, im Frühling des Jahres 1557, und Maria Stuart, die junge Königin von Schott⸗ land und rechtmäßige Erbin von England, wurde nun Dauphine von Frankreich.
Die Vermälung wurde mit allem erdenklichen Auf⸗ wande und Pracht, welche die damalige Zeit bei beſon⸗ deren Gelegenheiten ſtets im reichſten Maße zu entfalten wußte, gefeiert; Tanz und Feſtzüge, ländliche Spiele und Jagd wechſelten in raſcher Folge; es waren dies Tage der Luſt und Wonne für den Hof wie für das Volk.
Den Schluß der Feſtlichkeiten ſollte dem Willen des Königs Heinrich II. gemäß ein glänzendes Tournier bilden. Zwar waren die Zeiten, wo jene möderiſchen Spiele, bei denen nur rohe Kraft den Ausſchlag gab, an der Tagesordnung waren, ſchon längſt vorüber, und hatten einer beſſern, verfeinerten Gegenwart Platz ge⸗ macht. Die Tourniere, die noch hie und da abgehalten wurden, waren nur gefahrloſe Uebungen mit ſpitzenloſen Lanzen, waren mehr Produktionen in der Führung der Waffen und Lenkung der Pferde, und einige leicht wie⸗ der herzuſtellende Rippen⸗ und Beinbrüche die größten Unglücke, die ſich ſchlimmſten Falls noch hiebei ereignen konnten.
Aber eben wegen der Seltenheit des Schauſpieles brannte ganz Paris vor Freude und Neugierde, und er⸗ wartete mit heißer Ungeduld den Tag des Tourniers, zu welchem der ſchottiſche und italieniſche Adel ſeine Zier⸗ den abgeſendet hatte, damit ſie im Verein mit dem fran⸗ zöſiſchen Adel die ganze Heerlichkeit des, freilich nur noch dem Scheine beſtehenden, in Wirklichkeit damals ſchon erloſchenen, Ritterthums entfalten und um die Ehre des Tages ſtreiten möchten.
Darum glühte Jung und Alt dem ſeltenen ritter⸗ lichen Spiele entgegen, das nach alter Sitte auf dem Platze vor dem Schloſſe Tournelles abgehalten werden ſollte. Die Herren mühten ſich ab, einander an Pracht der Rüſtungen zu übertreffen, und beſchäftigten Juwe⸗ liere und Waffenſchmiede, Schneider und Sattler Tag „und Nacht. Die Damen hingegen wetteiferten wieder mit der Verfertigung koſtbarer und ſchöner weiblicher Arbeiten, die als Minne⸗ und als Chrenſold für die glücklichen Sieger beſtimmt waren.—
Endlich brach der langerſehnte Tag an und noch
——
lange bevor die Sonne ſich im Oſten zeigte war das neugierige Pariſer Volk hinausgeeilt an den Ort des Freude verheißenden Schauſpieles und hatte jede Spanne Erde in Beſitz genommen, ſo daß die Büttel und die Schweizerſoldaten nur mit größter Mühe eine nothdürf⸗ tige Ordnung erhalten konnten. Eben ſo waren die Fen⸗ ſter, Balkone und Dachlucken der umliegenden, mit Tep⸗ pichen, Fähnleins und Reiſig feſtlich geſchmückten Häuſer mit Neugierigen dicht gedrängt, und die abgedeckten Dächer mit neugierig herausblickenden Köpfen förmlich beſäet.
Der Schauplatz des Tournieres ſelbſt war rings im weiten Bogen mit hochgeſtapelten Tribunen einge⸗ faßt, welche für den königlichen Hof, den Adel und die Ritterſchaft beſtimmt waren.
Da ſchlug es auf der Uhr der Kirche von Notre⸗ Dame die achte Stunde und Karthaunendonner und Fanfarengeſchmetter ſignaliſirte dem ungeduldig har⸗ renden Volke das Nahen des Hofes.
Tauſend und wieder tauſend Köpfe ſtreckten ſich auf langen Hälſen empor und tauſendfach erſcholl der Ruf:„Sie kommen.“
Sie kamen; voran Herolde mit Standarten und Fahnen, gefolgt von luſtig tönender Muſik; dann er⸗ ſchien die Königin Katharina von Medicis mit der jungen Gemalin des Dauphins, Maria Stuart und hinter Beiden eine lange Reihe juwelenfunkelnder Damen. Und weiter kam wieder eine Königin, wenn auch keines Reiches, ſo doch Königin im Herzen des Kö⸗ nigs Heinrich, die allmächtige Diana von Poi⸗ tiers, mit ihrem Gefolge; und die Marſchälle des Reiches, die Kämmerer und anderen Herren des Hofes bildeten den Schluß des langen prächtigen Zuges.
So bewegte ſich derſelbe hin zu den feſtlich gezier⸗ ten Tribunen, in deren Mitte unter einem mit den kö⸗ niglichen Inſignien geſchmückten Baldachine Katha⸗ rina von Mediecis mit Maria Stuart Platz nahm, und rechts und links reiheten ſich
„um ſie die Großen der Krone, und rings auf hohem Balkone die Damen in ſchönem Kranz.“—
Da ertönten abermals Fanfarenſtöße und gaben das Zeichen zum Beginne des Tourniers.
Unter dem Vortritte der Muſik, geführt von dem Ceremonienmeiſter des Hofes, dem greiſen Montgo⸗ mery, umritt die königliche Leibgarde
ſtreng und ernſt nach alter Sitte, mit langſam' abgemeſſ'nem Schritte, den innern Raum der Tummelbahn.
Ihm folgten die Herolde, die Bahnhälter, die Adelsmarſchälle und die Tournierknechte.
Hinter dieſen kam der König allein, gekleidet in ganz vergoldete, glänzende Rüſtung, in welcher ſich die Sonnenſtrahlen tauſendfach wiederſpiegelten, den Helm geziert mit einer goldenen Krone, aus der Frankreichs Zeichen, die Lilie, ſilbern entſprang. Ihm nach gingen der Dauphin Franz, geführt von den Prinzen Karl und Heinrich und dem Herzog von Savohen, dann kam der Herzog von Guiſe, die Herzoge von⸗
Hrr d
d
——


