Heft 
(1861) 3 03
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86 Erinnerungen hätten, ſo ließ ich doch bald Halt machen. Wir hatten ſelbſt einige Verwundete, nahmen aber drei bis vier feindliche Huſaren gefangen und hieben noch mehrere zuſammen.

Das war das erſte Zuſammentreffen des friſchen jungen Huſarenblutes mit dem Feinde. Nun folgten der Kämpfe mehr. Am folgenden Tage die unglückſelige Schlacht bei Auerſtädt, dann der mühevolle Zug des Blücher'ſchen Korps bis Lübeck, die Vertheidigung und der Kampf in Lübecks Mauern, wobei der junge Lieu⸗ tenant, ſehr ſchwer verwundet, mehrere Wochen lang in dem Hinterſtübchen eines menſchenfreundlichen Lohger⸗ bers verſteckt gehalten wurde und ſeiner Geneſung ent⸗ gegenſah. Er eilte dann nach Oſtpreußen und kam noch früh genug, um die blutige Schlacht bei Eylau mitzu⸗ machen.

Wir können leider, durch den Raum beſchränkt, dies intereſſante Reiterleben nicht weiterführen und wollten deßhalb auch nur eine Skizze desſelben bis zu dem Augenblicke geben, wo zum erſten Male der Säbel gegen den Feind gezogen wurde für König und Vater⸗ land.

Das letzte Tournier in Frankreich. F

inih Erzählung von Joſef Burian.

s war im Frühling des Jahres 1557, wo nach dem Beſchluſſe des Königs Heinrich II. von Frankreich die feierliche Vermälung der jungen, von der Mit⸗ und Nachwelt ſo übel beurtheilten und arg verkannten Schottenkönigin, Maria Stuart mit dem Dauphin, dem nachmali⸗ gen Könige Franz II. von Frankreich gefeiert werden ſollte.

Dieſe Heirat war von der Königin Mutter und König Heinrich II beſchloſſen worden, als Maria Stuart kaum noch ihr viertes Lebensjahr zurückgelegt hatte, und doch war dieſe Heirat nicht eine bloße Folge der Politik, ſie war auch eine Vereinigung aus Liebe, eine Verbindung zweier gleichgeſtimmter Seelen, die einander liebten, ehe ſie noch eine Kenntniß von den Beſchlüſſen ihrer Eltern hatten.

Die Königin Mutter von Schottland hatte Maria Stuart im Jahre 1548, um ſie den Ränken des länder⸗ und weiberſüchtigen Heinrich VIII. von Eng⸗ land zu entziehen und in dauernde Sicherheit zu brin⸗ gen, aus Schottland nach Frankreich geſendet, wo die junge, ſechsjährige Königin Maria in Breſt von Hein⸗ rich II. und Katharina von Medieis, ſeiner Gemalin, feierlich bewillkommt und darauf zur ferneren Obſorge und Erziehung den frommen Schweſtern des Kloſters St. Germain übergeben wurde.

Dort entwickelte Maria Stuart nach und nach die ganze Fülle ihrer geiſtigen Kräfte und ihrer holden

Körperreize, womit ſie die Natur im reichſten Maße be⸗

gabt hatte, und ließ ſchon im Kinde die Alles bezau⸗ bernde Frau ahnen.

Mann mit dem RufeFranz

Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

Der Dauphin Franz hatte einmal die Sonntags⸗ meſſe im Kloſter St. Germain beſucht, und ſeit dieſer Stunde war es mit aller Ruhe des jungen Prinzen da⸗ hin. Eine Mädchenſtimme am Chore der Penſionärinnen hatte eine Hymne ſo ſchön und entzückend geſungen, daß es mächtig das Gemüth des Dauphins erfaßte, ſein Herz mit Liebe zur unbekannten Sängerin erfüllte und ihn zu dem feſten Entſchluſſe brachte, die Inhaberin dieſer Engelsſtimme aufzuſuchen und kennen zu lernen.

Tag und Nacht erfüllte ihn der Gedanke an die unbekannte Sängerin, und er ruhte und raſtete nicht eher, bis er mit Hilfe ſeines Lehrers und Erziehers D'Anville von der Oberin des Kloſters die Erlaub⸗ niß zum Beſuche desſelben erhielt.

Eben waren die Penſionärinnen, meiſtens Töchter des franzöſiſchen Adels, im Garten bei luſtigem Spiel verſammelt, als der Dauphin und D'Anville denſelben betraten. Ein Blick auf die fröhliche Mädchenſchar hatte genügt, dem Prinzen die geliebte Unbekannte heraus⸗ finden zu laſſen, ſo daß der alte DAnville ſtaunend verſicherte, von nun an glaube er an Sympathie der Liebe.

Der Prinz und ſein Lehrer waren den Mädchen unbekannt, die ſich anfänglich den Beſuch zweier Herren nicht zu erklären vermochten; doch wußten Beide ihre Anweſenheit ſo ſchnell und gut in das Spiel der luſti⸗ gen Kinder zu verflechten, daß die auf einen Augenblick geſtörte Ungezwungenheit bald zurückkehrte und die kleine Geſellſchaft ſich wieder mit aller Munterkeit den Ireuden des Spieles hingab.

Der Dauphin Franz hatte ſich während deſſen der jugendlichen Sängerin genähert und ſich mit ihr ver⸗ trauter gemacht. Es war ihm gelungen, ſie in eine ab⸗ ſeits gelegene Laube zu führen, und da geſtand er ihr ſeine Liebe, und bat ſie um ein Zeichen, daß ſie ihm nicht böſe ſei, um eine Erinnerung an dieſen ſchönen Tag. Und während das tieferröthende Mädchen dem bittenden Jüngling zitternd einen Kranz von Roſen hin⸗ reichte, und der Dauphin überwältigt vom Glücke die freundliche Geberin ſtürmiſch an ſein Herz preßte und einen innigen Kuß auf die jüngfräulichen Lippen drückte,

da bogen ſich langſam die Zweige der Laube auseinan⸗ der, in der Lücke wurde der Kopf eines Mannes ſichtbar und die Augen desſelben blickten freundlich und liebe⸗ voll auf die Glücklichen herab. Doch dieſe merkten nichts von der Anweſenheit eines Dritten, und erſt als der in die Laube trat, da wendete ſich der Prinz um und ſtürzte mit den Worten: mein königlicher Vater zu den Füßen des Lauſchers. Und weißt Du auch, mein Sohn, wen Ou liebſt? ſprach König Heinrich.Schäme Dich Deiner Neigung nicht, denn die Erwählte Deines Herzens iſt Maria Stuart, Schottlands Königin. Zu der zitternd da⸗ ſtehenden Marie gewendet, ſprach er freundlich:Meine kleine Majeſtät, Sie haben dem Dauphin Franz von Frankreich ihr Herz geſchenkt und ſich zu Beiden niederbeugend, reichte er ihnen lächelnd die Hand zum Kuſſe. So hatte der Himmel zwei Herzen, zwei Menſchen

land Dau

woh

der