blieb
machen, verſuchen, wie ihm dies das erſte Mal geglückt war, allein diesmal gelang es mir, dasſelbe zu ver⸗ eiteln. Ich ließ meinen Falben nicht gerade auf den Franzoſen losgehen, ſondern etwas ſeitwärts auf die linke Seite, ſo daß er weniger ſcheute, ſtieß ihm dann plötzlich den rechten Sporen gewaltig ein, damit er ſeitwärts ſpringe und benutzte dieſen Augenblick, wo ich meinem von ſolchem unerwarteten Manoeuvre etwas verwirrten Gegner recht nahe gekommen war, um blitz⸗ ſchnell einen kräftigen Hieb nach deſſen Geſicht zu führen. Mein Plan war geglückt. Der Hieb hatte den Franzoſen quer über die Naſe getroffen und war ſo tief einge⸗ drungen, daß mein Gegner im Sattel zu ſchwanken an⸗ fing und ſich mit beiden Händen in den Mähnen an⸗ klammerte, worauf einige anweſende Offiiciere herbei⸗ ſprangen, um ihn zu unterſtützen. Als ich mein Pferd wieder parirt hatte und nun meinen blutenden, wehr⸗ loſen Gegner ſah, war ich von ſolcher ſtolzen Freude ergriffen, daß ich dieſes Gefühl nicht um Hunderttau⸗ ſende von Thalern fortgegeben hätte.“
Dies Duell war ſtrafbar und einige Wochen Arreſt kaum zu vermeiden. Als Blücher es erfuhr, ließ er ſich von dem jungen Kornet alles erzählen, ſtrich ſich dabei vergnügt den langen Schnurrbart und rief:„Das iſt mir eine große Freude, Kornet, daß Sie dem ſchock⸗ ſchwerenoths⸗verdammten Franzoſen mit dem Säbel ſo über ſein Großmaul gefahren ſind. Könnten wir es doch mit alle die Hallunken ſo machen, aberſt das ſoll ja nicht ſein.— Na, heute Mittag, Kornet, da eſſen Sie einen Löffel Suppe bei mich, und da wollen wir in dem beſten Rheinwein aus meinem Keller noch mal auf Ihren guten Hieb anſtoßen.“
Und bei dem Mittagsmahl ging es luſtig zu. Zum Schluß ergriff Blücher ſeinen mächtigen grünen Römer und rief:„Auf die Geſundheit von unſerem Kornet, der ganz ſo, wie ein preußiſcher Soldat handeln muß, gethan hat!“ und alle anweſenden Stabs⸗ und Oberofficiere ſtießen an. Das Herz des neunzehnjähri⸗ gen Kornet ſchlug laut und freudig. Am folgenden Tage überreichten ihm die Officiere ſeiner Schwadron eine neue Säbeltaſche als Geſchenk.
Die franzöſiſchen Officiere waren über die Nieder⸗ lage ihres Kameraden auf das Höchſte erbittert, da er als der beſte Fechter ihres Regimentes bekannt war, und hatten ſich vorgenommen, den Kornet aufzuſuchen und abſichtlich zu beleidigen. Dies wurde bekannt, und um es zu verhindern, wurde derſelbe, zum Theil auch zur Belohnung, nach Warſchau kommandirt, um einen Transport Remontepferde zu übernehmen.
Das Herz des jungen muthigen Kornet, des Hu⸗ ſarenjungen hatte ſich ſchon längſt nach Krieg und Schlachten geſehnt, um ſeinen Muth in ernſter Stunde bewähren und ſeinen Thatendurſt befriedigen zu können. Mit Jubel erfüllte ſich deßhalb ſeine Bruſt, als im
Sommer 1806 ſein Regiment auf den Kriegsfuß geſetzt
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und er zum Lieutenant ernannt wurde. Mit den ſtolze⸗ ſten Hoffnungen rückte das Regiment aus Weſtphalen aus, an der Spitze einen Führer, dem es mit Leib und Seele anhing— den alten Blücher, der ſich um zehn
Huſarenblut. 85
Jahre verjüngt zu haben ſchien, nun es endlich in's Feld gegen die Franzoſen ging.
„Na, Huſaren,“ rief er, als er an den Schwadro⸗ nen des Regimentes vorüberritt, mit ſeiner weitſchallen⸗ den Baßſtimme,„das iſt ja eine wahre Luſt, Euch ſo zu ſehen, und wenn es man erſt ſo recht zum Drein⸗ hauen auf dieſe verfluchten Parlez-vous kommt, werdet Ihr Eure verdammte Schuldigkeit auch ſchon thun.“
„Gewiß, gewiß, Ew. Excellenz, an uns ſoll es nicht fehlen!“ riefen und jubelten die Huſaren, und ein alter Flügelkorporal, ein Veteran, der ſchon an vierzig Jahre diente, meinte:„Dies Mal geht es doch aber gleich in das Paris hinein, und wir werden nicht wieder ſo verflucht angeführt, wie damals anno 1792!“
„Ne, alter Junge, diesmal geht es hinein, und wenn wir in Paris d'rin ſind, dann trinken wir Beide zuſammen unſeres Königs Gefundheit in dem beſten Champagnerwein, der nur zu haben iſt,“ lachte Blücher.
Der Marſch ging über Kaſſel. In der Nähe wurde für einige Tage Raſt gemacht. Der junge Lieutenant erhielt auf dem Hofe eines Oberforſtmeiſters ſein Quar⸗ tier. Die ſchöne, blauäugige, blondhaarige, achtzehn⸗ jährige Tochter des Hauſes machte einen tiefen Eindruck auf das junge, raſche Huſarenherz und ſchon am zweiten Tage verlobten ſich Beide. Nun ging's weiter dem Feinde entgegen nach Erfurt. Am 4. Oktober traf das Regiment dort ein. Am 12. Oktober kam der„Huſaren⸗ junge“ zuerſt in der Gegend der Stadt Ilm auf Vor⸗ poſten gegen den Feind. Ausgedehnte Rekognoseir⸗ patrouillen wurden gemacht, ohne daß ſich eine Gelegen⸗ heit zu einem ſo ſehnlich herbeigewünſchten Scharmützel zeigte. Da ſollte endlich die Stunde eintreten, die das junge feurige Huſarenblut zum erſten Male mit dem Feinde zuſammenführte und ihm gleichſam die Weihe des Huſaren gab. Laſſen wir ihn wieder ſelbſt berichten.
„In der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober ſtieß die Huſarenpatrouille, die ich befehligte, zuerſt auf eine franzöſiſche Kavalleriepatrouille von doppelter Stärke. Meine Spitze hatte in der großen Dunkelheit der Nacht die franzöſiſchen Huſaren zuerſt für Sachſen gehalten, und ſo waren wir ihnen unbeſorgt bis auf wenige Schritte nahe geritten, als ihr Anruf:„Halte là— qui vive!“ uns zuerſt über unſern Irrthum aufklärte. Ein eigenthümliches Gefühl durchzuckte in dem Augen⸗ blicke meine Bruſt, als ich mich jetzt ſo plötzlich einem Feinde von großer Uebermacht gegenüber befand. Doch nur wenige Sekunden währte dasſelbe, dann zog ich den Säbel, rief meinen Huſaren zu:„Vorwärts, da haben wir endlich die verwünſchten Franzoſen,“ und unter dem jubelnden Ruf:„Hoch der König von Preu⸗ ßen!“ ging es gegen die eben ſo überraſchten Feinde vor. Unſer Anprall war ſtark— die Franzoſen, welche in der Dunkelheit glauben mochten, daß wir nur die Spitze einer größeren Truppe wären, leiſteten nicht lange Widerſtand, ſondern drehten bald die Pferde um und jagten zurück. Eine weitere Verfolgung war theils in der großen Finſterniß nicht gut möglich, hätte uns auch leicht in einen feindlichen Hinterhalt bringen kön⸗ nen, und ſo gern wir Alle auch noch weiter fortgekämpft


