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96 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
einem beſondern Eingange verſehen ſein, ihre eigene Beleuchtung und ihren eigenen Waſſerzufluß haben. Je zwei Wohnungen zuſammen bekommen einen kleinen Garten. 4
Konkordat vor Gericht. Das Organ der katholiſchen Geiſtlichkeit in Böhmen, der„Blahoveſt“, theilt nach ſtehende Thatſache mit: In jüngſter Zeit wurde in N. bei dem Strafgericht eine Klage auf Ehrenbeleidigung eingebracht. Bei ſeinem erſten Verhör ſagte der Kläger zu dem Unterſuchungsrichter:„Hier dieſer Menſch hieß mich einen Lumpen, Taugenichts ꝛc. Dies Alles hätte ich ihm verziehen; daß er aber ſagte, daß ich„Konkordat“ bin, das verzeih' ich ihm bis zum letzten Augenblicke meines Lebens nicht und verlange, daß er dafür nach Recht und Geſetz beſtraft werde!“
Bei dem kürzlich in Krems abgehaltenen Geſangs⸗ feſt waren Begrüßungs⸗Karten ausgetheilt worden, welche in der Form den Hundertgulden⸗Banknoten ähnlich waren. Aus Anlaß deſſen wurden ſie von der Sicherheitsbehörde konfiscirt. Nichtsdeſtoweniger blieben einige in den Händen des Publikums, und dieſer Tage iſt in Wien ein Bauern⸗ mädchen von einem Gauner durch ſolch eine Kremſer Feſtkarte getäuſcht worden. Der Gauner entlockte nämlich dem Mädchen 7 fl. unter dem Vorwande, daß man ihm die Hundertgulden⸗Note nicht wechſeln könne und er kleines Geld brauche. Das Mädchen gab ihm ihre ganze Baarſchaft von 7 fl. und wartete längere Zeit mit dem Kremſer Hunderter in der Hand auf Men Begleiter, der aber nicht wiederkam. in ihrer Färbung an dergleichen amerikaniſche Vofälle erinnert. Ein Armee⸗Agent Mr. Roberts feuerte auf einen Major, Mr. Murray, der ſein Bureau in Geldangelegen⸗ heiten beſuchte, zwei Piſtolen ab. Der Major ſank, am Halſe verwundet, zu Boden und ſtellte ſich todt in der
Ueberzeugung, daß, wenn er noch ein Lebenszeichen von. †.
ſich gäbe, Roberts noch einen dritten Schuß nach ihm abfeuern würde. Als Roberts näher trat und ſich über den am Boden liegenden Major niederbeugte, um zu ſehen, ob derſelbe vollends todt ſei, packte der Verwundete raſch einen Poker(Feuerſchürer) und richtete damit nun ſeinerſeits den Agenten in einer Weiſe zu, daß derſelbe halb todt liegen blieb. Beide befinden ſich nun im Spital und zwar iſt Roberts lebensgefährlicher verwundet als der Major.
Die„Oeſt.⸗Ztg.“ meldet, daß in Folge überaus günſtiger Reſultate und dadurch erlangten vortheilhaften Rufes des Hoff'ſchen„Malzextraktes“ dem Beſitzer dieſes Geheimmittels, Herrn Hoff aus Berlin, die beſondere Ehre zu Theil wurde, in einer Audienz von Sr. Maj. dem Kajſer die Zuſicherung zu erhalten, daß dieſes Mittel eheſtens bei hrer Majeſtät der Kaiſerin in Anwendung gebracht werden ſoll.
Patzkeis falſcher Name im Auslande war bekanntlich Leberſtrom. Dieſer Name iſt jetzt in Berlin ein Schimpf⸗ wort geworden; denn ein Bummler, der einen Nacht⸗ wächter„Leberſtröm“ genannt hatte, wurde wegen Amts beleidigung zu ſieben Tagen Gefängniß verurtheilt.
Ein in Ungarn disponibel gewordener Beamter, welcher nach Iglau überſiedelte, ſandte ſeine Familie vor⸗ aus, er ſelbſt ging aus Erſparungsrückſichten zu Fuß. In dem Biteſcher Walde wurde derſelbe von zwei Männern überfallen, die ihm ſein Geld abforderten. Er gab ſeine Baarſchaft gutwillig her. Die beiden Räuber fielen aber neuerdings über ihn her und ſchlugen ihn mit ihren Stöcken derart, daß er niederſtürzte und liegen blieb. Dann unterſuchten ſie ſeine Taſchen, zerſchnitten ihm mit einem bei ihm vorgefundenen Federmeſſer das Geſicht und die Ohren und entfernten ſich endlich. In dieſem traurigen Zuſtande fand ihn ein Vorüberfahrender, der
In London kam unlängſt eine Mordſcene vox, die
ihn, da er noch Lebenszeichen an ihm bemerkte, in ſeinen Wagen nahm und nach Möglichkeit pflegte. Am 17. Juli wurde der Kranke in das allgemeine Krankenhaus nach Brünn„gebracht.
Am 29. Juni, als dem Geburtstage Joſef Reſſel's, des Erfinders des Schraubendampfers, fand in deſſen Vaterſtadt Chrudim die feierliche Enthüllung einer mar⸗ mornen Gedenktafel an dem Geburtshauſe Reſſel's ſtatt. Dieſer Feſtlichkeit wohnten alle dortigen Civil⸗ und Mi⸗ litärbehörden, ſowie eine Deputation des Trieſter Komité für das Reſſel⸗Monument und der Civilingenieur Heinrich Reſſel, Sohn des Gefeierten, bei, welcher als. Vertreter der Familie Reſſel von dem Stadtrathe Chrudims eine beſondere Einladung erhalten hatte. Der Stadtrath von Chrudim hat denſelben, um bei dieſer Gelegenheit das Andenken des Gefeierten noch höher zu ehren, zum Ehren⸗ bürger von Chrudim ernannt.(Wir berichten bei dieſer Gelegenheit, daß das Bedenken, welches wir neulich gegen die italieniſche Inſchrift am Denkmal eines deutſchen Erfinders in einer deutſchen Stadt ausſprachen, wenigſtens den Erfolg gehabt hat, daß das Komité in Trieſt, um keine Nationalität zu verletzen, einſtimmig beſchloſſen hat, die betreffende Inſchrift in lateiniſcher Sprache, als Uni⸗ verſalſprache, abzufaſſen.)
Welch' geſcheite Thiere in Schottland die Hoch⸗ landsſchafe ſind, davon folgendes Beiſpiel: Im Garten einer ſchottiſchen Beſitzung befanden ſich einige Beete mit frühzeitigen Gemüſepflanzen, welche eines Taes dergeſtalt verwüſtet waren, daß man ſich genöthigt ſah, ſie mit
asfenſtern zu bedecken. Am andern Tage waren die iben zerbrochen und die Pflanzen abermals beſchä⸗ Man nahm jetzt ſehr ſtarkes Glas, welches nur mit
rengung hätte zerbrochen werden können und ſtellte als man auch diesmal eine Scheibe zerbrochen fand, eiten Wächter aus. Und ſiehe da, in der Abend⸗
dämmerung kam ein Hochlandsſchaf durch eine Lücke des Gartenzaunes, trug einen ziemlich ſchweren Stein in der Schnauze, ging au's Gemüſebeet und ſchleuderte den Stein mit ſolcher Kraft in eine Scheibe, daß ſie in Stücken ging. Dann ſteckte es den Kopf durch die Scheibe und fing ge⸗ müthlich an zu freſſen.
Der Schütze Dorner aus Nürnberg führte bei dem Gothaer Schützenfeſt folgendes Kunſtſtück aus: Er legte die Büchſe an, zielte, nahm dann mit der linken Hand den Hut vom Kopfe und legte ihn auf das Viſir oder den Diopter, während die Rechte unbeweglich und ohne das Zucken eines Pulsſchlages in der Richtung blieb. Nun drückte er ab und die Kugel traf das Centrum. Auf Erſuchen wiederholte er einigemale dies Kunſtſtück mit großer Ruhe und ſicherer Hand und ſtets mit gleichem Erfolge.. In Brünn verurſacht der Selbſtmord eines jungen Mannes viel Aufſehen. Derſelbe hatte ein nicht unbedeu⸗ tendes väterliches Erbe durchgebracht, war jedoch wieder zu einem ordentlichen Lebenswandel zurückgekehrt, wozu eine heftige Neigung, die er zu einem jungen Mädchen faßte, viel beitragen mochte. Da erkannte er, daß er hoff⸗ nungslos liebe und verſank wieder in ſein unordentliches Treiben. Dieſer Tage kömmt er in ein Gaſthaus, das er ſeiner Neigung wegen zu beſuchen pflegte, läßt ſich ein Glas Wein einſchänken und ſchüttet unter dem Vorgeben, er müſſe ein Brauſepulver nehmen, ein weißliches Pulver in das Getränk, das er in einem Zuge zu ſich nimmt. Hierauf empfahl er ſich mit der Bemerkung, man werde ihn nicht mehr ſehen. Auf die Frage, wohin er denn zu reiſen gedenke, entgegnete er:„In's Jenſeits, denn ich habe Arſenik in den Wein gethan.“ Alles lachte über den vermeintlichen Spaß, aber man ſollte ſich bald von der Wahrheit überzeugen. Der Unglückliche iſt ſeinen Leiden bereits erlegen.
Redigirt unter Verantwortlichkeit des Verlegers.— Papier und Druck des art.⸗typ. Inſtituts von Carl Bellmann in Prag.


