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Fnka Enkeln
Adler frei umhergingen. Der Soldat zog ohne alle Ver⸗ anlaſſung ſeinen Säbel und ging damit zuerſt auf das Kameel los; da dies aber entſetzlich brüllte, ſo wandte er ſich von demſelben ab und ging zum Adler, dem er den Hals durchſchlug. Dieſe Brutalität hat allgemeine Entrüſtung erregt.
An den 20.000 Gulden⸗Treffer der Creditloſe⸗ Ziehung knüpft ſich eine intereſſante Epiſode. Der Beſitzer des Loſes, ein junger Mann, hatte ſich bei der Südbahn um eine Anſtellung beworben und dem Geſuche ein Credit⸗ los als Geſchenk für den Bureauchef beigelegt. Der letztere übergab das Los der Direktion und dieſe konfiscirte es zu Gunſten des Armenfondes. Dagegen erhob der junge Mann Rekurs und der Beſcheid erfolgte dahin, daß ihm das Los zurückzugeben ſei, weil hier keine Beſtechung eines Staatsbeamten vorliege. Und dieſes ſelbe Los hat nun den Treffer mit 20.000 fl. gemacht.
Dampfmaſchinen in England. Einer der bedeu⸗ tendſten engliſchen Ingenieurs, Fairbairn, veröffentlichte vor Kurzem ein Werk über die in England im Gange befindlichen Dampfmaſchinen, welches höchſt intereſſante Angaben über die von dieſen Maſchinen repräſentirten mechaniſchen Kräfte enthält. Nach Fairbairn beſchäftigen die Metallbergwerke und Schmelzöfen Englands eine Geſammtheit von Dampfmaſchinen, welche 450.000 Pferde⸗ kräfte repräſentirt. Die Dampfmaſchinen der Manufakturen arbeiten mit zuſammen 1,350.000 Pferdekräften, die Schiff⸗ fahrt mit 850,000, die Lokomotion mit 1 Million. Alſo im Ganzen 3,630.000 Pferdekräfte. Da aber dieſe Ma⸗ ſchinen durchſchnittlich mit dem Dreifachen ihrer nomi⸗ nellen Kraft arbeiten, ſo ſteigt nach Fairbairn in Wahr⸗ heit die Ziffer auf 11 Millionen. Dieſe 11 Millionen Pferdekräfte, deren jede der Kraft von etwa 7 ſtarken Männern gleichkommt, würden ohne die Erfindung Watt's und Arkwright's die Kräfte von 77 Millionen Menſchen erfordern, ſonach dem mannskräftigen Theile einer Be⸗ völkerung von 250 Millionen entſprechen. Eine ſo große Bevölkerung beſitzt aber Indien nicht, kaum China, und die Sklaven Südamerika's betragen höchſtens ein Fünf⸗ zigſtel der genannten Menge.
Das heißt Gutsbeſitz. Aus Peſt wird geſchrieben, daß Fürſt Paul Eſterhazy mit einer belgiſchen Geſellſchaft wegen Abtretung ſeiner Güter in Ungarn auf 40 Jahre in Verhandlung getreten ſei. Dieſe Geſellſchaft ſoll ſich verpflichten, dem Fürſten 24 Millionen Kapital, außerdem aber 400.000 fl. jährliche Renten zu zahlen. Die Geſell⸗ ſchaft will die Güter ſelbſt verwalten, und daran wird ſie gut thun, ſonſt geht ihr die Rechnung nicht zuſammen.
Der franzöſiſche General Forey, der kürzlich aus Lombardo⸗Venetien nach Paris zurückgekehrt iſt, ſoll— wie der„Donauztg.“ geſchrieben wird— von dem guten Geiſt der öſterr. Armee und von ſeinen Geſprächen mit Benedek ganz entzückt ſein. Benedek ſoll zu ihm geſagt haben:„Wir werden nicht angreifen; wenn aber die Piemonteſen Miene machen, auch nur einen einzigen Musketenſchuß gegen uns abzufeuern, ſo werden wir dieſesmal gerade nach Turin marſchiren.“ Dagegen ſoll Lamarmora zu Forey geſagt haben:„Sie kommen aus Verona, Sie werden dort eine ſchöne Armee geſehen haben; ich kanm Ihnen nichts dergleichen zeigen und würde ſehr verlegen ſein, wenn ich morgen in's Feld rücken ſollte.“
Der engliſche Oberrichter Graham war der höf⸗
llichſte Juriſt auf Gottes Erdboden und ſprach die vor
ihn geführten Verbrecher ſtets auf die leutſeligſte Weiſe an.—„Mein guter Freund,“ pflegte er zu ſagen,„Ihr ſeid leider überführt worden, das Verbrechen des Mordes begangen zu haben, und es iſt alſo meine peinliche Pflicht, Euch das Leben abzuſprechen.“— Eines Tages verurtheilte er einen Räuber zur Transportation, während der Gerichtsſchreiber ihn leiſe darauf aufmerkſam machte, daß dem Geſetze nicht genügt ſcheine.—„O mein lieber Freund, kommt ein Mal zurück,“ rief Graham dem Ver⸗ urtheilten zu;„ich bitte Euch wegen eines begangenen
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Feuilleton. 95⁵
Irrthums um Verzeihung(er zog ſein ſchwarzes Kapp⸗ chen); ich ſprach Euch Transportation zu, finde aber jetzt, daß Eure That mindeſtens den Galgen werth iſt.“
Der Preis für zwei Haarlocken eines Mädchens. In Hamburg ſchwebt ein höchſt amüſanter Proceß wegen Entſchädigung für zwei abgeſchnittene Haarlocken. Die näheren Umſtände ſind folgende: Die Tochter eines dor⸗ tigen Kaufmanns, der in ziemlich gedrückten Verhältniſſen lebt, ſuchte als Schneiderin ihrer Familie einen Neben⸗ erwerb zu verſchaffen und machte häufig Einkäufe in einem Modewaareugeſchäft der Altſtadt. Ein dort ange⸗ ſtellter Kommis, der Sohn reicher Eltern, bat das junge Mädchen mehrmals im Scherz, ihm eine ihrer ſchönen Haarlocken zu ſchenken. Als ſie neulich wieder in den Laden trat, machte er ſich den Spaß, ihr mit der Schere zu drohen und nach ihrem Haare zu ſchneiden. Unglück⸗ licherweiſe— mindeſtens ſtellt der junge Mann die Sache ſo harmlos dar— gerieth die Schere bei dieſem Spiel wirklich dem Mädchen in's Haar und zwei große Locken fielen zur Erde. Der erzürnte Vater verlangt einen Scha⸗ denerſatz von 1500 Mark. Um die Sache womöglich in Güte beizulegen, erbot ſich der Kommis, welcher ſeinen Muthwillen ernſtlich bereut, 400 Mark Banko zu zahlen — aber vergebens, der Kaufmann beſtand auf ſeiner Forderung, und ſo werden nun die Gerichte den Werth der Locken abzuſchätzen haben. Am Ende heiratet der Kommis das Mädchen und das Luſtſpiel iſt fertig.
Man hat heuer in Südrußland, wo die Heu⸗ ſchreckenplage wieder groß iſt, die Bemerkung gemacht, daß die Heuſchrecken die Runkelrüben verſchonen. So groß übrigens auch der Schade iſt, den ſie anrichten, ſo ſteht heuer in der Ukraine, Podolien und Volhynien doch eine ſehr reiche Ernte in Ausſicht.
Der Londoner Thierſchutzverein hat ein„Aſyl“ (home, wörtlich Heimat) für verlorene und hungernde Hunde errichtet; es liegt in Holloway. Ein enthuſiaſtiſcher Hundefreund, William Kidd, hielt am 5. März zum Beſten dieſer Anſtalt eine zwei Stunden lange Vorleſung über die trefflichen Eigenſchaften der Hunde, welcher eine faſhionable Verſammlung mit Andacht zuhörte.
Die Entſtehung der ſo berühmt gewordenen alten franzöſiſchen Kaiſergarde, welche in die Zeit des Feldzuges in Italien 1796 fällt, iſt ſo intereſſant, daß wir ſie hier mittheilen. Als nämlich bei dem Gefechte von Borghetto am 30. Mai Buonaparte bemerkte, daß die Oeſterreicher nirgend mehr Stand hielten, ritt er nach St. Giorgio, weil ihn heftige Kopfſchmerzen peinigten, die er durch ein Fußbad vertreiben wollte. Er ſaß in demſelben, als plötzlich Kleingewehrfeuer erſcholl und Huſaren von der Abtheilung des Generals Sebottendorf ſo raſch daher kamen, daß die Wache kaum noch Zeit hatte, das Thor des Hauſes, in welchem der franzöſiſche Feldherr ſich befand, zu ſchließen. Buonaparte entkam durch eine Hinter⸗ thür, an einem Fuß den Stiefel, den andern nackt. Se⸗ bottendorfs Huſaren wurden durch die Truppen der Diviſion Maſſena ſchnell verjagt und Buonaparte konnte zurückkehren. Die Gefahr aber, in der er geſchwebt, gab ihm den Gedanken ein, ſich eine Leibwache zu errichten. Die tapferſten und gewandteſten berittenen Jäger, welche eine mehrjährige tadelfreie Dienſtzeit nachweiſen konnten, wurden dazu gewählt und ihre Anführung dem Eska dronschef Beſſieres, nachmaligem Herzog von Iſtrien, anvertraut. Aus Rückſicht auf das Direktorium gab man dieſer erleſenden Reiterſchar den Namen Compagnie des Guides. Sie verſah den Dienſt in Buonapartes Haupt⸗ quartier, begleitete ihn auf Rekognoſcirungen, bildete überhaupt ſeine Bedeckung und war der Stamm der nachmaligen Kaiſergarde..
Der Beſitzer des ehemaligen Pack'ſchen Fabrik⸗ etabliſſements in Karolinenthal bei Prag, Ernſt Edler. v. Lindenheim, wird dort eine große Arbeiterkolonie ein⸗ richten. Dieſelbe ſoll aus 16 Häuſern mit drei Stockwerken beſtehen, welche zuſammen 520 größere und kleinere Wohnungen enthalten werden. Jede Wohnung wird mit


