94 Erinnerungen.
Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
Die Bevölkerung Londons beträgt der neueſten Cenſusaufnahme zufolge 2,803.034 Köpfe, was in den letzten zehn Jahren eine Zunahme um 440.798 ergibt. Die Einwohnerzahl der Hauptſtadt kommt ſomit jener von 20 der bedeutendſten Provinzſtädte gleich, deren jede nicht unter 70.000 Einwohner zählt. Bolton, Bir⸗ mingham, Bradford, Brighion, Briſtol, Hull, Leeds, Liver⸗ pool, Mancheſter, Norwich, Newcaſtle, Nottingham, Old⸗ ham, Preſton, Salford, Portsmounth, Sheffield, Stocke⸗ upon⸗Trent, Sunderland und Wolverhampton zählen nämlich zuſammengenommen 2,963.945 Einwohner. Doch wächſt in dieſen Städten die Bevölkerung raſcher als in der Hauptſtadt, da die Zunahme in dieſer blos 440.798, in jenen dagegen 591.058 beträgt, bei London blos 18, bei dieſen 25 Procent.
Humoriſtiſches.
König Georg der Erſte raſtete auf einer Reiſe nach Hannover in einem holländiſchen Dorfe und ver⸗ langte einige Eier, wofür er 200 Gulden bezahlen mußte. —„Wie?“ rief er aus;„die Eier müſſen ja bei Euch eine ungeheure Seltenheit ſein.“—„Die Eier nicht, aber die Könige,“ erwiederte der höfliche Wirth mit einer Verbeugung.
General Shelley ritt während der Revue eines Kavallierkorps an einen Sergeanten heran und es ent⸗ ſpann ſich dabei folgender Dialog;—„Welches iſt das beſte Pferd Ihrer Schwadron?“ fragte der General.— „Das Pferd Nr. 40.“—„Welche Eigenſchaften machen es zu dem beſten?“—„Es trabt und galoppirt gut, hat keinen Fehler, iſt wohlgenährt, trägt den Kopf hoch, hat ein gutes Gemüth und iſt noch jung.“—„Und wer iſt der beſte Soldat der Schwadron”““—„Tom Jones, Herr General.“—„Warum?“—„ÄEr iſt ehrlich, dienſt⸗ willig, tapfer, nimmt Equipirung und Waffen in Acht, ſorgt gut für ſein Pferd und hält ſonſt in jedem Stücke ſtreng auf Erfüllung ſeiner Pflicht.“—„Wo iſt nun das beſte Pferd?“—„Es iſt das meine, Sir.“—„Und wer iſt der beſte Soldat?“—„Ich, zu dienen, Herr General.“— Shelley lachte laut auf und da er ſich von der Wahrheit der erhaltenen Auskunft überzeugte, gab er dem Sergeanten ein Geldgeſchenk.
„Welch' Wunder! Sie ſind gerettet und hatten doch nach meiner Berechnung geſtern Abends nur noch ſechs Stunden zu leben.“—„Ja, wenn ich Ihre letzte Medicin genommen hätte!“
„Aber Eduard, was machſt Du für ein Geſicht?“ —„Liebes Kind, gegen die Süßigkeit Deines Lächelns erſcheint Alles ſauer, ſo daß ich nothwendiger Weiſe ein ſaures Geſicht haben muß.“
„Papa, wenn Du in den Krieg gehſt, nimm mich mit,“ ſagte der kleine Sohn eines Burgergardiſten.— „Ja, mein Junge, ich trage Dich auf dem Rücken.“— „Dann wird der Junge ſicher vom Feinde getroffen,“ bemerkte ein Witzbold.
König Karl der Zweite von England fragte den Biſchof Stillingfleet, warum er die Predigten, welche er vor ihm halte, vorleſe.—„Weil mich,“ erwiederte der Biſchof,„die Ehrfurcht vor einem ſo großen und weiſen Fürſten verhindert, ihn anzublicken. Äber geſtatten Ew. Majeſtät mir auch eine Frage: Warum leſen Sie Ihre Reden im Parlament?“—„Ach,“ antwortete der König, nich habe das Haus der Lords und Gemeinen ſo oft um Geld gebeten, daß ich mich ſchäme, den Herren in's Ge⸗ ſicht zu ſehen.“
Ein Ehemann ſagte:„Frauen theilen unſere Sorgen, verdoppeln unſere Freude und verdreifachen unſere Ausgaben.“
In einem Theaterſtücke ſtellten zwei Haufen Statiſten griechiſche und trojaniſche Krieger vor.—„Auf die Bühne, Griechen!“ flüſterte der Regiſſeur an der
betreffenden Stelle dem einen Haufen hinter den Couliſſen zu. Die dummen Statiſten verſtanden:„Auf die Bühne kriechen!“ und krochen, einer nach dem andern, mit Helm und Schild zum Gelächter des Publikums hinter der Pappwand hervor.
Vermiſchtes.
In dem Territorium Arizone(Amerika) iſt eine Niederlaſſung von Indianern überfallen worden. In der Nähe der ausgeraubten Station fand man die Leichen zweier Weißen, mit den Füßen an Bäume, mit den Armen an Pfähle gebunden, und den Spuren eines lang⸗ ſamen Feuers unter den Köpfen. Die Leiber waren von Pfeilen und Lanzen durchbohrt.
In Wien lebt eine Dame, Amerikanerin, welche Mutter von 24 Kindern und Großmutter von 50 Enkeln iſt, die ſich ſämmtlich noch am Leben befinden. Vor Kur⸗ zem war der 80. Geburtstag dieſer würdigen Matrone, und eines ihrer Kinder hatte ihr die Ueberraſchung be⸗ reitet, aus nah und fern, ſelbſt vom Ohio her, ſämmtliche Familienmitglieder zum Beſuche nach Wien zu laden. An dieſem Tage fanden ſich auch alle in der Sommervilla der Ahnfrau ein und es war ein impoſanter Anblick an der Tafel von 100 Gedecken unter dem Vorſitze der rüſti⸗ gen Greiſin vielleicht die zahlreichſte Familie der Welt beiſammen zu erblicken.
In den vornehmen Kreiſen Berlins wird das Verſchwinden eines Kammerherrn einer königlichen Hoheit beſprochen. Er hinterläßt circa 40.000 Thaler Schulden und war gezwungen, ſich ſeinen Gläubigern zu entziehen. Einer derſelben, ein berüchtigter Wucherer in Potsdam, hatte auf dieſes Verſchwinden gerechnet und einen Wechſel über 1000 Thlr. auf 11.000 gefälſcht. Der Flüchtige wies aber von der Schweiz aus dieſe Fälſchung nach, und der Wucherer erhängte ſich, um der Kriminalunterſuchung zu entgehen, im Wildpark.
Der Strohhalm als Blitzableiter. Die in dieſem Jahre ſo häufigen elektriſchen Wettererſcheinungen ver⸗ anlaſſen den Einſender, ein einfaches Mittel bekannt zu machen, das wegen ſeiner leichten Anwendungsweiſe gewiß vielſeitige Beachtung verdient. Die Eigenſchaft des Strohes, elektriſche Körper zu entladen, iſt bereits wiſſen⸗ ſchaftlich feſtgeſtellt. Verſuche haben dargethan, daß die Spitze eines Strohhalms, wenn letzterer auch nur einen Zoll lang, befähigt iſt, eine elektriſche Batterie, die mit hinreichender Elektricität, um einen Ochſen mit einem Schlage zu tödten, beladen iſt, augenblicklich ohne Funken und ohne Exploſion zu entladen. Auf Grund dieſer Feſt⸗ ſtellung hat man in Frankreich folgendermaßen einen Blitzableiter konſtruirt, der daſelbſt vielfach Anwendung gefunden hat. An einen Stab von weichem Holze wird ein Strohhalm der Länge nach mit Meſſingdraht befeſtigt und an das Ende desſelben eine Kupferſpitze angebracht. Dieſe einfache Konſtruktion ſoll hinreichenden Schutz gegen den Blitzſtrahl gewähren. In der Umgegend von Tarbes in Frankreich ſind auf je 20 Hektaren(1 Hektare= 31 ½, preuß. Morgen) ein derartiger Blitzableiter angebracht, wodurch die Gemeinden vollkommen gegen elektriſche Witterungseinwirkungen geſichert ſein ſollen. Die früher in Deutſchland hier und dort eingeführten, als, unwirkſam jedoch wieder aufgegebenen Lapoſtolle'ſchen Hagelableiter“ waren weſentlich anders, als nach obiger Beſchreibung eingerichtet.
Blutdurſt eines Soldaten. Die Kreutzberg'ſche Menagerie hat am 16. Juni in Bromberg einen nicht ganz unerheblichen Verluſt erlitten. Wärter des Morgens ein niedlicher Papagei im Werth von ca. 35— 40 Thlr. fortgeflogen, wurde Nachmittag s von einem Soldaten ein Adler erſchlagen. Dieſer Soldat beſuchte die Menagerie und drängte ſich unbemerkt in den Raum, in welchem ein Kameel und ein ganz zahmer
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