Heft 
(1861) 3 03
Seite
85
Einzelbild herunterladen

Huſarenblut. 83

Pferden umhertummeln, durfte ſchießen und jagen, ſchwimmen und klettern, und im Fechten unterrichtete ihn ſein alter Großvater ſelbſt, der, obſchon nahe an die Achtzig, doch noch den Säbel kräftig und geſchickt zu führen verſtand.

Trieb er es in ſeinen tollen, wilden Streichen zu arg, ſo ſparte der Alte die Schläge nicht, die waren ſeine einzige und beſte Erziehungsmethode. Fritz gedieh bei dieſem Leben prächtig, er wurde ſtark und abgehärtet, und nahm es im Reiten, Fechten und Schwimmen mit Jedem auf ein echtes Huſarenblut.

Als er konfirmirt war, wurde es Zeit, daß er endlich in den Waffendienſt eintrat, denn groß und ſtark genug war er dazu. Der Alte ſchrieb an ſeinen früheren Waffengefährten, den Generallieutenant von Blücher, Chef des Huſaren⸗Regiments, in welchem Fritz Vater geſtanden hatte, damit dieſer den Jungen als Junker bei ſeinem Regimente anſtellen möge.

Blücher verſprach, dem Wunſche nachzukommen.

Der Gedanke, jetzt preußiſcher Huſar zu werden, erfüllte den Jungen mit größter Freude, ſo lieb ihm das Leben auf dem großväterlichen Gute auch gewor⸗ den war.

Am Tage vor ſeiner Abreiſe verſammelte der Alte noch alle Nachbarn und Bekannte zu einem großen Gaſtmahle. Er ſelbſt erſchien in ſeiner ſchwarzen Huſaren⸗ uniform und ſchlug den Burſchen in ſeiner originellen Weiſe zum Ritter. Vor allen verſammelten Gäſten auf der großen Hausflur gab er dem Jungen eine laut klatſchende Ohrfeige, daß die Backe aufſchwoll, und ſagte dabei lachend:Det iſt nu der letzte Schlag, Junge, den Du Dir in Deinem ganzen zukünftigen Leben darfſt ungeſtraft geben laſſen. Wer von jetzt an Dir beleidigt oder Dir nur ein ſchiefes Maul zieht, den forderſt Du vor den Säbel und hauſt Dich mit ihm herum, ſo lange noch ein Blutstropfen in Dir iſt. Haſt Du mir ver⸗ ſtanden, Junge? Als Fritz dies bejahte, fuhr er fort: Na, das iſt gut, das wollte ich mir auch ausgebeten haben, und da haſt Du denn auch eine Waffe und führe ſie mit Ehren vor Sr. Majeſtät dem Könige von Preußen oder vor einen anderen deutſchen Fürſten und auch vor Deine eigene Ehre, wie alle Deine Ahnen da und dabei wies er auf die an den Wänden aufgehängten Ahnenbilder,und wie ich und Dein ſeliger Vater dies auch gethan haben und wie Deine Söhne wenn Du nämlich erſt mal welche haben wirſt, dies auch hoffentlich thun werden!

Nach dieſer erbaulichen Anrede gab er ihm einen Kuß auf die noch geröthete Backe und gab ihm einen ſchönen Säbel, an deſſen Griff oben das Familienwappen eingravirt war.

Von dieſem Augenblicke an zählte derHuſaren⸗ junge zu den Erwachſenen und zum erſten Male durfte er mit den Erwachſenen nach beendigtem Mahle pokuliren.

Am folgenden Tage reiſte er auf einem ihm von ſeinem Großvater geſchenkten kräftigen Rappen, eine gute Rolle mit Dukaten in der Taſche, hinter ſich einen reich mit Wäſche verſehenen Mantelſack, von einem

y

alten Veteranen geleitet und mit einer Bruſt voll froher, muthiger Hoffnungen nach Stolpe ab.

Sein erſtes Huſarenſtückchen führte er in Greifs⸗ walde aus. In einem Wirthshauſe, wo er beim Glaſe Wein mit einigen Studenten eines Hundes wegen in Streit kam, hatte er die erſte Gelegenheit, ſeinen Muth zu erproben. Doch hören wir ihn ſelbſt, wie J. v. Wickede in ſeinem intereſſanten Buche:Ein deutſches Reiter⸗ leben, ihn erzählen läßt:

Nach vielem wüſten Hin⸗ und Hergeſchrei wurde dann endlich ausgemacht, daß ich dem Beſitzer des Hundes ſogleich Genugthuung auf ſechs Gänge mit krummen Säbeln geben ſolle. Einer der Studenten, ein anſtändiger Menſch, erklärte ſich bereit, mein Sekun⸗ dant zu ſein.Ich will das Bürſchlein wie eine Lerche aufſpießen, renommirte mein Gegner in roher Weiſe und gedachte, mich dadurch einzuſchüchtern, allein ich vertraute auf meinen kräftigen Arm und meine mir vom Großvater, der ein berühmter Fechter war, einge⸗ lernte Geſchicklichkeit in der Führung des Säbels, lachte zu ſolcher Prahlerei und hatte nicht die mindeſte Furcht. Das Duell ward ſogleich im Saale des Wirthshauſes ausgefochten und wir ſchlugen beide wüthend auf ein⸗ ander los. Mein Gegner hatte den Vortheil, bedeutend größer zu ſein, ich aber merkte bald, daß ich gewandter als er focht, und hielt mich abſichtlich zuerſt in der Deckung, um ihn noch mehr zum Zorn zu reizen und unnöthig zu ermüden. Es gelang mir dies auch; fünf Gänge verliefen ohne Erfolg, im letzten merkte ich aber, daß der Arm meines Gegners zu erlahmen anfing, ging nun ſchnell zum Angriff über und brachte ihm denn auch einen tüchtigen Hieb in das Geſicht bei, ſo daß das Blut herausſtürzte und der Zweikampf ein Ende hatte. Die Studenten ärgerten ſich zwar darüber, daß ich junger Burſche einen altenHaupthahn von ihnen gehörigausgeſchmiert hatte, luden mich aber nichts⸗ deſtoweniger am Abend zu einem großen Kommers ein, welche Einladung ich auch annahm.

Mit ſchwerem Kopfe reiſte er am folgenden Mor⸗ gen ab, erreichte ohne Unfall Stolpe und wurde der Schwadron des Rittmeiſters v. B. als Eſtandarten⸗ junker zugewieſen.

Die Nachricht von ſeinem rühmlich ausgefochtenen Duell in Greifswalde war auch nach Stolpe gelangt und verſchaffte ihm die Zuneigung Manches im Regi⸗ mente, dennoch mußte er im Anfange den gewöhnlich⸗ ſten und härteſten Soldatendienſt verrichten. Von der Pique auf war damals noch das treffliche Princip, das auch bei dem reichſten und vornehmſten Junker keine Ausnahme geſtattete. Im Sommer um halb vier Uhr, im Winter um halb fünf Uhr blies der Trompeter die Reveille. Dann hieß es vom harten Lager auf. Ein Trunk Waſſer, ein Stück Kommißbrod und nun in den Stall, um Striegel und Kartätſche zu handhaben. Nur eine Minute zu ſpät koſtete Arreſt und war es der vor⸗ nehmſte Junker.

Nach dem Stalldienſt ging's hinaus zum Exer⸗ cieren. Ein Stück Kommißbrod und ein herzhafter Schluck Soldatenkaffee Kornbranntwein bildeten das

11*