8² Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor. 2 Er duldete nicht, daß das Kind eingewickelt wurde, und Huſarenblut. bis zum vierten Jahre durfte es weder Strümpfe, noch
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ſſ s war anno 1786. In einer kleinen pommer⸗ „ ſchen Landſtadt ſtand ein Rittmeiſter mit einer Schwadron des früher von Belling'ſchen, ſpäter — von Blücher'ſchen Huſarenregiments in Garni⸗ ſon. Er war mit ſeiner Schwadron zum Exer⸗ cieren vor's Thor geritten. Ein alter Huſar, ein Württemberger, der in des Rittmeiſters Hauſe die Stelle eines Faktotums verſah, lief eiligſt durch die Stadt und rief ſchon von weitem ſeinem Herrn zu:„Iſcht a Buble,
iſcht a Buble, Gnaden Herr Rittmeiſter.“
Ein Sohn und Stammhalter war dem Rittmeiſter nach fünfjähriger, kinderloſer Ehe geboren. Ein Freuden⸗ ſtrahl zuckte über ſein Geſicht, ohne Zögern gab er dem polniſchen Schecken, den er ritt, die Sporen, und ſprengte zurück in die Stadt vor ſein Haus. Er ſprang aus dem Sattel, ſtürmte mit Sporen⸗ und Säbelgeklirr in die Stube der Wöchnerin und drückte dieſer einen herzhaften Kuß auf die Stirn. Dann riß er den Jungen, ſeinen Erſtgebornen, aus den Händen der erſchrockenen Heb⸗ amme, gab ihm einen Kuß, hielt ihn hoch empor und rief mit lauter Kommandoſtimme:„Donnerwetter, das iſt ein Prachtjunge, den müſſen gleich meine Huſaren ſehen.“ Und ehe die im Zimmer anweſenden Frauen ihn daran hindern konnten, ſtürmte er, den Jungen auf dem Arm, hinunter, ſchwang ſich auf den noch vor der Thür ſtehenden Schecken und jagte durch die Stadt hinaus zum Exercierplatz, wo währenddeſſen ein Lieute⸗ nant die Schwadron exerciert hatte.
Hoch hob ſich der Rittmeiſter in den Bügeln, hielt ſeinen Erſtgebornen über den Kopf des Pferdes, daß alle Huſaren ihn ſehen konnten, und rief laut:„Burſche, da ſeht ihr meinen Jungen, iſt das nicht ein derber Bengel, aus dem noch einmal ein tüchtiger Soldat für Se. Majeſtät unſern König werden kann!“ Und die Huſaren, die für ihren Rittmeiſter durch die Hölle ge⸗ ritten wären, lachten und riefen jubelnd:„Unſer Herr Rittmeiſter ſoll leben und ſein Sohn, der Huſarenjunge, auch daneben!“
Die blaſenden Trompeter voran, den Jungen ſtatt des Säbels in der Hand haltend, ritt er an der Spitze der Schwadron zurück in das Städtchen und vor ſein Haus, wo die Huſaren der erſchrockenen Wöchnerin ein jubelndes Lebehoch brachten.
Das war des künftigen Huſaren Soldatentaufe. Als der Junge aber in Wirklichkeit getauft wurde, hatte der Rittmeiſter ſeine ganze Schwadron zu Taufpathen gebeten, und in Paradeuniform zogen ſie in die Kirche, wobei der älteſte Wachtmeiſter, ein Veteran aus dem ſiebenjährigen Kriege, den Jungen im Arme trug. Das Taufkiſſen war des Rittmeiſters Paradeſchabracke, und eine kleine Jacke von derſelben dunkelrothen Farbe, wie die Dolmans des Regiments, war dem„Huſaren⸗ jungen“ angezogen.
Der Rittmeiſter war ein ſonderbarer Kauz. Mit Gewalt wollte er ſchon jetzt aus dem Jungen einen Huſaren machen, der Wind und Wetter vertragen konnte.
Mütze, noch Hoſen tragen.
Ehe der Junge ein Jahr alt war, nahm ihn der Rittmeiſter häufig auf's Pferd, oder ein alter Wacht⸗ meiſter, ein geborener Ungar mit mächtig langem Bart, ſetzte ihn vor ſich auf den Sattel und dann ging's fort in vollem Galopp durch Dick und Dünn.
Und in dem Burſchen ſteckte echtes, wildes Huſa⸗ renblut. Das tolle Treiben gefiel ihm. Kaum konnte er laufen, ſo ſaß er ſchon allein auf dem Pferde, und dann konnte es nicht wild genug hergehen. Die ſanftere Mutter vermochte dem unbändigen, vom Vater mit beſonderer Vorliebe gepflegten Sinn des Knaben nicht zu wehren; ſie ſtarb, als er noch keine drei Jahre zählte.
Im Jahre 1792 rückte der Rittmeiſter mit ſeiner Schwadron gegen die Franzoſen in's Feld. Auf dem Marktplatze des Städtchens hielt er vor der Front ſeiner Schwadron, hob den Jungen zu ſich auf's Pferd und küßte ihn.„Junge,“ ſagte er,„halte Dich brav und— wenn ich Dich nicht wiederſehen ſollte, ſo werde ein tüchtiger Soldat, der unſerm Namen Ehre macht.“ Und dabei rollten ihm die dicken Thränen in den Schnurrbart, was dem Jungen um fo mehr auffiel, als er es nie für möglich gehalten hatte, daß ſein Vater auch weinen könne. Als er nun ſelbſt anfing zu weinen, rief der Alte:„Na, nun fang Du nur nicht auch noch eine Heulerei an, Junge.— Da lauf zu den Huſaren und ſage denen Adieu!“
Und das war ſein Abſchied für's Leben, denn er kehrte aus dem Kriege nicht zurück.
Der Huſarenjunge— Fritz war ſein Name— wurde nun zu ſeinem Großvater in Mecklenburg ge⸗ bracht. Der war früher auch Huſarenrittmeiſter geweſen und lebte jetzt auf ſeinem großen Gute, da er in der Schlacht von Freiberg entſetzlich verſtümmelt war. Das linke Auge war ihm ausgeſtochen— er trug deßhalb eine ſchwarze Binde darüber,— eine breite blaurothe Narbe zog ſich quer über Stirn, Naſe und Mund bis zum Kinn herab und bildete eine ſo tiefe Furche, daß man faſt einen kleinen Finger hineinlegen konnte. Eine Schußwunde in der Hüfte veranlaßte dabei ein ſtarkes Hinken, ſo daß der Alte nur langſam am Krückſtock einhergehen konnte. Er war ein echter alter Haudegen, gutmüthig, aber ohne alle Umſtände. Wennss recht toll um ihn herging, befand er ſich am wohlſten. Verwegene Reiterkünſte liebte er leidenſchaftlich.
Sein großes Gut war eine Freiſtätte für jeden alten Huſaren, der früher in ſeinem Regiment gedient hatte, und eine Menge Ganz⸗ oder Halbinvaliden war auf dem Hofe mit leichter Arbeit beſchäftigt, lebte dabei aber ſehr gut. Dieſe ſaßen dann Abends oder Sonntags beiſammen und erzählten Huſarenſtückchen und kühne Reiterſtreiche, und der Huſarenjunge, der Fritz, ſaß mitten unter ihnen und lauſchte aufmerkſam ihren Er⸗ zählungen.
Das war ein Leben nach ſeinem Sinne auf des Großvaters Gute. Mit Lernen wurde er wenig geplagt, dafür durfte er ſich nach Wohlgefallen auf den wildeſten


