62 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
tauben, 20.000 Centner Fiſche aller Art, 16.000 Centner Reis, 1,200.000 Centner Mehl, 280.000 Centner Brod, 300,000 Centner Obſt, 55.000 Centner Fett und 60 Mil⸗ lionen Stück Eier.
Das Bier in Baiern. Folgende Nachweiſe gibt
kein Miniſterialbeamter in München über das Bier,„das
fünfte Element in Baiern.“ Mehr als die Hälfte der jähr⸗ lichen Gerſtenernte, 1,200.000 Scheffel, und 50.000 Centner Hopfen werden in Baiern jährlich zur Bierfabrikation verwendet. Dies Material koſtet circa 15 Millionen Gul⸗ den. Die Koſten der Bereitung, Kapitalintereſſen ꝛc. ein⸗ gerechnet, ſind 12,600.000 Gulden, die Steuern 8 Mil⸗ lionen; den Baiern kommt alſo ihr Bier alljährlich auf 35 Millionen Gulden zu ſtehen, etwa ſo viel, wie die Staatseinnahmen im Ganzen betragen. Nimmt man den jetzigen Bierpreis an, ſo ſteigern ſie ſich auf 50 Millionen Gulden. Die Zahl der Brauereien iſt 4858; das Bier⸗ quantum jährlich beträgt 8,400.000 Eimer. Der Export desſelben iſt dagegen verhältnißmäßig gering; er belief ſich 1856 nur auf 165.236 Eimer, alſo nicht ganz 2 Proc. des gebrauten Gerſtenſaftes.
Die Straßen Londons haben die Geſammtlänge von 1750 Meilen und deren Pflaſterung koſtete circa 44 Mill. Pfund Sterling.
Humoriſtiſches. Ein Landpfarrer begegnete einem ſeiner Bauern,
welcher einen Sack Mehl trug.—„Nun, wohinaus, lieber Matz?“ fragte der Ehrwürdige.—„Ich will einer armen Frau das Mehl bringen.“—„Sehr edel, lieber Matz,
ſehr chriſtlich! Wird ihm hoch angerechnet werden. Wer iſt denn die arme Hilfsbedürftige?—„Na, meine Frau, Herr Pfarrer,“ erwiederte der pfiffige Bauer.
Heinrich IV. wandelte einſt in ſeinem Luſtgarten zu Fontainebleau, als der Gärtner ihm eine Stelle be⸗ zeichnete, auf welcher durchaus nichts wachſen wollte.— „Pflanze Advokaten hierher, die gedeihen gewiß,“ ſagte der König.
Ein Polizeibeamter, welcher einem einäugigen vornehmen Herrn einen Paß auszuſtellen hatte, ſchrieb, um ihn nicht zu beleidigen, in's Signalement: Schwarze Augen, von denen das eine abweſend iſt.
Warum freſſen weiße Schafe mehr als ſchwarze? — Weil es deren mehr gibt als ſchwarze.
Ein Maler malte die Fußbekleidungen ſeiner Por⸗ träts ſo täuſchend, daß er von der Schuhmacherinnung wegen unbefugter Ausübung ihres Handwerks denuncirt ward.
Ein Geck tadelte im Koncert eine Säugerin, in⸗ dem er ſagte, daß ſie viel zu hoch ſinge.—„Das hängt ganz von perſönlicher Auffaſſung ab,“ ſagte ſein Nachbar; „vielleicht ſind Ihre Ohren zu hoch.“
— Welcher Unterſchied iſt zwiſchen einem Fünfzig⸗ Thalerſcheine und einer fünfzigjäheeven Fran?— Der erſtere kann gewechſelt werven,⸗ die zweite nicht.
Zwei Mänze⸗ ramen aus einem Dilettantenkon⸗
cert.—„Mro halten Sie von der heutigen Auffüh⸗ runae“ lägte der Eine.—„Den Mund,“ antwortete
ser Andere.
Franen mit Krinolinen ſind gefährliche Perſ
. 4 3 9 1 onen fadis ſta hlon ihre Röcke, um Herzen zu bepben und lind weit mehr darum beſorgt, daß kein Reifen 3 daß ein Herz bricht. fene als daß
„Er iſt angeklagt, ſich ohne Arbeit umhergeirieben zu haben,“ ſagte ein Polizeirichter zum Vagabonden; „warum arbeitet Er nicht?“—„Weil ich dann Einkom⸗
menſteuer bezahlen müßte, Herr Polizei.“
Vermiſſhtes.
Von New⸗York aus wird die geſammte deutſche Preſſe dringend an die Erfüllung der Pflicht gemahnt, mit allen ihr zu Gebote ſtehenden Mitteln vor der Aus⸗ wanderung nach Amerika, ſo lange die jetzigen Verhält⸗ niſſe andauern, nachdrücklich zu warnen. Arbeit gibt es nicht, deſto mehr Arbeitloſe.
Am 9. Juni ging ein Leipziger Bürger und Kauf⸗ mann mit zwei unerwachſenen Söhnen in ein Bad. Er kam, ſeiner eigenen Ausſage nach, faſt unmittelbar vom Mittagseſſen und wurde deßhalb vom Badebeſitzer er⸗ mahnt von dem Gebrauche des Bades noch einige Zeit abzuſtehen. Deſſenungeachtet ſprang derſelbe, nachdem er ſich in ſeiner Zelle entkleidet, ſogleich in's Waſſer und kam nicht wieder zum Vorſchein: ein Blutſchlag hatte dem Leben des Unvorſichtigen ein Ende gemacht.
Von der Beredſamkeit amerikaniſcher Advokaten gibt folgende vor der Jury in Wisconſin für einen Mör⸗ der gehaltene Vertheidigungsrede eines Advokaten Zeug⸗ niß:„Gentlemen der Jury! Die Schrift ſagt: Du ſollſt nicht tödten; wenn Sie alſo meinen Klienten hängen laſſen, ſo machen Sie ſich einer Verletzung des göttlichen Gebotes ſchuldig. Ich beſtreite nicht, daß mein Klient einen Menſchen getödtet hat, aber iſt das ein Grund, daß Sie eben ſo handeln dürfen?— Sie meinen vielleicht, nicht die Jury, ſondern der Henker vollziehe den Mord; aber der Henker iſt nur das Beil, Sie ſind der Arm und der Kopf, Sie werden Alle als Mörder gelten. Ich ver⸗ pfände mein Wort, Gentlemen, daß keiner von Ihnen ein Bowiemeſſer oder Piſtol in der Taſche hat, nein, Gentle⸗ men, Ihre Taſchen ſind durchduftet vom Parfum des Tabaks und der Cigarren. Sie können fürder in Frieden die blauen Wölkchen aus der Naſe blaſen, aber wenn Sie meinen Klienten verurtheilen, ſo wird der ſchuppige Alli⸗ gator der Reue Ihnen durch'’s Rückenmark ſauſen und Ihre Bruſt wird ſich in eine Eiſenbahn des Grimmes und der Verzweiflung verwandeln. Gentlemen, hüten Sie ſich vor der Betheiligung an einem Morde! Hüten Sie ſich, die Initiative des Ewigen zu ergreifen! Ich beſchwöre Sie bei den Namen Ihrer Frauen, bei dem Topmaſt Ihrer inneren Zufriedenheit, bei Ihrer Liebe für unſere nationalen Kürbiſſe, bei den Sternen, die im Banner unſeres freien und großen Vaterlandes flattern, werden Sie keine Mörder! Nein, Gentlemen, Der iſt ein Schurke, welcher ſo Arges von Ihnen denkt. Ich werde mich mit Jedem ſchießen, welcher behauptet, daß Sie ſich mit einem Bluturtheile beflecken würden ꝛc.“ Der Angeklagte ward wirklich freigeſprochen.. 8
In neueſter Zeit ſind in Berlin in zwei Fällen Schutzmänner wegen Mißhandlung von Menſchen in Aus⸗ übung ihres Berufes zu 9, reſp. 4 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Dieſelben wurden zugleich auf 1 Jahr für unfähig zu öffentlichen Aemtern erklärt.
Eine arge Betrügerei wurde kürzlich in Nußloch bei Heidelberg von einigen herumziehenden, ſich für reiſende Schauſpieler ausgebenden Induſtrierittern verübt. Dieſelben ſpiegelten nähmlich einem Wirthe, in deſſen Hauſe ſie ſich aufhielten, vor, daß im Keller ein Schatz verborgen ſei, zu deſſen Hebung ſie ſich anheiſchig machten, wenn er ihnen die Summe von 2000 Fl. überließe. Der Haus⸗ eigenthümer war einfältig genug, dies zu thun. Die an⸗ geblichen Schatzgräber begaben ſich hierauf in den Keller, ſtellten eine Beſchwörung an und brachten in der That drei Säcke zum Vorſchein, welche ſie Jenem übergaben, mit der Weiſung, ſie erſt in acht Tagen zu öffnen. Als der Getäuſchte dieſes Letztere nach Ablauf der beſtimmten Friſt unternahm, fand er in den Säcken ſtatt des ge⸗ hofften Schatzes nur völlig werthloſe Gegenſtände. Die Gauner aber waren mit den 2000 Fl. längſt verſchwun⸗ den. Eine gerichtliche Unterſuchung iſt über dieſen groß⸗ artigen Betrug eingeleitet worden.
In der kleinen franzöſiſchen Stadt Bouin hat der Blitz während der Schulzeit in das Schulgebäude, ge⸗
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