Heft 
(1861) 2 02
Seite
65
Einzelbild herunterladen

em er d kam

dem dem

okaten

M

Feuilleton. 63

ſchlagen. Die Kinder waren gerade zum Gebet niederge⸗ kniet, als ſie plötzlich Steine, Holzſplitter und Kalk auf ſich niederfallen und eine kleine feurige Kugel mit außer⸗ ordentlicher Schnelligkeit durch ihre Reihen fliegen ſahen. Mehrere Kinder wurden theils ſtark verbrannt, theils von den herabfallenden Steinen ſchwer verwundet. Ein Knabe wurde vom Blitz getödtet.

Das größte Buch, das je gedruckt worden, befindet ſich in einem Exemplar in der k. k. Hofbibliothek zu Wien. Es führt den TitelPantheon der Helden Englands und iſt vier Klafter hoch und zwei Klafter breit. Die Buch⸗ ſtaben haben die Höhe eines halben Schuhes. Das Buch wurde auf einer Londoner Dampfpreſſe gedruckt und die Stelle der Druckerſchwärze vertrat Goldfirniß. Es ſind von dieſem typographiſchen Rieſen nur 100 Exemplare für die bedeutendſten Sammlungen abgezogen worden.

Aus Corfu, 28. Juni wird derTimes ge⸗ ſchrieben:Dieſes kleine Eiland, das Hauptquartier der vom Admiral Dacres befehligten Flotte, iſt nun mit der Anweſenheit Ihrer Majeſtät der Kaiſerin von Oeſterreich beehrt. Vergangene Woche brachte ein Wiener Telegramm die unerwartete Nachricht, daß die Kaiſerin, für die ſich das Wiener Klima abermals als nicht zuſagend erwies, Corfu zum Aufenthalt gewählt habe; am nächſtfolgenden Tage traf die öſterreichiſche FregatteAdria hier ein, an deren Bord ſich ein Hofbeamte befand, der in aller Eile Vorkehrungen für den Empfang treffen ſollte. Man ſchickte ſofort ein Boot nach dem auf einer Inſpektionsreiſe nach den ſüdlichen Inſeln abweſenden Lord⸗Oberkommiſſär, um ihn von dem Ereigniß in Kenntniß zu ſetzen; er kehrte ſogleich nach Corfu zum Empfang des erhabenen kaiſer⸗ lichen Gaſtes zurück. Am Montag traf der kaiſ. Kriegs⸗ dampferEliſabeth mit einem Theile des kaiſerlichen Gefolges, am Dienſtag der öſterreichiſche DampferGreif und die DampfhachtPhantaſie ein; am Bord der letz⸗ teren befand ſich Se. k. Hoheit der durchl. Herr Erzher⸗ zog Ferdinand Max. Die Kaiſerin traf im ſtrengſten Inkognito an demſelben Abend ein. Auf Ihren ausdrück⸗ lichen Wunſch waren Begrüßungsſalven und Ehrenwachen unterblieben. Sie bezog geſtern ein Landhaus, das der Lord⸗Oberkommiſſär der hohen Frau zur Verfügung ge ſtellt hatte. Dieſes, unter der BezeichnungKaſino be⸗ kannte Landhaus liegt auf einer lieblichen Anhöhe, ge⸗ währt die Ausſicht auf das Meer und iſt etwa eine Vier⸗ telſtunde von der Stadt Corfu entfernt. Von Sir Fre derick Adam gebaut, hat es eine ſehr hübſche Umgebung, war aber nie regelmäßig bewohnt und bedarf daher ſehr der Ausbeſſerung. Da es nicht möblirt iſt und das Ameu⸗ blement Ihrer Majeſtät erſt gegen Ende der Woche hier ankömmt, ſo wurde es zeitweilig mit den Möbeln der öſterreichiſchen Dampfer verſehen; es fehlt daſelbſt viel von dem Komfort eines gewöhnlichen engliſchen Land⸗ hauſes und es muß als ein ſehr beſcheidener Aufenthalt für eine Kaiſerin bezeichnet werden. Für Ihre Majeſtät gibt ſich hier eine allgemeine ſympathiſche Theilnahme kund und ich kann mit Vergnügen berichten, daß das milde hieſige Klima ihren Zuſtand bereits gebeſſert hat.

Als König Eduard der Dritte von England Ca⸗ lais belagerte und die Bürger mit ihm wegen der Ueber⸗ gabe der Stadt verhandelten, forderte er, daß ſechs der vornehmſten Bürger, über deren Schickſal er ſpäter ent⸗ ſcheiden wolle, ihm barfuß und barhäuptig, mit Stricken um den Hals, zum Zeichen, daß ſie dem Henker verfallen ſeien, die Schlüſſel der Stadt überbringen ſollten. Nach langer Berathung der Bürgerſchaft trat einer der reichſten und wackerſten Bürger, Cuſtache de St. Pierre, hervor und erbot ſich zum Henkergange bereit; fünf andere Bür⸗ ger folgten. Sie gingen, wie Eduard es verlangt, in's Lager, wo der König ſie heftig ſchalt und ihre ſofortige Hinrichtung befahl. Alle Bitten um Gnade waren verge⸗ bens. Selbſt der Prinz von Wales bat umſonſt. Da ſiel die Königin, die kurz vorher im Lager angekommen war und dem Könige die frohe Hoffnung auf einen Erben gegeben hatte, zu Füßen des ſtrengen Gemals und bat

für die ſechs Bürger.Ach, ſprach Eduard,ich wollte, Du wäreſt jetzt wo anders geweſen, Philippa, denn Dir kann ich keinen Wunſch abſchlagen. Nimm dieſe Menſchen und thue mit ihnen wie Dir beliebt. Die Königin ließ die Geretteten ſicher nach der Stadt zurückgeleiten.

Kürzlich ereignete ſich in der Nähe von Paris auf der Weſtbahn bei Asnisres ein Eiſenbahnunglück, das leicht eines der furchtbarſten hätte werden können. Ein ſehr langer Zug, in dem ſich ungefähr 2000 Perſonen befanden, kam, als er den Bahnhof verließ, in ein un⸗ rechtes Schienengeleiſe, das nur als Nothgeleiſe im Bahn⸗ hof ſelbſt diente und dicht an der Seine mit einem Hügel endigte. An dem Hügel angekommen, ſtürzte die Lokomo⸗ tive nebſt Tender und einem Packwagen den Abhang hinab, und die übrigen Wagen wären alle mit hinunter⸗ gezogen worden, wenn nicht die Kette, welche ſie mit dem Packwagen verband, geriſſen wäre. Der Heizer wurde tödtlich verwundet und von den Paſeagieren erhielten viele mehr oder minder ſchwere Verletzungen. Ein Glück war es, daß der Zug, da er direkt aus dem Bahnhofe kam, noch nicht mit voller Dampfkraft fuhr, denn ſonſt wären ſämmtliche Wagen unfehlbar in die Seine hinab⸗ geſtürzt.

Der ſpaniſche Guerrillaführer San Martino, wel⸗ cher Jahre lang für Don Carlos focht, führte eine neue Kavalleriefechtart ein, die erden Roſenkranz beten nannte. Da San Martino mit ſeinen Leuten ſtets gut beritten war, indem ſie die beſten Pferde im Namen des Königs wegnahmen, wo ſie ſolche fanden, ſo ergriff er vor der feindlichen, ſchlechter berittenen Kavallerie in der Regel ſcheinbar die Flucht, bis die feindlichen Reiter er⸗ mattet waren und ſich zerſtreut hatten. Nun ließ er plötz⸗ lich Kehrt machen und die Reiter einzeln niederhauen, wie Perlen des Roſenkranzes eine nach der andern abge⸗ betet werden.

Die Japaneſen haben entdeckt, daß wenige Sekun⸗ den vor einem Erdbeben der Magnet zeitweilig ſeine Kraft verliert, und ſcharfſinnig ein leichtes Gerüſt gebaut, das einen Hufeiſenmagnet trägt, unter welchem ſich ein Becher von Glockenmetall befindet. An der Armatur hängt ein Gewicht, ſo daß, wenn der Magnet paralyſirt wird, das Gewicht niederfällt, an den Becher ſchlägt und ein Alarm⸗ zeichen gibt. Jedermann im Hauſe ſucht dann, um ſich zu retten, das Freie zu gewinnen.

Ein Engländer hat eine Kanone erfunden, die durch Dampf geladen, gereinigt und abgefeuert wird. Das Laden geſchieht von hinten. Es wäre gut, wenn mit der Zeit ſelbſtändige Maſchinen zu Felde zögen und ſich mit den Maſchinen des Feindes ſchlügen.

Die letzte Seſſion des preußiſchen Landtages. Die ſtenographiſchen Berichte der letzten Seſſion des preußiſchen Abgeordnetenhauſes umfaſſen 1666 große Quartſeiten. Kurze Bemerkungen zur Fragſtellung ꝛc. abgerechnet, haben das Wort genommen: 10 Miniſter zuſammen 336, 47 Regie⸗ rungskommiſſäre zuſammen 149 und 181 Abgeordnete zu⸗ ſammen 2150 Mal. Es haben geſprochen, Miniſter: der Fürſt Hohenzollern 2, der Finanzminiſter Freiherr v. Patow 92, der Miniſter des Innern Graf Schwerin 73, der Han⸗ delsminiſter v. d. Heydt 49, der Juſtizminiſter v. Bernuth⸗ 30, der Kriegsminiſter General von Roon 29, der Kultus⸗ miniſter von Bethmann⸗Hollweg 25, der Miniſter der aus⸗ wärtigen Angelegenheiten Freiherr v. Schleinitz 20, der Miniſter für die landwirthſchaftlichen Angelegenheiten Graf Pückler 14, der Staatsminiſter v. Auerswald 2 Mal. Von den Regierungskommiſſären hat Meinecke 33, v. Kehler 9, Delbrück 8, Scheele 7, die übrigen durchſchnittlich jeder 2 Mal geſprochen. Von den Abgeordneten haben geſprochen: v. Vinke(Hagen) 180, Reichensperger(Köln) 83, Waldeck 82, Wagzuer(Regenwalde) 75, Harkort 60, v. Ammon 54, 5 uſhen 40 und 50 Mal; 10 zwiſchen 20 und 30 Mal; 25 zwiſchen 10 und 20 Mal; 28 zwiſchen 5 und 10 Mal; 97 von 1 bis 5 Mal. Im Herrenhauſe füllen die ſtenographiſchen Berichte 730 Quartſeiten aus. Es ſind in nachſtehender Aufzählung kurze Bemerkungen von