60 Erinnerungen.
Illuſtrirte Blätter für Ernſt Gund Humor.
Mißverſtändniſſe. 3.
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Lieutenant:„Iſt denn heute die Wirthin närriſch geworden, ſo ein delikates Eſſen um 30 Kreuzer zu ſchicken?“
Wenzel(ſchmunzelnd); ſchicken, wie Herr Lieutenant befohlen haben.“
„Es iſt nicht von der Wirthin; ich habe der gnädigen Frau geſagt, ſie ſoll das Eſſen
Lientenant:„O Du Eſel, jetzt gehſt Du gleich wieder hin, kaufſt unterwegs eine Torte um drei Gulden C. M.
und bringſt ſie der Frau Baronin.“
mer finden konnte, da derſelbe todt war und die Luft bereits mit einem üblen Geruch erfüllte.
„Das iſt mein Mann,“ dachte der Derwiſch, näherte ſich dem Fiſchhändler und ſagte ohne weitere Vorrede:
„Kamerad, willſt Du Deinen Fiſch gegen mein Gewand vertauſchen? Niemand will uns unſere Waare ab⸗ kaufen, es iſt alſo am beſten, wir ſchließen den Handel ab.“
Der Andere war damit zufrieden und der Der⸗ wiſch eilte mit dem Fiſche nach Hauſe und übergab ihn ſeiner Frau, die ſich ſogleich anſchickte, ihn zu öffnen und zu zerlegen. Zu ihrem großen Erſtaunen fand ſie im Innern des Fiſches eine köſtliche Perle, mit, welcher ſie hocherfreut zu ihrem Manne lief und ihn bat, die⸗ ſelbe ſogleich zu verkaufen. Der gute Derwiſch hatte keine Ahnung von dem Werthe des Kleinodes, holte deßhalb den Rath eines bewährten Freundes ein und ging von dieſem begleitet nach dem Bazar der Juwe⸗ liere, wo die Perle von Kennern als eine der ſchönſten erkannt wurde, welche je zu Ormus gefunden wurde. Er erhielt 120.000 Direm dafür und eilte mit dieſem Schatze ſeiner Wohnung zu.
Im Begriffe, die Schwelle derſelben zu überſchrei⸗ ten, wurde er von einem Bettler angeredet: Allah hat Dir eine große Summe beſchert, gib
mir den zehnten Theil davon, der nach den Geboten des Koran den Armen zukommt!“
Der Derwiſch erkannte die Gerechtigkeit der For⸗ derung und übergab dem Bettler 12.000 Direm, als den vom Propheten gebotenen Theil für die Armen. Dankend entfernte ſich der Bettler, kehrte jedoch nach wenigen Schritten wieder um, indem er ſagte:„Siehe mich recht an, erkennſt Du mich nicht?“
Der Derwiſch betrachtete ihn genauer und ſah, daß es derſelbe Mann ſei, der ihm den Fiſch verkauft hatte.
„Du biſt gekommen, Dein früheres Recht auf die Perle geltend zu machen,“ ſprach er, ohne nur einen Augenblick zu zögern oder ſich auf ſein Recht als Käufer zu berufen,„ich erkenne es an, nimm hin die Geld⸗ ſumme, ſie gehört Dir zu.“
„Nicht alſo,“ erwiederte Jener.„Ich bin weder ein Bettler, noch ein Fiſchhändler, ſondern der Bote Allah's. Er hat mich zu Dir geſandt, Dir zu verkünden, daß, weil Du Deinen letzten Direin hingegeben, Unfrie⸗ den zwiſchen Deinen Brüdern zu verhindern, Dir auf Erden ein frohes glückliches Leben, nach Deinem Tode aber der Genuß der höchſten Glückſeligkeit beſchieden iſt.“
F.
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