Heft 
(1861) 2 02
Seite
58
Einzelbild herunterladen

56 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

der Verbrauch von Jahr zu Jahr ſtieg, wurde er nicht nur ein wichtiger Handelsartikel, ſondern auch Gegen⸗ ſtand der Spekulation; es war daher natürlich, daß man daran dachte, die koſtbare Pflanze auch in den europäiſchen Beſitzungen der heißen Länder anzupflanzen. So wurde denn im Jahre 1718 von dem holländiſchen Generalgouverneur Zwaerdekroon die erſte Kaffeepflanze aus Arabien nach Java gebracht, das dadurch die zweite oder, wenn man will, die dritte Heimat des Kaffee s geworden iſt, jetzt aber ſchon jährlich gegen 50 Millionen Pfd. ausführt. Von hier aus wurde der Baum bald auf die umliegenden Inſeln überſiedelt. Die holländiſche Regierung hat daher die alte Krämerpolitik, den Ge⸗ würzbau, damit die Preiſe nicht ſinken, auf gewiſſe Orte (z. B. die Gewürznelke auf Amboina, die Muskatnuß auf Banda) zu beſchränken, rechtzeitig aufgegeben und in ihren oſtindiſchen Kolonien fremde Produkte, denen das Klima zuſagt, mit dem beſten Erfolg eingeführt. Außer dem Kaffee von Java und Sumatra gewinnt Holland jetzt Zimmt auf Borneo, an andern Orten Zucker, Indigo, Baumwolle, und ſelbſt den Theeſtrauch läßt die Regierung nunmehr durch Chineſen kultiviren.

Bald kamen auch einige Kaffeepflanzen in den botaniſchen Garten von Amſterdam, von da in den Pariſer Garten, und von hier wurde im Jahre 1722 eine junge Pflanze, die man aus Samen gezogen hatte, durch einen Reiſenden, Namens Declieux, nach den Antillen übergeführt. Die Hinüberreiſe war beſchwerlich und langwierig, man litt Mangel an Waſſer; aber der Mann der die Pflanze der neuen Welt ſchenken ſollte, kargte mit ſeinem eignen Waſſervorrath, um ſeinen jun⸗ gen Kaffeebaum wäſſern zu können. Auf dieſe Erzählung geſtützt, behauptet man, daß von dieſem Einen Kaffee⸗ baume alle Kaffeebäume Wiſtindiens und Braſiliens ab⸗ ſtammen ſollen.

Bald erhielt die Kaffeepflanze in der neuen Welt einen noch ausgedehnteren Verbreitungsbezirk als in der alten: über die großen und kleinen Antillen, Guiana, Braſilien, Mexiko und über die ſüdlichen Theile der Ver⸗ einigten Staaten. So hatte man nun auch weſtindiſchen Kaffee, und ſchon im Jahre 1756 kamen 18 Millionen Pfd. aus Weſtindien nach Frankreich zurück.

Wenden wir uns nun zu einer kurzen Betrachtung der Pflanze ſelbſt.

Der Kaffeebaum, ein Habitus einem mäßigen Kirſchbaum ähnlich und ſtets grün, erreicht in ſeiner Heimat bei einem 4 bis 6 Zoll dicken Stamme eine Höhe von 30 bis 40 Fuß, wird dagegen in unſeren Ge⸗ wächshäuſern nicht über 15 Fuß hoch und höchſtens 15 Jahre alt. In den Plantagen wird er meiſt, wenn er 4 5 Fuß hoch iſt, beſchnitten, damit die Krone ſich ausbreiten kann und die Pflanze dadurch mehr und leichter zu erreichende Früchte gebe.

Aus den Winkeln der gegenüberſtehenden lorbeer⸗ ähnlichen Blätter kommen faſt in jeder Jahreszeit wohl⸗ riechende jasminartige Blüthen hervor, und der Baum ſoll dann, mit dieſem ſchneeigen Schmucke bedeckt, einen Anblick gewähren, der den unſerer blühenden Obſtbäume weit übertrifft. Ebenſo findet man immer gleichzeitig

unreife, grünliche, unſerer Kornelkirſche ähnliche Beeren, die ſpäter ſcharlachroth, zur Zeit der Reife aber dunkel⸗ violett gefärbt ſind. In dem reif widerlich ſüß ſchmecken⸗ den Fleiſche, das ſpäter vertrocknet, enthalten die Beeren die bekannten zwei Samen, die von einer ganz dünnen, pergamentartigen Samenhaut umhüllt ſind, bei der Reife erhärten und dann hellgrün oder gelblich werden; mit der flachen Seite liegen ſie aufeinander, ſind daſelbſt mit einer Mittelfurche verſehen und beſtehen faſt ganz aus einem hornartigen Eiweißkörper, in deſſen Grunde der Embryo eingeſchloſſen iſt. Mit unſeren Bohnenſamen haben die Kaffeebohnen ſomit keine Aehnlichkeit, der NameBohnen ſtammt vielmehr aus dem Arabi⸗ ſchen, wo die Samen des Kaffeebaumes bunn genannt werden.

Die Kaffeepflanzungen werden faſt überall auf gleiche Weiſe angelegt, es paſſen dazu enge, ſchattige und doch heiße, gegen Nordwind geſchützte Thalſchluchten, die terraſſenförmig emporſteigen und reichlich bewäſſert wer⸗ den können. Zur Fortpflanzung bedient man ſich junger Sämlinge, die auf beſonderen Beeten gezogen werden, oder man ſteckt den friſchen Samen ſogleich an Ort und Stelle; da letzterer ſchon in drei bis vier Wochen nach der Ernte ſeine Keimkraft verliert, ſo iſt es unmöglich, die käuflichen Kaffeebohnen bei uns zum Keimen zu bringen. Gewöhnlich pflanzt man die Sämlinge in den Schatten anderer großen Bäume; haben die jungen Stämmchen eine Höhe von 2 Fuß erreicht, ſo werden ſie 7 bis 8 Fuß in's Quadrat verſetzt, das Unkraut wird ſorgfältig entfernt, die Wurzelſchößlinge werden abge⸗ ſchnitten und nun iſt die Hauptſorge: das Führen von Rinnen und Gräben, um die Pflanze Morgens und Abends bewäſſern zu können.

Schon im zweiten Jahre hat der Strauch eine be⸗ trächtliche Höhe erreicht, im dritten Jahre trägt er ſeine erſten ſpärlichen Früchte, im fünften und ſechsten Jahre wird die Ernte vorzüglich, die gewöhnlich jährlich zwei⸗ mal vorgenommen wird; für die erſte und reichlichſte Ernte, die im Mai und Juni erfolgt, beginnt die Blüthe im November und währt bis December, für die zweite vom September bis November dagegen blüht der Baum von Ende März bis Ende April. Zum Zwecke des Ein⸗ ſammelns der Beeren breitet man in Arabien Tücher unter die Bäume und ſchüttelt die reifen Früchte herab, in Amerika dagegen werden ſie von den Negern in Säcke abgepflückt. Vom fünften Jahre an beträgt die Ernte von einem Baume im Ourchſchnitt 10 Pfund, oft aber werden die Hoffnungen des Pflanzers durch Nordwinde und Sonnenbrand, vorzüglich zur Blüthezeit, gänzlich vernichtet. Die eingeſammelten Früchte werden nun an der Sonne getrocknet, die Samen alsdann mittelſt einer Walze aus dem dürren Fleiſche herausge⸗ rollt, nochmals im Schatten getrocknet, und nachdem ſie durch Schwingen von fremden Beimiſchungen befreit worden ſind, werden ſie in lockeren Säcken an luſtigen Orten für den Handel aufbewahrt. In Amerika hat man zum Entfleiſchen und Reinigen der Samen eigene kleine Mühlen. Obgleich der Kaffeebaum auf paſſen⸗ dem Boden 20 bis 25 Jahre dauert, ſo läßt man