unzähl. ſchheit eerrſcht rleiſtet in der
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ſchuſſes ernannt wurde, mit der Vollmacht, ſeine Kolle⸗ gen vorzuſchlagen, deren Beſtätigung ſofort in verſchie⸗ denen Wahlgruppen vor ſich ging. 3
Flott machte demnächſt die eindringliche Motion, die Fürſtin auf eine paſſende Weiſe in's Intereſſe zu ziehen, um der Unternehmung dadurch eine Art Sanktion zu verleihen und zugleich derſelben eine namhafte Unter⸗ ſtützung zu ſichern. Es wurde darüber abgeſtimmt und kein Widerſpruch ergab ſich, außer dem einzigen— Köhler Thomas, der diesmal ausnahmsweiſe zur Theilnehmung an einer Klubbberathung ſich hatte be⸗ reden laſſen und bis nun ganz ernſt beobachtend und ſchweigend dageſeſſen war. Er ſtand jetzt auf.
„Unſinn!“ rief er,„mit dem ſolltet Ihr nicht heran an unſere Durchlaucht! Wartet's ab, prüfet's, probirt’'s, und wenn’'s was Rechtes iſt, dann gehet hin zur Durchlaucht und leget's ihr zu Füßen. Vor derweilen haltet’s bei Euch und machet Euch ganz allein lächerlich, dazu braucht Ihr keine Durchlaucht nicht. Es kommt mir nicht an auf mein Geldſtück, wenn die Mehrzahl glaubt, daß was Geſcheites geſchafft werden kann— ich glaub's derweil noch nicht— aber unſere Durch⸗ laucht laſſet aus dem Spiel— und wollet Ihr hingehen und die gute Frau bemoleſtiren, ſo ſag' ich nun und nimmermehr Ja dazu!“
Mit dieſen Worten verließ der Greis ſeinen Platz und ſchritt würdevoll hinaus. Man war erſtaunt, über⸗ raſcht, verwirrt— denn niemals überhaupt hatte der Alte ſich öffentlich ausgeſprochen, noch weniger als väterlichen Anwalt einer Perſönlichkeit, von der er ſich eben ſo fern wie von ihrer Umgebung hielt. Sein Ein⸗
ſiedlerthum, obſchon durch ſeinen kargen hatten Beruf,
genug bedingt, war dennoch ſprichwörtlich geworden. Außer zum Kirchengang ſah man ihn nur ſelten ſeine Waldeinſamkeit verlaſſen und die Wenigſten der„neuen Leute“, wie er die An⸗ und Inwohner des Schloſſes nannte, hatten ihn jemals geſprochen— um ſo tiefer wirkte ſeine unerwartete und energiſche Einrede, und die Pauſe, welche nach ſeinem Fortgehen entſtand, war genug pienlich. Aber Schabſel ließ der Verſammlung keine Zeit, darüber nachzudenken, er formulirte die Mo⸗ tion neuerdings und nahm auf die Worte des alten Zweiflers weiter keine Rückſicht. Er ſetzte den Beſchluß durch, daß der Ausſchuß in corpore die Fürſtin zur Theilnehmung an dem neuen Projekt einlade und ſeinem Antrage ſchloſſen ſich Paſtor, Amtmann, Schulmeiſter und was ſonſt durch Rang und Beſitz ausgezeichnet war, mit Feierlichkeit an. Um dieſe ſo entſcheidende Sitzung würdig zu krönen, proponirte der Wirth ein feierliches Banquet zum Gedächtniß dieſes hiſtoriſchen Tages und erlebte zu ſeiner großen Genugthuung eine ungetheilte Zuſtimmung, deren Reſultat er im vorhinein mit einem Gewinn von anſtändigem Belange abſchätzen konnte. Er drückte Schabſel heimlich die Hand zum Zeichen des innigſten Seelenbundes und Flott flüſterte dazwiſchen ein ſegnendes lächelndes Amen.
Die im Kaſinoſaale kaum beſchwichtigte Aufregung pflanzte ſich fortzitternd in die Familienkreiſe weiter. Der ſtille häusliche Herd verwandelte ſich ſofort in ein
Ludwig Foglar: Der gordiſche Knoten. 51
kleines Parlament, worin man neuerdings und ebenſo heftig Alles diskutirte, was draußen im Großen ver⸗
handelt worden war. Die welterlöſenden Projekte, die
nahen Experimente dazu, ſodann die Wahlen des Aus⸗ ſchuſſes, die erſtaunliche Scene mit dem ſchweigſamen Köhler Thomas, der ſich zum Vormund der Fürſtin aufgeworfen, welcher er doch hartnäckig einen lieben Plan vereitelte durch die ſtarre Weigerung, ihr ein Grundſtück zu verkaufen, das für ihn nur ganz unter⸗ geordneten Werth haben konnte— endlich die nahe Vorſtellung bei der Fürſtin und nun gar das hiſtoriſche Banquet— alles das vibrirte ſo gewaltig in den ſtillen Räumen, als ſtünde man an der Schwelle einer Kataſtrophe. Hierauf ein Gerenne, eine Geſchäftigkeit, eine Wichtigkeit, eine Erhitzung— daß Herd und Kin⸗ derſtube darunter empfindlich zu leiden hatten. Die Frau Paſtorin rannte zur Frau Amtmannin, dieſe aber war längſt bei der Frau Forſtmeiſterin, welche hin⸗ wiederum ſoeben die Frau Schloßinſpektorin ganz eilig und nur„auf zwei Worte“ aufſuchte, die aber zwei Stunden dauerten, die Frau Küſterin umarmte die Frau Gärtnerin auf offener Gaſſe, worüber nicht genug des Staunens, dann begegneten alle dieſe Frauen einander hin und wider rennend, ſprachen weiter und betraten Zimmer, die ſie nie ſonſt betreten hatten, alte Feind⸗ ſchaften erloſchen, neue loderten auf, Bünde für Zeit und Ewigkeit wurden geſchloſſen auf drei Stunden, dann die Kleiderfrage, das Banquet, wieder das Ban⸗ quet, der Neid der Nicht⸗Ausſchußmitgliederinnen, der Stolz der Mitgliederinnen, dazwiſchen etwas Moral und Nächſtenliebe ſeitens der Paſtorin— das Chaos war fertig.
3. Der Rattenkönig der Geſelligkeit.
In einem großen„äſthetiſchen Thee“ bei Amt⸗ manns waren alle Elemente zuſammengeronnen, welche das künftige luftreinigende Gewitter bilden helfen ſoll⸗ ten. Man überbot ſich hier an Artigkeit, an Liebens⸗ würdigkeit, man nahm und gab Einladungen zu neuen oder neu aufzunehmenden, ſtets beweglichen„jours fixes“, man bewarb ſich gegenſeitig um einander, blos in der Abſicht, ſich auszuforſchen und wo möglich ſich den Rang abzulaufen. Amtmanns aber hatten diesmal um ſo mehr Alles aufgeboten, um ſich allenthalben roſig zu machen, weil es ja doch noch möglich war, die noch unbeſetzte und meiſt ambitionirte Stelle eines Haushofmeiſters der Fürſtin zu erringen. Dazu mußte vor Allem Popularität geſucht werden, denn die Fürſtin hörte gerne fremdes Urtheil— und wie ſchön war dieſe jetzige Gelegenheit, um auf Koſten der Zukunft viel von ſich reden zu machen!
Die geräumige Wohnung des Amtmanns war in allen Theilen der Benützung des ſehr zahlreichen Pu⸗ blikums preisgegeben, ſogar die ſonſt unnahbare Kanzlei⸗ ſtube blieb nicht verſchont, ſondern wurde zu einem Trink. und Tabakrauchlokale herabgewürdigt. Die Ent⸗ weihung vollkommen zu machen, wurde hier auch die
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