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Menge, welche die öffentliche Sicherheit gefährden. Aber dies ſind nicht die Tyrannen, indem man ſich durch Eiſengittern vor den Fenſtern, große Hunde und zeitigen Schluß des Hausthores ſichert. Es ſind dies vielmehr die Dienſtleute und Hauseigenthümer.
In Peſt ſind die Wohnungen im Allgemeinen ele⸗ gant, luftig und ſolid, aber auch übermäßig theuer. Die Hausherren vermiethen nur den Raum, das Zurechtma⸗ chen, Malen, Bohnen ꝛc. iſt Sache der Miether; dieſe müſſen beim Ausziehen alles Schadhafte erſetzen, ſei es ein geſprungener Ofen zerbrochene Küchenfließen, abge⸗ nutzte Dielen und Schlöſſer. Ihnen iſt die ganze Erhal⸗ tung der Wohnungen als Pflicht überwieſen. Trotzdem pflegt der Hausherr von Zeit zu Zeit den Miethzins beträchtlich zu ſteigern. Um geſichert zu ſein, läßt man ſich das Verſprechen geben, weitere Steigerung zu unter⸗ laſſen. Der Wirth verſpricht dies, kündigt aber bald die Wohnung, denn er hat ſie um höhern Zins ver⸗ miethet, und man hat von Glück zu ſagen, wenn man gegen Erlegung des Mehrbetrages ſich von den Koſten des Umzugs und der Herrichtung der neuen Wohnung loskaufen kann. In keinem der hieſigen Blätter findet man Wohnungsanzeigen, ſondern man muß, wenn man eine neue Wohnung ſucht, von Haus zu Haus gehen, um an den Thoren die ausgehängten Wohnungsanzeigen zu leſen. Zur Zeit der Wohnungskündigung gibt es daher ein Hetzen und Rennen in den Straßen nach Wohnungen, welches ſehr viel Zeit koſtet.
Große Häuſer ſtehen unter der Aufſicht von Haus⸗ meiſtern, welche freie Wohnung haben, Treppen, Höfe und Straße in Ordnung halten und im Namen der Hausherren mit den Miethsparteien verkehren. Sie ſchließen und öffnen zu einer beſtimmten Zeit das Haus, und wer außer derſelben herein oder heraus will, muß Sperrgeld(einen Neugroſchen) zahlen. Da nun ihre Uhr des Abends ſtets vorgeht, ſo wird das Aufmachen für die Einwohner koſtſpielig. Denn will man ſich Ver⸗ drießlichkeiten erſparen, ſo muß man dem Hausminiſter gute Trinkgelder zahlen, auch zum Neujahr nicht unter fünf Gulden geben, und wenn er den Miethzins ab⸗ holt, verlangt er auch noch ein Trinkgeld. Ueberhaupt iſt das Trinkgeldfordern Sitte; nicht nur jeder Kellner beanſprucht es für eine Taſſe Kaffee oder ein Glas Bier, ſondern auch zu Neujahr ſtellen ſich noch Brief⸗ träger, Lehrjungen und ſonſtige Leute, denen man ein⸗ mal eine Arbeit übertrug, zum Gratuliren ein, ſo daß einige Großhändler über 1000 Gulden brauchen, um alle Hände zu füllen, alle Beamtenfedern zu ſchmieren und ſich von Scherereien loszukaufen.
Die ärgſten Tyrannen Peſts ſind aber die Dienſt⸗ boten. Nirgends ſind ſie anſpruchsvoller, gröber, träger und kecker als in Peſt, ſo daß man den Dienſtboten vieder Dienſtboten halten muß. Wo es ihnen nicht ge⸗ fällt, laufen ſie ohne Weiteres davon, denn ein gutes Zeugniß darf man ihnen nur dann verſagen, wenn man ſie wegen Diebſtahls angeklagt hat, den ſie häufig begehen. Haben Sie Kinder? fragt das Dienſtmädchen. — Ja.— Dann danke ich ſchön.— Wie viel Treppen hoch wohnen Sie? fragt die Zweite.— Drei Stiegen!
Skizzen aus Peſt. 45
— So hoch kann ich nicht ſteigen.— Waſſer, Holz und Marktwaaren müſſen Sie tragen laſſen, ſagt die Dritte, auch beſucht mich Abends mein Geliebter, mit dem ich alle Sonntage zu Tanze gehe! Die Herrſchaft willigt gern ein, denn ſie weiß,eine iſt wie die andere. Tadel vertragen nur wenige dieſer Dirnen, und hat einmal eine keine Luſt, irgend etwas zu machen, ſo erklärt ſie: das thue ich nicht, befehlen laſſe ich mir nichts! Will man ihre Unterſchleife nicht dulden, ſo geht ſie aus dem Dienſt der„lumpigen Herrſchaft“. Allgemein iſt daher die Klage über die Unverſchämtheit und Faulheit der Dienſtboten.
Die Geſellſchaft der fahrenden Ritter, der Betyaren, beſucht reiche Leute mitten auf Marktplätzen, kommt zu Roß und Wagen, fordert Lebensmittel, Geld und Wein, droht mit geladenem Gewehr, erhält das Verlangte und zieht wieder ab. Knechte und Hirten ſind ihre Bundesgenoſſen. Pferde, Schweine u. ſ. w. betrachten ſie als Gemeingut der Menſchheit, und wer ſie anzeigt oder verräth, dem ſchwören ſie Tod und Brandlegung, denn ihr Geheimbund reicht über das ganze Land. Der Gutsbeſitzer kauft ſich los und wagt es nicht, Hirten deßhalb fortzujagen, weil ſie mit den Betyaren im Ein⸗ verſtändniß ſind.
12. Ein Gang an der Donau entlang.
Will man die Kehrſeite von dem glänzenden Lupusleben in Peſt kennen lernen, ſo muß man die Donauzeile entlang gehen, freilich eine Strecke von einer ſtarken Stunde, obſchon man auch dann noch lange nicht die beiden Enden der Stadt erreicht hat, und doch iſt Ofen noch länger. Dieſes zieht ſich am ſchmalen Donauufer hin, wo Kehricht⸗ und Düngerhaufen ab⸗ geladen werden. Oft iſt nur zu einer Reihe Häuſer Raum geweſen, und am Blocksberg ſind Ställe und Kammern in den Fels hineingeſchoben. Hier und da ſchlüpft ein Straßenzipfel in eine Thalſpalte hinein oder ſammelt ſich in einem breiteren Keſſel eine größere Gruppe wirr und dorfartig durcheinander liegender Häuslein an, aus denen hier und da ein plumpes Kirchendach und ſchwerfällige Thürme ſich erheben. Das Straßenpflaſter dieſer Haupt⸗ und Reſidenzſtadt iſt halsbrechend, in vielen Nebengaſſen voll Löcher, Pfützen, Tümpel und Düngerhaufen, zuletzt verſchwindet es ganz.
Doch wandern wir vom Salzamt, dem Blocksberg gegenüber, die Donau aufwärts, wobei wir tauſend reizende Ausſichten auf Ofen und ſeine vielgeſtaltigen Gebirge vor Augen haben. Eine Stunde lang liegen Fahrzeuge und Flöße aller Art am Ufer, die aus auf⸗ geſchüttetem Kehricht und Lohe beſtehen. Auf den Flößen halten Weiber Wäſche, Sackträger laufen ſchwerbeladen in treppenloſen Stiegen auf und nieder. Schwerfällige Schiffe ſind mit Millionen von Töpferwaaren beladen, die am Ufer zu hohen Wällen aufgeſchichtet werden. Getreideſchiffe mit breitem Bauch und ſchindelngedecktem⸗ Dach kommen aus dem Banat, gewaltige Dampfer von


