Heft 
(1861) 2 02
Seite
37
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Und Sie werden gehorchen?

Es iſt meine Pflicht; aber ich möchte Ihnen nicht Kummer bereiten. Sagen Sie drum Ihrem Neffen, er möge während der Nacht fliehen und zu mir kommen, wo er ein ſicheres Aſyl finden wird, bis ich ihn mit einem Paſſe nach Spanien ſchicken kann. So geht alles gut und Barré kann Ihnen nichts anhaben.

Ich danke Ihnen, Herr, ſagte der Graf kalt. Ihr Rath iſt vortrefflich und ich würde ihn mit Ver⸗ gnügen befolgen, wenn mein Neffe hier wäre; aber er befindet ſich in Deutſchland, wie Sie ja wohl wiſſen werden. Ich habe die Ehre, Ihnen gute Nacht zu wünſchen.

Sie verkennen mich, ſagte der Staatsanwalt, der mit Mühe die Verſtimmung niederkämpfte.Laſſen Sie ſich wenigſtens ſagen, daß die Gendarmen über⸗ morgen kommen werden.

Gut, ich erwarte ſie jede Stunde. Warum kom⸗ men ſie nicht morgen?

Weil der Befehl von dem Revolutionskomité des Departements noch nicht unterzeichnet iſt.

Wohlan, mein Herr, ſo werde ich übermorgen das Vergnügen haben, Sie wiederzuſehen.

Mit dieſen Worten ſchritt der Graf aus dem Gar⸗ ten. Der Staatsanwalt folgte ihm.

Der Schatten, welcher halb über die Mauer ge⸗

lehnt, ſie belauſcht hatte, verließ nun gleichfalls ſeinen

unbequemen Poſten und verſchwand unbemerkt in der Richtung nach Dives.

Der Staatsanwalt entfernte ſich langſam, und lenkte, über die Hartköpfigkeit des Alten brummend, in die Allee ein, als plötzlich eine kleine Hand auf ſeinen Arm ſich lehnte und eine Stimme voll weicher Milde ihn anredete:Herr Staatsanwalt, was haben Sie mit meinem Vater geſprochen?

Ich kam, um ihn zu retten, mein Fräulein, ſagte der Beamte, der Louiſe von Dioes erkannt hatte, und nun erklärte er ihr die Gefahr, in der die ganze Familie ſchwebt.

Sie retten uns insgeſammt, indem Sie unſern Couſin aus der Gefahr helfen, ſagte Louiſe, von den Vorſchlägen und Anerbietungen des Staatsanwalts gerührt.

Ich geſtehe, mein Fräulein, ſagte dieſer,daß ich nicht ſehr gern meinen eigenen Kopf aufs Spiel ſetze, um den Ihres Couſins zu retten, aber mein Bruder hat es ſo gewollt.

Ihr Bruder?... Wie befindet er ſich? fragte ſie zitternd..

Der Staatsanwalt lächelte.O, vortrefflich. Er liebt Sie mehr als Himmel und Erde.

Das Dunkel der Nacht verhenderte, daß man die vufflammende Röthe auf dem Geſichte des jungen Mäd⸗ chens gewahr werden konnte.

Ich hoffe, ſagte ſie endlich,daß er eines Tages zu ſeinen Freunden zurückkehren wird.

Das iſt ſein innigſter Wunſch, Fräylein. Doch,

Alfred Aſſolant: Der Jakobiner. 37

wenn ich nicht irre, habe ich ja ſeinen letzten Brief bei mir. Da iſt er, leſen Sie ſelbſt.

Und ohne Abſchied zu nehmen und Louiſen Zeit zur Ueberlegung zu laſſen, drückte er ihr den Brief in die Hand und entfernte ſich eilig.

Es muß bemerkt werden, daß ſie ſich nicht Mühe gab, ihn zurückzuhalten. Ihr Herz ſchlug vor Ungeduld, vor Verlangen und Furcht. Sie lief ins Schloß zurück, und kaum auf ihrem Zimmer angekommen las ſie die theuren Zeilen, die zuerſt einen kriegeriſchen Bericht über die Blokade von Mainz, dann die feurigſte Liebesſchwär⸗ merei und zum Schluſſe eine humoriſtiſche Darſtellung von Rolands Verlobung mit der ſchönen Jüdin Sara enthielten.

Sie verſchlang den Brief, und las ihn dann noch⸗ mals, jedes Wort erwägend. Oft drückte ſie die lieben Zeilen an ihre Lippen. Drauf eilte ſie zu ihrem Vater. Die Zeit drängte und Rolands Leben ſtand auf dem Spiele.

14.

Onkel und Neffe beriethen ſich. Beide wollten, da ſie Louiſe eintreten ſahen, ihre Unruhe verbergen und geriethen in's Schweigen.

Ich weiß alles, ſagte ſie, Roland die Hand reichend.Im Verzuge liegt Gefahr. Sie müſſen fliehen und ſich dieſem Ehrenmanne anvertrauen. Reiſen Sie noch dieſe Nacht ab.

In einer Viertelſtunde waren alle Vorbereitungen zur Abreiſe getroffen. Ademar gab ſeinem Neffen hun⸗ dert Louisd'or, eine für die Zeit der Aſſignaten beträcht⸗ liche Summe, und ſagte ihm bereits Lebewohl, als ein Mann von unheimlichem Ausſehen geräuſchlos in den Thurm trat. Bei ſeinem Anblicke griff Roland nach einer geladenen Piſtole, die auf dem Liſche lag, und hielt ſich bereit auf den Eintretenden loszudrücken.

Wer ſeid Ihr? fragte der Graf gebieteriſch.

Rudolf, der Rolands Vorhaben bemerkt hatte, ſchien davon nicht eingeſchüchtert. Mit gleichgil⸗ tiger, unerſchrockener Miene trat er auf ihn zu und ſagte:Schießen Sie nicht, Freund! der Staatsanwalt von Dives ſchickt mich her.

Bei dieſen Worten verſchwand das Mißtrauen und Roland legte die Waffe nieder.

Welches Zeichen können Sie uns geben, daß Sie im Auftrage kommen? fragte der vorſichtige Ademar.

Ich werde Ihnen, wenn Sie es wünſchen, den Rath wiederholen, den er Ihnen vor zwei Stunden ge⸗ geben hat.

In der That wiederholte er ganz getreu das Ge⸗ ſpräch, das er, auf der Gartenmauer liegend, belauſcht hatte.

Gut, ſagte der Graf,ſprechen Sie jetzt.

Der Staatsanwalt läßt Ihnen ſagen, daß die Hausunterſuchung erſt übermorgen ſtattfinden wird, und daß es darum nicht nothwendig iſt, heute Nacht ſchon das Schloß zu verlaſſen. Seine Wohnung iſt noch nicht auf Ihren Empfang hergerichtet. Er muß früher ſeine