Heft 
(1861) 2 02
Seite
35
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Alfred Aſſolant:

Der Jakobiner. 35

Roland folgte ihr ohne ein Wort zu ſagen, trat in den Salon und ſchloß ſorgfältig die Thür. Plötzlich warf er den Mantel ab und rief:Mein lieber Onkel, meine ſchöne Couſine, erkennt Ihr mich nicht?

Bei dieſen Worten ſtürzten Beide auf ihn zu und bewillkommten ihn auf das Herzlichſte.

Wo in aller Welt kommſt Du in dieſem Aufzuge her? fragte ihn der Graf.

Vor allem, lieber Onkel, laßt mir zu trinken ge⸗ ben, denn mein Bericht wird lang ſein.

Die Erzählung der überſtandenen Abenteuer war in der That nicht kurz. Als ſie beendet war rief Ademar aus:Der Himmel führt Dich wieder zurück, aber das Land iſt noch nicht ſicher. Man könnte Dich denunciren. Du mußt dieſe Nacht in der Scheune ſchlafen. Du wirſt ja an ſolche Lagerſtätten in der letzten Zeit Dich gewöhnt haben. Morgen früh nimmſt Du offen Abſchied und Abends kehrſt Du durch eine heimliche Thür wieder zurück. Hier kannſt Du dann in der Verborgenheit beſſere Zeiten erwarten. Die Republik wird nicht ewig dauern.

Unter lebhaftem Geſpräch verſtrich der Abend.

Roland konnte ſich an ſeiner Couſine nicht ſatt ſehen, welche, man muß es geſtehen, eine der ſchönſten Republikanerinnen war, die man ſich vorſtellen kann. Schon nach der erſten halben Stunde liebte er ſie leiden⸗ ſchaftlich. Gegen Mitternacht ſchlief Ademar in ſeinem Lehnſtuhle ein. Roland neigte ſich gegen ſeine Couſine und ſagte ihr halblaut:O, wie ſchön ſind Sie doch!

Mein lieber Couſin, erwiederte ſie lachend,das bemerken Sie etwas ſpät. Gehen Sie ſchlafen. Zugleich erhob ſie ſich, weckte den Vater und zog ſich in ihre Kammer zurück.

Roland wurde in die Scheune geführt.

Tags darauf ſtellte ſich Roland, als ginge er nach Dives, ſtrich aber die ganze Zeit in der Nähe des Schloſſes herum und kehrte Abends durch eine geheime Thür, die er kannte, dahin zurück. Die Thür ging in ein Gewölbe eines unbewohnten Eckthurmes. Zwei Stühle, ein Tiſch und ein Bett bildeten die ganze Ausſtattung des Raumes, welcher als proviſoriſche Wohnung Ro⸗ lands beſtimmt war.

Hier, ſagte der Geaf, der ihn daſelbſt erwartete, haſt Du nichts zu fürchten, ſo lange nicht etwa unſer gute Freund Barré eine ſtrenge Hausunterſuchung anordnet.

Wer iſt dieſer Barré?

Haſt Du den frechen Jakobiner vergeſſen, der mein Schwiegerſohn werden wollte? Er kann die Ab⸗ weiſung noch immer nicht vergeſſen, und er ſinnt noch fort und fort auf Rache.

Laß ihn nur kommen; ich will dem Sansku⸗ lotten zeigen, daß ſeine Ohren nicht feſt am Kopfe ſtehen.

Gib Acht, daß er Dir nicht zeigt, wie wenig feſt Dir der Kopf auf den Schultern ſteht. Dieſer Teufel von einem Menſchen hat überall ſeine Spione und herrſcht in Dives wie der Großtürke in Konſtantinopel. Ich bin nicht mehr Herr im eigenen Hauſe. Meine

Freunde verlaſſen mich, meine Diener gehen in den

Klubb und berichten dem Barré jedes Wort, das ich ſpreche. Ich hatte treffliche Pferde, man hat ſie für die Kavallerie der Republik genommen; meine Ochſen zie⸗ hen die Bagage der Republik, mein Geld kleidet und verproviantirt die Soldaten der Republik, zu allen Re⸗ quiſitionen muß ich beiſteuern. Mein Getreide iſt um den Preis des Maximum verkauft und in Aſſignaten bezahlt, die auf fünfzig von hundert gefallen ſind und in vier oder fünf Jahren keinen Sou mehr gelten wer⸗ den. Oft ſind die Aſſignaten noch zu gut für einen Edelmann und man zahlt mich blos mit Worten aus. Unterdeſſen ſehe ich, wie aus Kommis der ordinärſten Art Armeelieferanten werden und zu ungemeſſenem Reichthume es bringen.

Und Sie ſtürzen nicht mit dem Säbel in der Hand auf dieſe Schurken los?

Wer würde meine Tochter ſchützen?

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Ademar blickte ſeinen Neffen lächelnd an.

Du biſt noch ſehr jung für dieſes Amt, das alle Umſicht erfordert, ſagte er.Ein Mann Deines Alters kann wohl ſeine Frau, aber nicht ſeine Couſine be⸗ ſchützen.

Hier zögerte Roland ein wenig. Er war in Louiſe ſehr verliebt, aber er hatte Sara das Wort gegeben. Nichts deſtoweniger ſiegte der gegenwärtige Eindruck über die Erinnerung und er ſagte:Sie wiſſen, Onkel, daß ich ruinirt bin; würde mir ein Vater ſeine Tochter zum Weibe geben?

Parbleu! rief der Onkel zornig.Biſt Du nicht ein Sproſſe Gerards von Dives und der einzige männliche Repräſentant dieſes großen uralten Geſchlech⸗ tes? Das genügt. Wenn Du die Zuſtimmung Louiſens hätteſt, dann ſollte ſofort die Hochzeit ſein.

Nun, dann werden wir ſie bald haben, ſagte Roland heiter.

Mehrere Monate verfloſſen jetzt in ungetrübter Ruhe. Roland, von ſeiner Couſine immer mit ſeinen Liebesbetheuerungen zurückgewieſen und durch den Wi⸗ derſtand nur um ſo mehr entflammt, fing an die Hoffnung, aber nicht den Appetit zu verlieren. Ademar ſekundirte ihn nach Kräften, aber Louiſe intereſſirte ſich nur für die Journale, wo ſie in den Liſten der Gefallenen und Verwundeten mit beklommener Aengſtlichkeit den Namen ihres Geliebten ſuchte.

13.

Es war im Juni des Jahres 1793, da zog ſich ein drohendes Gewitter, das jeden Augenblick mit Ver⸗ nichtung drohte, über dem Schloſſe von Dives zuſammen. Die Uhr, welche Roland der Zigeunerin zum Andenken gegeben, war zum Verräther an ihm geworden. Rudolf hatte das koſtbare Gedenkſtück bei ſeiner Geliebten ent⸗ deckt und in dem goldenen Gehäuſe den eingravirten Namen des Gebers geleſen. Von ſchrecklicher Eiferſucht erfaßt, mißhandelte er das Mädchen ſo lange, bis ſie ihm alles bekannte, was ſie von Roland erfahren

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