K. G. Meher: Eine
herab hängt ein ſchwarzes dreizipfliges Lammfell. Aermere werfen einen ſackartigen Mantel derben Tuches um, der aber auch Stickerei hat und als Hängekragen
ein viereckiges Stück Tuch mit runden Scheibchen an
den Ecken. Slovaken tragen enge Hoſen von grobem
weißen Tuch, Sandalen, einen fußbreiten Ledergürtel
um den Leib, ein Hemd, das bis an den Gürtel reicht, und einen kurzen Paletot von weißem Tuch.
Die ungariſche Tracht iſt außerordentlich maleriſch an Schnitt und Farbe, denn man trägt dunkelviolette, hellblaue Kleider mit ſchwarzer oder weißer Verſchnü⸗ rung. Sie hebt die Geſtalt vortheilhaft hervor, gibt der Perſon etwas Knappes, Fertiges, Kriegeriſches, und entſpricht daher ganz dem Nationalcharakter. Beſonders reich und bunt ſind die Uniformen der herrſchaftlichen Diener und Kutſcher. Wenn man die Straßen Peſts durchwandert, hört man nicht auf, die vielen ſchönen Geſtalten zu bewundern. Da ferner Jedermann einen Bart trägt, mindeſtens einen ſpitzgedrehten Schnurrbart, die Meiſten aber ſtarke Vollbärte, ſo ſteigert ſich der kriegeriſche Ausdruck der Figuren, und bei Feſtlichkeiten fehlt auch in der That der krumme Türkenſäbel nicht an der Seite. Der Ungar hat ein Recht, auf ſeine Na⸗ tionaltracht ſtolz zu ſein, obſchon ſie auch ſehr theuer iſt,, und der Deutſche nimmt ſie gern an, weil ſie viel kleid⸗ ſamer iſt als Cylinder und Frack.
(Schluß folgt.)
Eine hiraldiſche Notiz. Von K. G. Meyer.
s dürfte nur Wenigen bekannt ſein, wie die 6 noch heute in dem Wappen der Grafen Forgach
befindliche„gekrönte Jungfrau“ in dasſelbe
gekommen. Wenn ſchon aus dieſem Grunde
eine betreffende Mittheilung von Intereſſe ſein
dürfte, ſo wird dasſelbe gerade jetzt noch da⸗ durch geſteigert, daß gegenwärtig der erſte Vertreter Seiner Maj. des Kaiſers in Böhmen, Se. Excellenz der Herr Statthalter, wie bekannt, jenem altberühmten Geſchlechte der Forgäch angehört.—
Im Jahre 1385 war es, als die Mehrzahl der ungariſchen Magnaten nach dem Tode ihres Königs Ludwig von Anjou, welcher, weil ohne männliche Erben, Reich und Krone der Prinzeſſin⸗Tochter Maria hinter⸗
laſſen, unzufrieden mit der weiblichen Regierung, ſich
gegen ihre junge Königin, welche unter der Leitung des Reichspalatins Nikolaus Gara und ihre Mutter Eliſa⸗ beth den Scepter führte und wenn auch geiſtvoll und liebenswürdig, doch in Folge ihres gutmüthigen weib⸗ lichen Charakters, der Führung des ſo unruhigen, tha⸗ tendurſtigen Magyarenvolkes nicht gewachſen war, auf⸗ lehnten, den italieniſchen Fürſten Karl von Durazzo herbeiriefen, dieſem das Reich und die Krone Ungarns übergaben und ihre jugendliche Königin ihrer angeerb⸗ ten Würde und Macht zu entſagen nöthigten. Nun wollte zwar Maria, um weiteren Streitigkeiten und
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deren blutigen Folgen vorzubeugen, freiwillig das Land meiden und ſich in den Kreis ihrer Anverwandten zu⸗ rückziehen, doch dieſes lag keineswegs im Plane des neuen Herrſchers, der verdrängten Königin Untergang war bei ihm und ſeinen Anhängern beſchloſſen, und Maria wurde ſammt ihrer königlichen Mutter Eliſabeth⸗ wohl anſtändig behandelt, aber dennoch in der Burg zu Ofen in enger Haft gehalten. Beider Verderben war unvermeidlich, wenn nicht ſchnelle und kräftige Anſtalten zu ihrer Rettung getroffen wurden, da die Gefahr, welche ihnen drohte, nur zu nahe und ihnen genau be⸗ kannt war. Der Plan hiezu ward insbeſondere von der alten Königin Cliſabeth entworfen, ihre Anhänger in das Geheimniß gezogen, die Rollen von den der Königin zunächſt ſtehenden Führern: dem Reichspalatin Nikolaus Gara und dem Obermundſchenken Blaſius Forgäch ver⸗ theilt, und zur Ausführung des ſo gewagten Unterneh⸗ mens ein Tag beſtimmt, wo die Königin Mutter Eliſa⸗ beth den König Karl zu einer wichtigen geheimen Unter⸗ redung in ihre Gemächer eingeladen hatte. Als nun⸗ bei dieſer Zuſammenkunft König Karl gegen Marie Drohworte fallen ließ und ſich Aeußerungen erlaubte, die mit der ihr ſchuldigen Ehrerbietung durchaus nicht im Einklange ſtanden, da erwachte der ganze Stolz des ungariſchen Magnaten in dem dabei anweſenden Ober⸗ mundſchenken Forgach. Aufgeſtachelt durch den Haß gegen den hochmüthigen Fremdling und Bedränger ſeiner angeſtammten Königin, erhob er die ſcharfge⸗ ſchliffene, in Bereitſchaft gehaltene Streitaxt und ſchlug den ſeine jungfräuliche Herrſcherin höhnenden Fürſten mit einem Hiebe nieder, ward aber ſelbſt von deſſen Gefolge, das nun ebenfalls hereinſtürzte, ſchwer ver⸗ wundet.
Die Königin Maria, welche durch den Tod ihres Gegners nun die Freiheit und die Krone wieder erhielt, lohnte ihren Retter auf's ehrenvollſte. Forgach erhielt das Schloß und die Herrſchaft„Ghym“, weiters die ausdrückliche königliche Berechtigung:„von nun an ſtatt des bisherigen weißen Wolfes eine gekrönte Jung⸗ frau in ſeinem Wappenſchilde als ewiges Zeichen der durch ihn gelungenen Rettung ſeiner Königin führen zu können.“—
Aber wenn auch der Königin Dank und Ehre die aufopfernde That des Grafen Forgäch reichlich lohnte, — die weiteren Schickſale und das Ende des treuen Dieners ſeiner Herrſcherin waren traurig. Kaum fünf Monate nach ſeiner Geneſung begleitete er mit Nikolaus Gara die junge Königin auf einer Reiſe in die Küſten⸗⸗ gegenden Dalmatiens. Johann Horwäath, der eifrigſte Anhänger Karls von Durazzo, welcher deſſen Tod zu rächen geſchworen, überfiel bei Diakowar die Reiſenden, Gara fiel im Handgemenge, Forgach aber ward lebendig gefangen und dann erſt vor den Augen der um ſein Leben bittenden Königin enthauptet;— die Königin Mutter Eliſabeth ſelbſt verlor bei dieſem Ueberfall das Leben und Maria auf' Neue die vor Kurzem erſt errun⸗ gene Freiheit.


