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32 Erinnerungen. lluſtrirte
die eine Hälfte des Raumes, wie im Jahre 1851, aus ſchließlich engliſchen Ausſtellungsgegenſtänden eingeräumt werden ſoll, ſind die Anmeldungen doch ſchon ſo zahlreich, daß, um ihnen zu genügen, das Gebäude drei Mal ſo groß angelegt werden müßte, als es wirklich im Plane liegt. Der Bau ſelbſt ſchreitet raſch vorwärts. Schon ſind die Fundamente fertig und die Seitenmauern der Ge mäldegalerie 15 Fuß aus dem Boden heraus. Die Grund lagen haben bereits 100.000 Ctr. Cement verſchlungen und werden bis zu ihrer Vollendung über 18 Millionen Ziegel erfordern, die ihrerſeits 440.000 Ctr. Mörtel in Anſpruch nehmen werden. Man hat die Maſſe des im ganzen Gebäude zu verwendenden Eiſens auf 200,000 Ctr. veranſchlagt und ebenſo hoch die Maſſe des zu verwen denden Bauholzes. Die Belegung des Flurs allein er fordert 360 engliſche Meilen Bretter von 7 und 270 Meilen Bretter von 9 Zoll Breite. Die Fenſter erfordern 600,000 Fuß Rahmen und 10,000 Ctr. Glas zu ihrer Ausfüllung. Zur Bedachung ſind 600.000 Quadratfuß waſſerdichten Filzes erforderlich. Zu den Voranſchlägen untergeordneter Gegenſtände gehören 2000 bis 4000 Ctr. Nägel, 12.000 Ctr. Oelfarbe zum Anſtrich, 6000. Ctr. Dachrinnen und ſonſtige Röhren.
In Berlin iſt dem Mohren, der vor mehren⸗ Jahren von Dr. Ritter als Sklave aus Braſilien mitgebracht worden war und in Berlin durch richterlichen Spruch ſeine Freiheit erlangte, auf ſein Geſuch die Heimatsange hörigkeit von der Kommunalbehörde bewilligt worden
John Murray, der einſt ſo viel genannte Schmied von Gretna Green, der fo viele engliſche Liebespärchen in Ehefeſſeln ſchlug, iſt 63 Jahre alt geſtorben.
Aus Oberhollabrunn berichtet man der„Preſſe“ folgende Geſchichte: In Immendorf befindet ſich außer⸗ halb des Ortes ein Ziegelofen, Eigenthum des dortigen Bürgermeiſters M. Leutner, welcher für heuer einen neuen Ziegelbrenner aufgenommen hatte. Dieſer Ziegelbrenner wollte den bereits länger außer Betrieb geſtandenen Ofen reinigen und grub zu dem Ende den Schutt auf, bei welcher Arbeit er vom Bürgermeiſter getroffen und ihm ein ferneres Aufgraben verboten ward. Der Brenner aber grub deſſenungeachtet fort und kam hiebei auf eine be ſonders nachgiebige Stelle, an welcher er beim Nachſuchen Weiberröcke fand, und auf Rippen, die theilweiſe mit Fleiſchtheilen umgeben waren, ſtieß, endlich einen menſch lichen Schädel und die übrigen Knochen eines Menſchen körpers entdeckte. In der Nähe des Schädels lag ein kurzer ſchwarzer Zopf von Menſchenhaaren. Als der Brenner hievon die Anzeige dem Bürgermeiſter machte, ſagte dieſer, er ſolle keinen Lärm machen, ſonſt bekämen ſie beide unnöthige Laufereien zum Gerichte; die Knochen werden ja nur Thierknochen ſein. Abends verfügte ſich der Bürgermeiſter mit dem Ortswundarzte, einem ſehr alten Manne, in den Ziegelofen, wo der Chirurg das Gerippe für Schafknochen erklärte. Ein mittlerweile durch das ſchnell verbreitete Gerücht herbeigekommener Schuh machermeiſter beſah ſich das Skelett, überzeugte ſich, daß es aus Menſchenknochen beſtehe und ermahnte den Bürger⸗ meiſter, den Vorfall der Behörde zu melden, wurde jedoch von dieſem barſch angelaſſen. Wie ſich aber ſelten ein ſolches Ereigniß verheimlichen läßt, ſo auch in dieſem Falle. Der Breuner meldete das Geſchehene dem Gerichte, welches die Sache kommiſſionell erhob, aber die anfangs ganzen Knochen eines Menſchen bereits total zerſchlagen, die Kleidungsſtücke klein zerſtückelt vorfand. Die Erklärung dieſes ſeltſamen Ereigniſſes bildete ſich die Fama dadurch, indem vermuthet wurde, das gefundene Gerippe ſei der Körper einer ſeit circa drei Jahren verſchwundenen ledigen Hauſirerin mit Leinwand aus Schleſien. Dieſe habe ge wöhnlich bei dem jetzigen Bürgermeiſter übernachtet, wenn ſie nach Immendorf kam; ſie habe damals bei 500 fl.
Redigirt unter Verantwortlichkeit des Verlegers.
Blätter für Ernſt und Humor
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in Baargeld bei ſich gehabt. Thatſache iſt, daß in Folge der fortſchreitenden Unterſuchung der Bürgermeiſter ſeit 15. Juni ſich in gerichtlicher Haft zu Oberhollabrunn befindet.
Bis zu einem eigenthümlichen Patriotismus hat ſich in New⸗York eine Hebamme verſtiegen, welche durch die„Staatszeitung“ bekannt macht, daß ſie es ſich zur Ehre aurechnen werde, den Frauen der in's Feld gerückten Krieger ihre Dienſte unentgeltlich widmen zu dürfen. Eine ſolche Reklame iſt gewiß neu.
Gefährlichkeit photographiſcher Porträts. Dieſer Tage wurde in einem Münchner Gaſthofe ein bedeutender Diebſtahl an Geld, Uhren und Kleidern verübt; der Thä⸗ ter wurde aber auf eine eigenthümliche Weiſe entdeckt. In der Eile hatte er ſeine Photographie verloren und ſo den beſten Steckbrief ſelbſt in die Hände der Polizei ge⸗ liefert. Er mag es nun wohl bedauern, die Mode, ſich photographiren zu laſſen, mitgemacht zu haben.
Das Vermögen des Hauſes Rothſchild, d. h. ſämmtlicher Familien desſelben in Fraukfurt, Paris, London, Neapel und Wien, ſoll gegenwärtig mehr als 200 Millionen Thaler betragen, eine Summe, die in Gold fünfzig Pferde zur Fortſchaffung erfordern würde.
Kaiſer Rudolf der Habsburger kam einſt in der Gegend von Baſel durch einen Flecken, in welchem er einen Gerber ſeine ſtinkenden Felle aufhängen ſah.„Du möchteſt wohl auch lieber hundert Mark Goldes und ein hübſches Weib haben, als dies ſchmutzige Gewerbe treiben?“ ſagte der Kaiſer.„Was der Herr Kaiſer mir da geben will, habe ich ſchon;“ erwiederte der Gerber und Rudolf erklärte, in ſeine Herberge reiten und ſich überzeugen zu wollen. Der Gerber ließ durch ſeine Frau Speiſen und Wein in ſilbernen, vergoldeten Gefäßen auf⸗ tragen und begrüßte bald darauf den Kaiſer in einem brokatnen Rocke.„Aber warum traaßplfren bei ſolchem Wohlſtande ein ſo ſtinkendes G. vorige mals in Rudolf.
„Weil all' dieſe ſchönen G Rzikows e, lauterankende Geſchäft erworben worden ſindder gute ait befo Gerber, „und bald fort ſein würden, wenn ich Rufgeben wollte.“
In Wien hat ein Huſarenofficier, Graf Szirmay, gewettet, vierzig deutſche Meilen in vierzig Stunden auf einem und demſelben Pferde zurückzulegen und die Wette gewonnen. Der Gewinn betrug 1000. Gulden.
Eine tragiſche Geſchichte wird aus Wien gemeldet. In der Leopoldſtadt wohnte ſeit eimͤger Zeit anſpruchslos und eingezogen die Witwe eines Kaufmanns aus Preß⸗ burg, deren Mann ſich aus Schmerz über ſeine unver⸗ ſchuldete Zahlungsunfähigkeit ſelbſt entleibt hatte. Die Witwe hatte zwei Töchter, Zwillingsſchweſtern, die ein⸗ ander auf's Haar glichen und von ſolcher Schönheit waren, daß ſie bald in der ganzen Leopoldſtadt bekannte Perſönlichkeiten waren. Die eine Schweſter machte elne glänzende Heirat; die andere, Namens Regina, liebte einen jungen Mann aus Bukureſt, der zu wiederholten Malen um ihre Hand anhielt, aber immer wieder abge⸗ wieſen wurde, weil er nicht hinlänglich reich war. Die Leidenſchaft ſiegte; das unglückliche Mädchen fühlte ſich Mutter und wußte ihren Zuſtand zu verheimlichen. Eines Abends gebar ſie einen Knaben. In unſeliger Verblen⸗ dung und Verzweiflung warf ſie das Kind in den Abort. Eine Dienerin hörte das Wimmern des Kindes in der Cloake und rief den Hausmeiſter herbei, welcher das Kind noch lebend aus dem Kanal herauszog. Nach einigen Stunden verſchied es trotz der angewandten ärztlichen Hilfe. Die Verbrecherin war bald erforſcht und wurde verhaftet. Sie wuͤrde dem k. k. Landesgericht überliefert. Dort verfiel ſie in verzweiflungsvolle Lethargie und, wie die„Oeſt. Ztg.“ meldet, iſt ſie in Folge des großen Seelen⸗ leidens bereits geſtorben. Die Unglückliche war erſt ſieb⸗ zehn Jahre alt.
Papier und Druck des art.⸗typ. Inſtituts von Carl Bellmann in Prag.
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