Heft 
(1861) 1 01
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2 Schilling 6 Pence(alſo noch nicht einen preußiſchen Thaler) das Stück koſten, bezahlte er nicht. Der Anwalt las hierauf den Brief vor, welcher die Beſtellung enthält. Es heißt darin:Senden Sie mir eine Portion der beſten Predigten, die Sie im Vorrath haben. Richter:Es ſcheint mir, wir haben es hier mit einer förmlichen Pre⸗ digtfabrik zu thun.(Gelächter.) Wie kommt es, daß die Predigten ſo billig ſind? Anwalt:Sie werden je nach der Nachfrage in mehr oder weniger Exemplaren litho⸗ graphirt, und je mehr Abnehmer ein Artikel findet, deſto billiger iſt ein Exemplar davon. Richter:Alſo die nämliche Predigt wird von vielen Geiſtlichen benutzt? Und wenn ich am Sonntage verſchiedene Kirchen beſuche, kann ich das Vergnügen haben, dieſelbe Predigt mehr⸗ mals zu hören? Anwalt:Allerdings. Richter:Was ſind Ihre höchſten Preiſe? Anwalt:5 Guineen. Das iſt der Preis für Biſchöfe. Richter:Ihr Klient macht alſo auch Predigten für Biſchöfe? Anwalt:Gewiß!(Ge⸗ lächter.) Richter:Was würde eine Predigt zur Erbauung des Lordmayors koſten? Anwalt:3 bis 5 Guineen. Richter:Ich fürchte, nach dieſer Eröffnung wird der Lordmayor nicht leicht zu erbauen ſein.(Gelächter.) Das Reſultat war: Der Verklagte, der perſönlich zugegen war,

aber ſich durchaus nicht beſchämt zeigte, wurde zur Be⸗

zahlung der Schuld und obendrein in die Koſten ver⸗ urtheilt.

Auf den Antrag des Dr. Trittau hat die Bürger⸗ ſchaft von Hamburg die vom Senat geforderten 20.000 Mark für die nächſtjährige Weltausſtellung in London nicht bewilligt, weil die engliſche Regierung und Preſſe in der ſchleswig⸗holſteiniſchen Sache und in der Macdo⸗ nald⸗Geſchichte eine feindliche Haltung gegen Preußen und Deutſchland angenommen habe.

Den Has⸗ Kreffer der Kreditloſe per 250.000 fl.

im Jäne, Jahres hatte ein. Kürſchner in Krakau, Namen y gemacht. Im Beſitz des vielen Geldes verlor Mann jedoch alle Raſt und Ruhe. Er⸗

ſah ſtets eſ und Räuber und die beſtändige Auf⸗ regung brachte ihn enolich dahin, daß er in ein Nerven⸗ fieber verfiel und ſtarb. Trotz dieſes trüben Exempels glauben wir doch nicht, daß ſich Viele abſchrecken laſſen werden, bei einer Kreditlosziehung den erſten Treffer für ſich zu wünſchen.

Aus Barzdorf(öſterr. Schleſien) ſchreibt man unterm 15. Juni, daß dort Tags vorher eine Heuſchrecken⸗ wanderung begonnen habe. Der Zug dauerte bereits an Wwanzig Stunden und bewegte ſich von Süd nach Nord. Bis dahin hatten ſich die Scharen noch nicht niedergelaſſen. John Hill, der im Rufe ſtand, der älteſte Mann in England zu ſein, iſt kürzlich in Rocheſter geſtorben. Er war in Suſſex 1758 geboren und erfreute ſich immer einer vortrefflichen Geſundheit. In dem polniſchen Städtchen Czenſtochau lebt ein Mann, Namens Kanter, der das 112. Lebensjahr zurückgelegt hat. Er iſt noch ſo rüſtig, daß er den ganzen winterlichen Holzbedarf für ſeine Familie aus dem Walde holt und das Holz ohne Mithilfe eines Andern auch klein ſpaltet. Sein älteſter Sohn zählt gegenwärtig 75 Jahre.

Die unterbrochene Hochzeit.Nenne Keiner einen Tag glücklich, bevor er ſeinen Abend geſehen, denn des Menſchen Geſchicke ſind unberechenbar! rief der weiſe Polizeidirektor von Worſhip⸗Street in London, Mr. Knox, am 20. Mai aus, als folgender Fall ſeiner Entſcheidung harrte: Mr. Grovesnor machte an jenem Morgen eine ſehr ſorgfältige Toilette und wähnte ſich auf dem Gipfel der Freude und des Glückes angekommen, die ganze Welt und das ganze Leben lag roſenfarben vor ihm, daher

wiählte er auch zur ſinnlichen Verauſchaulichung ſeiner Ge⸗

müthsſtimmung eine roſafarbige ſeidene Weſte, die ihm 21 Schillinge gekoſtet hatte, und verzierte ſie mit einem lächelnden Blumenſtrauß, der ihm 18 Pence zu ſtehen kam, denn es war heute ſein Hochzeitstag und er war

im Begriff, ſich zur Trauung nach der St. Johns⸗Kirche

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zu begeben. So that er auch. Kaum war er jedoch aus dem Cab geſprungen, hatte ſeiner hoffnungſtrahlenden Braut den Arm gereicht und war in die Vorhalle der Kirche getreten, ſo wir laſſen ihn nach dem Polizei⸗ berichte ſelbſt erzählen ſo puffte plötzlich dieſes Weib (die Angeklagte Mary Connor) auf mich ein, riß meine Hochzeitsweſte entzwei und trat mich mehrmals ſchwer vor den Bauch, auch ſchlug ſie mich auf die Naſe, ſo daß Blut kam. Angeklagte:Ich habe mit dieſem Manne ſechs Jahre lang auf ſein Verſprechen, ehrenvoll gegen mich zu handeln, gelebt, und nun fand ich ihn im Be⸗ griff, eine Andere zu heiraten, und in meiner Entrüſtung zerriß ich ihm die Weſte; er ſchlug mir darauf zwei Zähne ein(welche producirt werden) und ich trat ihn. Konſtabler:Als ich zur Kirche gerufen wurde, fand ich einen Zuſammenlauf von wenigſtens 200 Menſchen und den Kläger, welcher ſeine Roſaweſte in zwei Stücken über den Arm hängen hatte. Der Prediger weigerte ſich unter dieſen Umſtänden zu tranen, und ſo befand ſich denn die Geſellſchaft ſtatt beim Hochzeitsmahle vor dem Polizeirichter ſammt den eingeſchlagenen Zähnen, der zer⸗ riſſenen Roſafarbigen und der blutigen Naſe. Und der weiſe M. Knox that obigen Ausſpruch.

Zu den vorzüglichſten aller Hühner gehören die andaluſiſchen. Sie geben nicht nur ein ausgezeichnetes Fleiſch, ſondern ſind auch die beſten Leger, die man haben kann. Man rechnet fünf bis ſechs Stück Eier pro Woche auf jedes Huhn. Die Eier ſind größer als die aller anderen Hühner, ſelbſt als die der gerühmten ſchwar⸗ zen Spanier, überaus wohlſchmeckend und von Farbe lichtblau mit dunkleren Flecken.

Auch ein Grund zum Stehlen. Man ſchreibt aus Wien: Das achtzehnjährige Stubenmädchen Karoline Friedreich hat aus dem Schreibtiſche ihres Herrn in zwei⸗ maligen Angriffen 35 Gulden entwendet. Auf die Frage des Vorſitzenden, was ſie mit dem Gelde angefangen hätte, antwortete ſie:Ich habe es theils vernaſcht, theils verfahren. Präſident:Wie, verfahren? Angeklagte: Nun, wenn mir die Gnädige einen Auftrag gegeben hat, ſo habe ich immer einen Wagen genommen, damit ich nicht zu Fuß gehen mußte. Der Gerichtshof verurtheilte die ſchwerfüßige Karoline zu zwei Monaten Kerker und läßt ſie abführen aber zu Fuß.

Ein Leichenzug in Wien. Daß im Volke noch nicht alle Poeſie erſtorben ſei, hat ein ergreifender Vor⸗ gang in Wien bewieſen. Die entſeelte Hülle eines Mäd⸗ chens aus dem Volke, einer armen jungen Arbeiterin, ward zur Erde beſtattet, doch nicht von proſaiſchen und theilnahmloſen Todtengräbern und Leichenbittern, ſondern von den Genoſſinnen der Dahingeſchiedenen ſelber. Sechs Mädchen in Trauerkleidern trugen die Bahre und voran ſchritt eine ſiebente, mit aufgelöſtem Haar und eine zer⸗ brochene Wachskerze in der Hand haltend. Das Aufſehen, welches dieſe Proceſſion machte, war ungeheuer, der Ein⸗ druck überall ein ſtillernſter, feierlicher.

Liſzt ſoll in Paris zum Ober⸗Intendanten der kaiſerlichen Kammermuſik ernannt worden ſein. Wahr⸗ ſcheinlich eine Erwiederung des Komplimentes, welches neulich Liſzt dem Kaiſer gemacht, als er von dieſem eine der Größen des Jahrhunderts genannt, ſich tief verbeu⸗ gend ſagte:Und das Jahrhundert ſind Sie, Sire.

Die Londoner Ausſtellung. Die Kommiſſarien für die Ausſtellung des kommenden Jahres halten jetzt wöchentlich mehre Sitzungen, um die ungeheure Arbeit zu bewältigen und das Urtheil Sachverſtändiger in allen Einzelheiten zu erörtern. Von Seiten des Kontinents liegen noch wenig Beweiſe allgemeiner Theilnahme an dem Unternehmen vor, was theilweiſe ohne Zweifel dem Mangel an Vertrauen in die friedliche Geſtaltung der politiſchen Verhältniſſe beizumeſſen iſt. In England ſcheint man in dieſer Beziehung minder ängſtlich zu ſein und die Anmeldungen um Ausſtattungsraum ſind jetzt ſchon bei Weitem größer, als vermuthet worden war. Trotzdem