Heft 
(1861) 1 01
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30 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

Humoriſtiſches.

Man erzählte ſich, bei der königlichen Tafel in Turin habe Graf Cavour den Toaſt ausgebracht:Gott erhalte unſere tapfere Armee!Das wünſche ich auch, entgegnete der Finanzminiſter,denn ich kann ſie wahrhaftig nicht länger erhalten!

Der Unterſchied zwiſchen einem heldenmüthigen und einem um Gnade flehenden Soldaten iſt nur gering; der Eine läßt ſein Leben und dem Andern läßt man ſein Leben.

Lehrer:Eduard, Du ſollſt zeigen, ob Du ſub⸗ trahiren kannſt. Ich habe fünf Tauben, davon ſchieße ich drei todt und zwei fliegen fort; wie viel bleiben da? Schüler:Drei todte.

Bei Gelegenheit eines Freiwilligenanfgebots kam auch ein Lahmer herbeigehinkt, um Waffen zu tragen, und ward ausgelacht.Warum lacht Ihr? ſprach er; ich bin hier, um zu fechten, nicht um davonzulaufen. Nicmand wird Sie für das nehmen, was Sie ſind, ſagte Jemand zu einem ſehr einfältigen Dandy mit langen Haaren.Wie ſo? fragte dieſer.Weil man Ihre Ohren nicht ſehen kann.

Welcher Unterſchied iſt zwiſchen einer Uhr und einem Soldaten? Jene ſchlägt, wenn ſie läuft, dieſer, wenn er ſteht. Was macht das Glück des Kaufmanns und das Unglück des Soldaten? Die volle Niederlage.

Scene aus dem Maskenballe.Guten Abend, Herr Doktor!Ah, woher kennſt Du mich, ſchöne Maske? Sage mir, wer Du biſt!Rathen Sie! Vielleicht die junge Dame, welcher ich geſtern Kußhände zuwarf?Falſch gerathen.Oder die liebens würdige Kleine aus der Modewaarenhandlung am Markte? Warum nicht gar!Ah, Verzeihung! Ich mußte höher hinauf. Vielleicht die Frau Kommerzienrath Bluſing, die köſtliche Blume?Nein, Herr Doktor, ich bin die Wäſcherin, der Sie noch dreizehn Wochen Wäſchelohn ſchuldig ſind.

Vermiſchtes.

Franzöſiſche Anmaßung. Wie weit franzöſiſche Arroganz geht, beweiſen folgende demJournal pour tous entnommene Worte:Nichts ſteht feſter, als daß wir allen Völkern voran ſind... wir ſind unterrichteter, geiſtreicher, tapferer, liebenswürdiger, als Italiener, Spa nier, Deutſche und Engländer zuſammengenommen. Aber es genügt nicht, daß wir in allen Dingen die Erſten ſind: wir müſſen auch an allen Orten die Erſten ſein ac.

Der Seiltänzer Blondin hat mit ſeinen hals⸗ brecheriſchen Künſten Parlament und Regierung von Eng land in Bewegung geſetzt. Am letzten Samſtag führte nämlich Blondin ſein ſiebenjähriges Töchterchen in einem Schiebkarren auf dem Seil von einem Ende des Kryſtall palaſt⸗Tranſepts bis zum andern. Aus Anlaß deſſen fragte am Montag Abends im Unterhauſe Sir Forſter den Staatsſekretär des Innern, ob die Regierung Schritte thun werde, um eine Wiederholung dieſes erniedrigenden Spektakelſtückes zu verhindern. Der Staatsſekretär Sir Lewis erwiederte, er habe bereits an die Direktoren des Kryſtallpalaſtes ein warnendes Schreiben erlaſſen, welches ſicherlich die fernere Gefährdung des Kindes verhindern werde.

Eine intereſſaute Geſchichte eines Brillanten wurde in derMorgenpoſt erzählt. Unter den Objekten, welche den Schwindeleien des vor Kurzem hier verhafteten Bör ſenarrangh Ranzenhofer zur Beute fielen, nimmt dieſer Brillant, Wn prächtiger Stein von vier ⸗Karat, den erſten Rang ein. Das fragliche Juwel rührte aus dem bedeu⸗ tenden Brillantenſchmucke eines Fräuleins D. her; im J.

1836 wurde ihr der geſammte Schmuck(im Werthe von 20.000 fl.) von einem gewiſſen Götz, einem noblen Schwind⸗ ler, der bei ihr als Monatspartei wohnte, geſtohlen. Dieſes Ereigniß machte ungeheures Aufſehen. Götz hatte das verſiegelte Packet, in welchem ſich der geſammte Schmuck befand, vor den Augen der Eigenthümerin mit einem Packet von ähnlichem Ausſehen, welches ſtatt der Brillanten Citronenkörner enthielt, vertauſcht und war mittels einer Strickleiter auf die Straße entflohen. Im Jahre 1840 fand man Götz als falſchen Spieler am grünen Tiſch zu Wiesbaden, er beſaß von dem Erlös ſeiner Beute nur mehr ſechzig Thaler. Der Verbrecher wurde nach Wien abgeliefert und von da nach ſeiner Verurtheilung in's Provinzialſtrafhaus zu Prag gebracht. Dort entdeckte er einem Mitgefangenen, daß er einen koſtbaren Brillant im Werthe von 2000 fl. dadurchvor den Klauen der Polizei gerettet habe, indem er den⸗ ſelben mit Fiſchhaut umhüllt und ſtatt des fehlenden rechten Stockzahnes mit Drath im Munde befeſtigte. Sein Mitgefangener verrieth dies an den Gefängnißdirektor, der Stein fand ſich richtig bei dem Arreſtanten vor und wurde nach Wien geſchickt, wo die Behörde ihn der Eigenthümerin zurückſtellte. Dieſe verſetzte nach mehren Jahren den Stein um 1000 fl.; 900 fl. hatte ſie bereits abgezahlt, als Ranzenhofer ſich erbot, ihr die noch fehlen⸗ den 100 fl. vorzuſtrecken und den Stein zu verkaufen. Weder der Brillant, noch das Geld kam dem Fräulein D., welches dies Anerbieten annahm, je wieder zu Geſichte.

Zur Zeit der Kriege zwiſchen Napoleon und den deutſchen Fürſten hatte der Buchhändler F. A. Brockhaus ſein Geſchäft noch in Altenburg, woſelbſt er, kurz vor der Leipziger Schlacht, dieDeutſchen Blätter herausgab, welche bis zur Zeit der berüchtigten Karlsbader Beſchlüſſe beſtanden. Die Konceſſion, welche der öſterreichiſche Ge neral Stadion, deſſen Hauptquartier damals in Alten⸗ burg ſich befand, Herrn Brockhaus ertheilte, lautete wie folgt:Dem F. A. Brockhaus wird hiermit befohlen, ein Blatt herauszugeben. Stadion. Die Zeiten haben ſich ſeitdem geändert. Es wird einem Buchhändler höch⸗ ſtens noch befohlen, ein Blatt eingehen zu laſſen.

Im Tower zu London befindet ſich eine Reihe von ſchrecklichen Folterwerkzeugen als Erinnerungszeichen an das Glück, das Philipp der Zweite von Spanien den Engländern bringen wollte. Sie wurden mit den Trüm⸗ mern dergroßen Armada erbeutet. Auf den Schiffen befanden ſich damals bereits Inquiſitionsprieſter, um ſo⸗ gleich in England den Proteſtantismus mit Feuer und Schwert auszurotten. Der Menſch denkt, Gott lenkt!

Eine Gerichtsſcene in London. In engliſchen Blättern ſtößt man häufig auf folgende Anzeige:Für Parlamentsmitglieder, öffentliche Redner, Prediger ꝛc. Ein geübter Literat verſieht Staatsmänner, Klubbredner, Geiſtliche ꝛe. mit Reden, Predigten und Vorleſungen in jedem möglichen Style und über alle möglichen Gegen⸗ ſtände. Hierauf Reflektirende mögen ſich wenden an das Bureau des Herrn N. N. ꝛc. Unſere Leſer auf dem Kontinente mögen geneigt ſein, dergleichen für einen ſchlechten Spaß zu halten. Wie bei uns, wird man denken, gibt es auch dort Leute, die ihre Reden, Predigten ac. nicht ſelbſt machen, aber daß dieſe fabrikmäßig erzeugt werden, wird Niemandem einfallen. Und doch iſt dem ſo. Der Gerichtsſaal, dieſer ſchonungsloſe Enthüller aller Wunden und Schwächen der Geſelſſchaft, kanſtatirte das Vorhandenſein ſolch' einer Fabrik. Vor Kurzem kam vor dem Sheriffs⸗Court zu London folgenderFall zur Verhandlung: Herr Rogers trat als Kläger gegen Herrn⸗ Havergal, einen Pfarrer in Redfordſhire, auf, um eine Schuld von 2 Pfd. Sterl. 10 Schill. für 20(ſage zwan⸗ zig) gelieferte Predigten einzutreiben. Der Anwalt des

Klägers gab an:Am 28 April 1859 beſtellte Herr Ha⸗

vergal bei meinem Klienten eine Predigt überdie glück⸗ liche Beendigung der indiſchen Meuterei. Sie wurde ihm zugeſchickt und kurz darauf beſtellte er 20 Predigten über die verſchiedenſten Gegenſtände. Dieſe 20 Reden, die