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Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
ſtürmiſche Allegro des Priss über, welches voll Ueber muth, Jubel und ausgelaſſener Luſtigkeit iſt, in welche hinein aber von Zeit zu Zeit tief melancholiſche Akkorde
klingen. Der Burſche umhüpft dabei ſeine Tänzerin, die
ihm aber ausweicht, ſo daß die Tänzer einander um⸗
kreiſen. Endlich geht die Muſik in ſtürmiſchen Jubel über, der Tänzer umfaßt mit beiden Händen die Tän⸗ zerin, dreht ſich auf der Stelle im Wirbel mehrmals mit ihr herum, hebt ſie dann einigemal in die Höhe, wobei ſie durch Aufſpringen nachhilft, und das Koket⸗ tiren des Sichumtanzens beginnt von Neuem. Ein ge⸗ ſchickter Tänzer ſchlägt von Zeit zu Zeit die Sporen zuſammen, welche in Ungarn faſt allgemein getragen werden und große klingende Räder haben, oder er klatſcht nach dem Takte während des Tanzens auf den Schenkel, das Knie und an die Ferſe, wobei er nicht aus dem Tritte kommen darf. Es hat faſt jeder Tänzer ſeine eigene Art, den csar dàs zu tanzen, ſeine eigenen Touren und Sprünge, denn auch hier herrſcht die unbe⸗ dingte Freiheit der Autonomie, wie in der Gemeinde⸗ verwaltung.
Außer dem csaâr däs tanzt man noch Polka, aber oft nach ungariſchem Takt, Frangaiſe und andere fran⸗ zöſiſche Tänze, deutſche ſind ganz ausgeſchloſſen. Wenn es ja eine Muſikbande wagt, deutſche Tänze vorzutragen, weil ſie gerade keine andere kann, ſo erhebt ſich bald ſtürmiſches Geſchrei:„csär dàs!“ und bei den erſten Geigenſtrichen ertönt ein nicht endendes„Eljen! éljen.“ Obſchon ein esär dàs faſt wie der andere klingt, die⸗ ſelben Uebergänge, Motive u. ſ. w. ſich wiederholen, ſo will man doch nur ihn hören, gleich als ob er zur Eintönigkeit des Bauern⸗ und Pußtenlebens paßte.
9. Die Rationaltracht.
Wie Ungarn zu den reichſten und ſchönſten Län⸗ dern Europa’s gehört, ja zuweilen wohl geradezu das ſchönſte und reichſte genannt wird, ſo iſt auch die unga⸗ riſche Nationaltracht die theuerſte und am meiſten male⸗ riſche. Das lebhafte Nationalgefühl, welches der Ungar beſitzt, hat ihn auch abgehalten, europäiſche Kleidung, die er freilich irrthümlich für eine deutſche hält, anzu⸗ nehmen; er betrachtet die Bauernkleidung als die eigent⸗ liche nationale. Den langen Stecken trägt der ungariſche Dandy als Stock, ſo unſchön dieſe lange Stange auch iſt, da der dicke Knopf ihm über den Kopf reicht, ſo daß zer dieſelbe etwas über der Mitte faſſen muß. Der Bauer hat aber noch einen kürzeren Stock, eine Art Streitaxt, mit welcher er beim Pflügen die Erdklöͤße zerſchlägt; auch dieſen führt der Städter, beſonders junge Leute, da er als Waffe dienen kann, weßhalb er auch verboten wurde. Jetzt trägt man ihn im Knopfloch des Mantels eingehängt. Der Bauer trägt enge Beinkleider und hohe Sporenſtiefel, denn er muß zur Regenzeit in ſeinem Dorfe durch tiefen Koth waten können, und dasſelbe iſt in den ungepflaſterten Städten nothwendig. Der Dandy trägt hohe Stiefel aus Glanzleder, ſilberne Sporen mit thalergroßen Rädern, enge Hoſen mit Borde an
den Hüften hinab und arabeskenartiger Verſchnürung vorn auf dem Oberſchenkel. Der ſchmale Verſchluß der Beinkleider, der auch verſchnürt iſt und ein Oreieck bildet, dient als Hoſentaſche, indem man wohl die Hände oder das Taſchentuch hineinſteckt, ſo daß zu beiden Seiten die Zipfel herausſehen. Die Farbe der Beinkleider iſt hellgrau, dunkelblau oder ſchwarz; herrſchaftliche Diener tragen ſie hochroth mit weißer oder blauer Verſchnü⸗ rung. Dieſe Beinkleider liegen wie Tricots ganz eng an und ſind gewiß ſehr unbequem. Selbſt ältere Perſonen tragen Jacken mit zwei bis vier Reihen dicht neben⸗ einander ſtehender Knöpfe, mit einer Knopfeinfaſſung der Seitentaſchen, des Aermelaufſchlags und der Rücken⸗ taille. Die Weſten haben einen Stehkragen, mehrere Reihen Knöpfe oder reiche Verſchnürung, indem man mit Schlingen oder Silberſchlöſſern die Weſte ſchließt. Der Attila gleicht im Schnitt dem altdeutſchen Rock, hat Stehkragen, auf der Bruſt reiche Verſchnürung, ebenſo auf den Aermelaufſchlägen, am Kragen, am Rücken, an den Schulterblättern, vorn im Winkel der Schöße und an vier anderen Stellen am untern Saume. Aehnlich iſt der paletotartige Mantel mit ſteifem Pelz⸗ kragen, Pelzaufſchlägen und Pelzverbrämung. Er gleicht der Pekeſche. Dicke Schnüre hängen vom Halſe hinab über den Rücken. Ein runder Hut mit ſenkrecht aufge⸗ ſchlagener Krempe oder eine diademartige Sammtmütze bedecken den Kopf. Rückwärts hängen lange Bänder herab, eine gebogene Adlerfeder oder eine rückwärts ſtehende Trappenfeder, ein Büſchel federartiges Gras ſchmücken maleriſch dieſe Kopfbedeckung.
Reiche Herren tragen am Rock und Mantel runde Gold⸗ und Silberknöpfe, welche mit Edelſteinen verziert und von der Größe einer Flinten⸗ oder Kartätſchenkugel ſind. Auch auf dem Aermel und an den Rockſchößen blitzen ſolche Kugelknöpfe. Die Magnaten erſcheinen in gold⸗ und ſilbergeſtickter, von Kleinodien ſchimmernder Kleidung und mit dem weißen Reiherbuſch auf dem tſchakoähnlichen Kalpak. Schön verziert mit Gold⸗ und Silberborden ſind die ſammtenen und ſeidenen Leibchen der Damen, die auch von Knöpfen blitzen, ſogar auf den Schultern und im Rücken. Weiße Bauſchärmel, weiße Spitzenſchürzen, eine tüchtige Krinoline, eine reich⸗ beſchnürte Mende(Mantel), deren zahlreiche Arabesken⸗ figuren aus blitzenden Glasperlen gemacht ſind, ein kleiner Hut mit aufgeſchlagener Krempe, oder à la Garibaldi mit langer weißer oder ſchwarzer Feder, vollenden den höchſt maleriſchen Anzug. Dagegen tragen Bauermädchen rothe Korduanſtiefel mit hohen Ab⸗ ſätzen, die Bauern im Sommer ellenbreite Leinwand⸗ hoſen, die etwas bis über's Knie reichen und unten oft ausgefranst ſind, einen eng anliegenden, knopfreichen blauen Tuchſpenſer, eine Tuchjacke mit ſteifem Kragen, die der Bauer gewöhnlich über die rechte Schulter wie einen Dolman hängt, ein Hütchen mit rundem Kopf und halb aufgeſtülpter Krempe. Ihr Winteranzug iſt ein langer Schafpelz, deſſen Wollſeite bald nach innen, bald nach außen gekehrt iſt. Figuren aus bunten Leder⸗ ſtückchen oder Seide ſchmücken Kragen, Schultern, Ell⸗ bogen, Rücken, Taille, Zipfel und Saum. Vom Kragen


