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(1861) 1 01
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Skizzen aus Peſt.

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Regenſchluchten oder neben ihnen in anderthalb bis

zwei Stunden hinauf führen. Es gehören gute Füße

und eine gute Lunge zu dieſem Marſche, aber er bietet auch überreichen Genuß. Dieſe Schluchten ſind von üppigem Gebüſch eingefaßt, laufen zwiſchen Weingärten hin und werden von grüngoldenen langen Eidechſen und Schlangen bewohnt. Vor ſich hat man die ſanft anſtei⸗ genden Bergzüge, deren oberer Theil Heidekraut trägt oder mit Eichenwald bedeckt iſt. Bei jedem Schritt er⸗ weitert ſich die Ausſicht, wird ſie mannigfaltiger und großartiger, denn man arbeitet ſich in einem Bergkeſſel empor und gewinnt endlich die Ausſicht ſchräg in roman⸗ tiſche Thäler mit vielgeſtaltigen Bergzügen im Hinter⸗ grund, nach der andern Seite hin überſieht man Peſt und Ofen, auch blitzt hier und da die Donau hervor und breitet ſich hinter ihr die Ebene aus. Zunächſt hinter Ofen dehnt ſich der Bergzug des Schwabenberges aus, den zahlreiche Villen bedecken; nach Norden zu gipfelt er im Johannisberg, der etwa 1500 Fuß über dem Meere liegt, in den Thälern und an den untern Berglehnen im Eichenwald reizende Villen trägt und wo ſich das romantiſche Keſſelthal Auwinkel mit dem niedlichen Wirthshäuschen zum Saukopf oben am Rande befindet, von wo man eine unbeſchreiblich ſchöne Aus⸗ ſicht hat. Da oben erholt man ſich bei einem Seidel Ungarwein, der natürlich aus Biergläſern, aber ſtets mit Waſſer gemiſcht, getrunken wird, lauſcht dem Ge⸗ ſange der Vögel, labt ſich an dem kräftigen Grün der Wieſen, welche die Hänge überziehen, und läßt ſich von den ſchwermüthigen Melodien der Zigeuner in wunder⸗ ſame Träume einwiegen.

Des Sonntags ſind dieſe Gebirgspartien ſtark beſucht; der Peſter fährt hinaus, ſpeiſt Mittags nach hergebrachter Weiſe ſeine drei bis vier Gerichte, trinkt ſeinen Kaffee, macht eine kurze Promenade, nimmt eine Gauſe(Vesperbrod) zu ſich, als ob er ſeit geſtern nichts gegeſſen hätte, ſteigt den Berg hinab und fährt, um einige Gulden leichter, wieder heim.

Wie an den Oſterfeiertagen auf den graſigen Hängen des Blocksberges, zu welchem halsbrechende Fußwege durch nur ellenbreite gewundene Gaſſen führen, ein heiteres Volksfeſt um die aufgeſchlagenen Zelte der Pfefferkuchenhändler ſich tummelt, ſo an den Pfingſt⸗ feiertagen auf den grünen Waldwieſen des Schwaben⸗ berges und in der niedrigen Thalebene des Leopoldi⸗ feldes, welche ſich mit blumigen Wieſen zwiſchen dem buſchigen Ufer eines tiefeingeriſſenen Wildbaches und ſteil anſteigenden Felsklippen ausdehnt, während am andern Ende unter ſchattigen Eichen und Ahorn Bänke und Tiſche zum Niederſitzen einladen. Zu Tauſenden ziehen an dieſen Tagen die Städtler mit Familien und Freunden hinaus in's Grüne, beladen mit tüchtigem Mundvorrath und der großen hölzernen Trinklaſche. Da tummelt ſich Alt und Jung bunt durch einander. Kinder ſpielen und balgen ſich, die jungen Leute tanzen nach einer Ziehharmonika oder einer Drehorgel, die Alten ſehen zu oder liegen im Graſe und ſchlafen. Denn das Schlafen ſcheint ein Volksvergnügen zu ſein. Wohin man kommt, auf Straßenpflaſtern, Treppen, Karren, Erinnerungen. LXXXII. 1861.

Sand⸗ und Düngerhaufen, ſelbſt bei rauhem Wetter, von Vormittag bis Nachmittag findet man Schlafende ausgeſtreckt. Der Bauer kommt wöchentlich wenigſtens einmal in die Stadt auf leichtem Wägelchen gefahren, ſei es, daß ſeine Frau ein Körbchen Obſt oder ein paar Hühner verkaufen will, ſei es, daß er einige Fuß Brett⸗ holz braucht. Während er ſeinem Geſchäft nachgeht oder im Weinhauſe die Verkäufe ſeiner Frau abwartet, liegt der Knecht auf dem Wagen in der Sonne und ſchläft, wird es ihm hier gar zu warm, ſo legt er ſich unter den Wagen. Und wenn beim Ziehen der Schiffe die Pferde ein wenig raſten, weil ſich etwa eine Leine verſchlungen hat, ſo legt ſich der Knecht da, wo er ſteht, auf den Boden, und ſei er vom Regen durchnäßt, um ein Schläf⸗ chen zu halten. Warum ſollte man alſo nicht auch im Grünen ſchlafen, beſonders wenn der Wein müde ge⸗ macht hat?

8. Nationaltanz.

Der ungariſche Nationaltanz esàr däas(tſchahr⸗ dahſch) iſt ein ganz origineller, welcher viel Körperkraft und Gelenkigkeit erfordert. Trotzdem tanzt der unga⸗ riſche Bauer ſeinen esàr dàs die ganze Nacht durch; er jauchzt laut auf, wo er ihn hört, und ſelbſt ältere Perſonen fangen an ſich im Takt zu wiegen, wenn der esaàr daäs geſpielt wird. Getanzt wird mit dem Hut auf dem Kopfe und in Hemdsärmeln, welche eine Elle lang als Rieſenmanſchetten von den Handknöcheln her⸗ abhängen. Auch ſtößt der Tänzer im Hochgefühl der Tanzluſt ein grelles Kreiſchen aus, ſtampft den Boden, ſchlägt die Sporen klirrend zuſammen und ſchiebt den Hut mit der ſchräg rückwärts zeigenden Trappen⸗ oder Hahnenfeder auf's Ohr.

Dabei nimmt man es nicht genau, es tanzen Männer⸗ und Frauenpaare, wenn ſich kein regelrechtes Paar zuſammenfindet, und die Bauermädchen in rothen Stiefeln mit hohen Abſätzen amüſiren ſich ebenſo, wenn ſie mit ihres Gleichen tanzen. Jedes Paar ſtellt ſich für ſich auf und braucht nur wenig Platz zum Hin⸗ und Hergehen, denn der zweitaktige Tanz beſteht aus einem hüpfenden Springen und Knixen, hat raſches Tempo und verlangt auf den Zweivierteltakt drei kurze ſchnelle Tritte.

Er beginnt mit einem langſamen, ſchnörkel⸗ und trillerreichen Adagio(Laſſu), welches die Zigeuner be⸗ ſonders ſeelenvoll vorzutragen und mit unendlichen Schnörkeln zu verbrämen wiſſen. Die Melodie iſt etwas kraus, eintönig, voll ſchmerzlicher Melancholie und ſoll die Werbung um die Gunſt der Dame ausdrücken. Die Paare faſſen ſich bei der Hand, das Geſicht gegen ein⸗ ander gekehrt, und ſchreiten dabei einige Schritte ſeit⸗ wärts zur Rechten und zurück. Andere Paare ſtehen, die Hände in die Seite geſtemmt, einander gegenüber und machen nur mit den Füßen und dem Oberleibe taktanzeigende Bewegungen. Nach dieſem grabliedartigen Vorſpiele, welches oft von überwältigender Wehmuth iſt, ſpringt die Muſik in grellem Uebergange in das

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