Heft 
(1861) 1 01
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baares Geld wäre mir lieber.

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4 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

Ida, ſagte ſie,laß meine Koffer packen und beſtelle Poſtpferde.

Du reiſeſt nach Mainz? fragte Charlotte.

Ich will meinen Vater aufſuchen.

Glückliche Tochter, die ihren Vater in Mainz hat. Zärtliches Kind, das den Vater nicht lange entbehren kann!

11.

Zwei Tage ſpäter befand ſich Fräulein von Krans⸗ perg in Mainz. Ihr Vater, der die raſchen Entſchlüſſe ſeiner Tochter aus Gewohnheit kannte, war nicht allzu überraſcht, ſie wieder zu ſehen.

Eleazar, Baron von Kransperg war ein ſchöner Greis mit weißem Barte und ehrwürdigem

Aeußern, das an den Erzvater Abraham erinnerte. Das hinderte jedoch nicht, daß er ein vollendeter Schurke war. Er umarmte ſeine Tochter mit Würde und Zärtlich⸗ keit und fragte ſie:Was willſt Du, mein Kind?

Könnteſt Du mir nicht, lieber Vater, eine Geld⸗ anweiſung geben? Die Lebensmittel ſind jetzt in Koblenz ſo theuer und die Kleiderſtoffe haben einen ſolchen Preis, daß es kaum glaublich iſt.

Wo ſind denn die zweitauſend Gulden hinge⸗ kommen, die ich Dir vor zwei Monaten ſchickte?

Wo iſt der Schnee des vorigen Jahres? ſage ich mit dem Dichter.

Schon, liebe Sara? Ich will nicht zu Deinem Ruin durch Nachgiebigkeit mitwirken. Bleibe bei mir in Mainz und Du brauchſt dann für Dich kein Geld.

Das möchte ich wohl, lieber Vater; aber es handelt ſich hier um Schulden.

Schicke mir Deine Gläubiger. Ich werde die Rech⸗ nungen durchſehen. Sie haben Dich, armes Kind, ſicher übervortheilt.

Vater, ſagte Sara mit einſchmeichelndem Tone,

Der Baron zog die Stirne kraus und ſagte trocken: Meine Kaſſe iſt verſchloſſen.

Aber, ſagte Sara,wenn ich das Geld zu großen Intereſſen anlegte?

Du? rief Eleazar vor Freude. Du leiheſt

Geld aus? Komm und küſſe mich, daran erkenne ich mein Blut wieder. Aber nein, es iſt unmöglich, ſetzte er nach einer kurzen Reflexion hinzu.

Lieber Vater, drängte Sara,ich ſchwöre, daß ich keinen andern Plan habe, als das Geld zu leihen.

Auf Hhpothek?

Nein, auf Edelmannswort.*

Der Baron von Kransperg lachte verächtlich und wiederholte:Meine Kaſſe iſt verſchloſſen.

Wenn Du mir kein Geld geben willſt, Vater, ſo muß ich mir ſelber helfen. Seit ſechs Monaten bin ich großjährig. Ich kann von Dir das Erbtheil, welches ich von der Mutter habe, fordern.

Undankbares Kind! fuhr der Baron auf.Du willſt mich alſo ruiniren?

Nicht im Geringſten, Vater, aber ich brauche noth⸗ wendig hunderttauſend Gulden.

Gut, Du ſollſt ſie haben. Nun ſag' aber, welchem Edelmanne Du helfen willſt. Er ſcheint Dich ſehr zu intereſſiren.

Sara wurde roth bis unter die Haarwurzeln. Höre, lieber Vater, ſagte ſie nach einem kurzen Schweigen. Es iſt der Marquis von Dives, mein Verlobter.

Dein Verlobter? Was redeſt Du da. Die Ver⸗ lobung iſt ohne meine Einwilligung geſchehen, ſie iſt null und nichtig.

Ich kann nicht mehr zurück, ſagte Sara mit niedergeſchlagenen Augen aus denen die Thränen ſtürzten.

Eleazar begriff nun alles und gerieth in furcht⸗ baren Zorn. Er raufte ſich die Haare, ſchrie und ſchluchzte, ſtieß die Tochter von ſich und zog ſie bald wieder an's Herz, denn der tiefe Schmerz, der ſich auf ihrem Geſichte malte, ſtimmte ihn wieder milder.Entehrt! rief er. Du armes Opfer! Aber ich habe in meinen Händen die Rache.

O, mein Vater, tödte ihn nicht, ſchrie Sara auf die Kniee ſtürzend.

Ihn tödten? ſagte Eleazar.Ich will, daß er Dich heiratet. Nachher werden wir ſehen.

Mittlerweile ſaß Roland mit ſeinem Freunde He⸗ rigny ganz ruhig an einem Fenſter des Höôtels zu den fünf Kaiſern, und frühſtückte. Er war ein wenig blaß und das Gehen machte ihm noch Mühe, übrigens aber befand er ſich wohl und in fröhlicher Laune. Die Zahl und die Etiquetten der Flaſchen auf dem Liſche zeigten, daß die beiden Edelleute noch immer Kredit beim Wirthe hatten. Aber die ſchöne Zeit war bereits um, denn eben erſchien der Zahlkellner mit einer langen Rechnung in der Hand.

Meine Herren, ſagte er bedeutungsvoll, indem er mit tiefem Bückling die Karte überreichte.

Lieber Freund, ſagte Herigny,wir haben nichts beſtellt; wenn ich etwas brauche, werde ich ſchon läuten.

Der Kellner ließ ſich nicht irre machen. Ohne Zweifel

ſchien ihm bereits die Zahlungsfähigkeit der Beiden

fraglich und ſo wollte er ſich noch bei Zeiten in Gewiß⸗ heit ſetzen.

Meine Herren, ſagte er, indem er ſich nochmals tief verbeugte,ich bitte um Entſchuldigung, daß ich mir die Freiheit nehme...

Was wollen Sie? rief Roland ungeduldig.

Herr Marquis, ich habe die Ehre Ihnen die Rech⸗

nung zu überreichen und Sie um die Begleichung der⸗

ſelben zu erſuchen. Schön, ſagte Herigny ſtolz,legen Sie das Papier dort auf den Kamin, wir zahlen morgen. Aber Herr Marquis, mit Ihrer Erlaubniß...

Mein Lieber, ich erlaube nichts. Laſſen Sie uns

in Frieden und machen Sie die Thür zu, wenn Sie fortgehn. Aber...