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Hoffnungen, von der ich ſchon ein Jahr darauf als neugeworbener Poet ſang:
Wie fröhlich ſpielte Euer Schifflein Am traulich grünen Uferrand, Es hielt Euch dort am feſten Boden Ein ſicheres und ſüßes Band. Ihr habt den Anker losgeriſſen, Fort, in den wilden Ocean reibt Ihr, des Steuers nicht mehr mächtig.— Weh' Euch! zerſchellet Euer Kahn!—
Die Eiſenbahn trug mich nach Süden. Kein Abenteuer!— Ich rollte in einer alten Poſtkutſche bei Nacht über den Semmering. Kein Abenteuer!— Ich bewunderte Mürz⸗und Murthal. Kein Abenteuer!— Ja, wo blieben denn die Abenteuer?— Der Eilwagen beför⸗ derte einen neugebackenen Lieutenant von Lai⸗ bach nach Trieſt— und dennoch wollte ſich noch immer kein Abenteuer zeigen!— Trieſt iſt ſchön, aber ich hatte keine Zeit zum Anſe⸗ hen,— ich mußte nach Mailand! Lloyd fuhr mich nach Venedig,— aber auch das ging ganz ruhig und glimpflich, ohne Sturm, ohne Schiffbruch, ja faſt ohne das gefürchtete mal di mare ab. Ich kam auf den Gedanken, daß die Romane hyperboliſirten— nein, das doch nicht!— aber daß Meiſter Zufall wahrſchein⸗ lich wegen allzugroßer Nachfrage, ſeine ſchön⸗ ſten Stückchen auf irgend einen Hauptſchlag reſervirt haben müſſe.
Ich war geblendet,„mein Geiſt taumelte“, wenn man das ſagen dürfte, beim Anblick des feenhaften Dogenpalaſtes und der Piazzetta; eine Gondel brachte mich ſammt meiner Ba⸗ gage an's Land, wie ich hinein, wie herausge⸗ kommen, das mag mein Schickſals⸗Tagebuch⸗ führer wiſſen, ich weiß es nicht.— Jetzt end⸗
lich glaubte ich, jetzt beginnt das Abenteuer⸗
liche!— Alles rannte— alles ſchrie— ich dachte an ein ausgebrochenes Feuer, ich ſah mich ſchon als rettenden Engel mit gerettetem Enkel auf den Armen und dankenden Groß⸗ eltern, weinenden Eltern zu Füßen,— ich folgte dem Schwalle, der Markusplatz exiſtirte für mich nicht, endlich ſtand ich am Rialto.— Alles rannte und ſchrie wie früher, aber der Schwall drängte ſich ebenſo auf die entgegen⸗ geſetzte Seite,— ich folgte abermals, bis ich wieder am Markusplatze ſtand.
Ich ſah mich bitter getäuſcht um, denn ſo viel hatte ich mit meinem Bischen Italieniſch doch endlich wegbekommen, daß die Leute nicht fuoco, ſondern articiocchi— latte— burro— und ostriche ſchrien.— O bittere Jronie!— Poeſieloſes Zeitalter!
Der Leſer kann ſich verſichert halten, daß ich trotz meiner Wehmuth doch den Weg zu einer Oſteria fand, wo mir die neuentdeckten minestra, frittura und gran cevole, ſo wie der geſchnürmiederte arrosto di vitello recht gut behagten. Ja, ich verſäumte nicht einmal den Nachmittagstrain, und gelangte glücklich in den Beſitz einer Fahrkarte nach Verona. Auch meine Bagage wurde nach glücklich über⸗ ſtandenen Sticheleien der Douane würdig
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dürfen.
Es war zwiſchen ſechs und ſieben Abends, als mir der Kondukteur begreiflich machte, daß ich für mein Geld nun genug gefahren ſei; Verona war meine vorläufige Loſung, ich ſtieg alſo aus, und ſah mich alsbald von einer be⸗ trächtlichen Anzahl Lohndiener umringt, die Alle für ihre Gaſthäuſer warben, und von de⸗ nen die eine Hälfte mein rechtes, die andere mein linkes Ohr mit einem heilloſen Gewirre von„due dorri, Eperle, gran Parigi, aquila nera“ und andern einladenden Hôtel⸗ etiquetten taub ſchrien.
Man hatte mir zu Hauſe due dorri re⸗ kommandirt. Ich ließ mich alſo in den betref⸗ fenden Omnibus ſtopfen, denn ich mochte mich nach einem Fiaker umſehen, ſo viel ich wollte, der Lohndiener ließ mich nicht mehr fahren, außer in ſeinem Hausomnibus.
Von den Katzenköpfen des italieniſchen Pflaſters tüchtig durchgebeutelt, kam ich endlich im Gaſthofe an, und wurde in ein Zimmer ge⸗ führt, über deſſen Einrichtung ich noch in tiefe Betrachtungen verſunken war, als Kofferträger und Kellner, mich als antwortsunfähigen Idio⸗ ten ſtehen laſſend, längſt verſchwunden waren.
Das kleine Zimmer, das große Fenſter bis zur Erde, das breite Bett, der kalte Terraſſen⸗ boden, und das ſparſame Feuerlein im un⸗ heimlich gähnenden Kamine, ließen mich erſt ſpät zur Beſinnung kommen. Als endlich dieſes Manbver glücklich ausgeführt war, ſuchte ich mir einen Plan über die Vollführung meiner Aufgabe zu machen.
Mein Vater hatte mir ſtrenge aufgetra⸗ gen, es ja nicht zu verſäumen, mich meinem Inhaber dem Marſchall Radetzky vorzuſtellen. Die gute Mutter hatte es ſogar über das Herz gebracht, ihr Söhnlein zu dieſem Zwecke um zwei Tage früher von ſich zu laſſen. Außerdem hatte ich auch noch einen Empfehlungsbrief vom Feldmarſchall⸗Lieutenant L., einem alten Waffengefährten des Marſchalls aus früherer Zeit— abzugeben.
Für heute Abends war alſo nichts mehr zu thun, ich faßte daher den Entſchluß in’s Theater zu gehen. Eine italieniſche Oper! das war ſchon lange meine Sehnſucht.— Kühn wagte ich mich auf die Straße und ließ mir die erſte Direktion geben. Als ich nicht mehr weiter wußte, fragte ich den Nächſtbeſten „teatro?“ 4
„Sempre dritto signore!“ bekam ich ſehr höflich zur Antwort.
Sempre aha! das heißt„immer“— dritto?— da wollte meine Philologie ſchon ſcheitern.— Ah ja! dritto— dritta, das wird wohl eins ſein! ergo„immer rechts“— signor—„Herr!“
Gewiſſenhaft ſchlug ich die nächſte Straße rechts ein, dann wieder die nächſte rechts und ſo fort.
Als ich ſchon ziemlich lang gewandert war,
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und noch immer kein Theater fand, arretirte
befunden in meiner Suite verblere⸗ zu ſich wieder einen Menſchen und fragte wieder
in„teatro?“ Mann gab mir eine dreiviertel
Wendung um u.. 9; „ eigene Axe und ſagte abermals„adesso sev Jritto ke 4
Ich hielt mich ſo 3 rechts. Wieder eine Zeit klich wie früher gen, aber Theater zeigte ſicwar ich gegan⸗ fragte wieder, eine ganze Welles.— Ich und das ſtereotype„adesso sd erfolgte, signore!“ machte mich zum dritte!— ein ſtätiges Pferd, in jede rechtsfühlale wie einbrechen.— Ich mochte halb Verol Gaſſe laufen haben, da erſt kam mir die zurch⸗ Idee einen Gaſſenjungen gegen die prcliſche Belohnung von ein paar Centeſimi zu mele Führer zu erkieſen.
Mein Diktionnaire belehrte mich des an⸗ dern Morgens über meinen lächerlichen Irr⸗ thum. Ich verwünſchte den höflichen Italiener und lobte mir den Deutſchen, der michvielleicht ausgelacht, und mir ein grobes„nur der Na⸗ ſen nach!“ zugerufen haben würde,— aber hingetroffen hätte ich.
Ich ſah eine komiſche Oper, verſtand kein Wort, war aber entzückt,— enthuſiasmirte mich an einem herrlich ausgeſtatteten Ballete, und kehrte todtmüde von meiner Pilgerſchaft, ohne die zwei letzten Akte der Oper anzuhören, nach meinem Gaſthofe zurück, und ſchlief den Schlaf des Gerechten in meinem xſpännigen Bette.
Des andern Morgens war ich erſt ſpät erwacht, hatte aber noch immer drei Stunden Zeit, denn vor eilf Uhr konnte ich doch füglich meine Aufwartung nicht machen. Ich beſchloß daher recht praktiſch zu ſein, nicht im Hauſe, ſondern im Cafe zu frühſtücken, und mir dann die Stadt ein wenig bei Tag zu beſehen.
Ich fragte nicht lange erſt nach dem Offi⸗ zierskaffeehauſe, ſondern brach in das nächſte, gleich am Hötel gelegene ein. Wie war mir da aber Alles neu.— Zuerſt brachte mir der botega eine einzige Taſſe und ſtellte mir einen großen Korb Zucker dazu, dann ſah ich ihn in der nebengelegenen Küche in einem Windofen Feuer anblaſen, und bald darauf eeſce. er mit zwei rieſigen kupfernen Kannen, aus denen er mir einen herrlichen Kaffee und eine entſetz⸗ liche Sahne in mein Schälchen goß, welches Manbver er ſo oft wiederholte, als ich ausge⸗ trunken hatte. Dazu brachte er mir einen Korb der ſeltſamſten, mir gänzlich unbekannten, ſon⸗ derbar ausſehenden paste, die aber gar nicht ſchlecht ſchmeckten, im Gegentheil meinem ju⸗ gendlichen Leckermaul gar wohl behagten.
Dann wanderte ich vorſichtig durch die Stadt auf die piazza verde und den Braà, beſtaunte die alte Arena und kehrte, ohne mich verirrt zu haben, glücklich wieder heim.
Es war inzwiſchen Zeit geworden. Ich warf mich in pleine parade und fuhr nach der casa Emilie. Mir pochte gewaltig das Herz, als ich die breite ſteinerne Treppe hin⸗
aufſtieg. Vor meinem künſtigen Inhaber und
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