Daß Grill die verliebte
erhörte, denn er hatte mit ihr noch kein Wört⸗ erblicktez mit Victorini ganz allein
chen ſprechen können.
Den ganzen Sonntag über ſtudirte, e⸗
Maler, was er alles ſeinem Ligeet zu ſein, ſagen würde, und um aufkur zuſtoßen ſollte, wenn ihm vielleicht eineinen Stock aus, in lieh er ſich von Gneidiger Degen befand. welchem ſich ein er in die Stadt, gegen 8 Gegen 6 Uhr riff Stock und Mantel, und kam er zurüc, Hier wickelte er ſich in den eilte zur Ka ſich an die Mauer und wartete Mantel, lehlag der neunten Stunde. ſo auf den eine traurige Winternacht. Am Es gen dunkle Wolken, aus welchen der Himmzie aus den Wellen eines ſtürmiſchen „Moy von Zeit zu Zeit hervorbrach; ein M Wind pfiff zwiſchen den Gartenmauern hraſſelte in den gefrornen Aeſten.
Neun Uhr ſchlugs; Victorini ſtrengt ſein Geſicht an; da nähert ſich Jemand mit ſchnellen Schritten der Kapelle; es iſt eine Da⸗ me in einen Mantel gehüllt, den Kopf verbirgt ein Hut und der Wind ſpielt mit dem Schleier. Victorini fliegt ihr entgegen, und das Lieb⸗ chen fällt in ſeine Arme;— doch in demſelben Augenblicke donnert in der Nähe eine fürchter⸗ liche Stimme:„Ha! Teufel!“ und wie der Blitz überſetzt ein baumlanger Kerl die Garten⸗ mauer, mit der Rechten reißt er die Dame aus den Armen des Malers und mit der Linken ihr den Hut und Schleier vom Kopfe; die Dame ſinkt; der Maler fängt ſie mit der Lin⸗ ken, reißt mit der Rechten aus dem Stock die geheime Waffe, und erſtarrt vor Schrecken, als er ſtatt des tödtlichen Stahls am Griffe flam⸗ men ſieht— einen Eichhornſchweif.
Die Dame fiel zur Erde, der Wind nahm Hut und Schleier, der Mond brach hervor und beleuchtete die tragiſche Scene.
Auf der Erde liegt— Kürbis in Damen⸗ kleidern. Bei ihm kniet— der baumlange Storch; er fieht Kür bis in's Geſicht, und ſtottert verblüfft:„Das iſt Helenchen nicht, das iſt Kürbis!“ Neben den Beiden ſteht, als wie ein Rächer mit dem feurigen Schwerte Her Nictorini und ruft verzweiflungsvoll: „Verrath!“ Hinter den Mauern aber ſieht das rothe lachende Köpfchen des Herrn Grill her⸗ vor, als wollte es ſagen:„Wer zuletzt lacht, lacht am beſten!“
Jetzt noch ein Paar Worte zur Erklärung. Grill hatte in ſeinem Racheplane auf alle Arten geſorgt, daß die Ruthe für Victorini recht hoch wachſe. Um Fräulein Wilhelmine auf denſelben aufmerkſam zu machen, erzählte er ihr, als ſie einmal über ihren unglücklichen mondſüchtigen Bruder weinte, er wohne mit einem Maler, der auch mondſüchtig ſei, und dabei zeigte er ihr den vorübergehenden Vic⸗ torini. Was Wunder, daß das zartfühlende
[Kowund das Rendezvous bei der Kapelle arrangirte, iſt ſelbſtverſtändlich.
Storch kam in die Komödie auf folgende Art. Er liebte wie bekannt Helenchen, und ärgerte ſich gewaltig, daß er ſie Sonntags Abends nicht zu Hauſe traf. Grill benützte die Gelegenheit und ſchwatzte ihm auf, daß ſein Helenchen mit einem Tiſchler vom Wysehrad zum Tanz gehen und bei jener Ka⸗ pelle zuſammenkommen werde, worauf Herr Storch mit Grillſpioniren ging, und ſich hinter jener Mauer bei der Kapelle verborgen hielt, von wo er dann, wie wir ſahen, wie ein brüllender Löwe auf den armen Kürbis, der nur auf dringende Bitten Grills Helen⸗ chens Rolle ſpielte, hervorſprang.
Daß der feurige Victorini ſtatt des dreieckigen Degens den Eichhornſchweif aus dem Stocke herausriß, war auch nur der Vor⸗ ſicht Grills zu verdanken, welcher insgeheim den Degen vom Griff abgebrochen und oben⸗ benanntes Surrogat daran befeſtigt hatte.
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Tſchaul!
SEine Erinnerung.
Von Robert Byr.
Das Wort, das ich hier zum Titel gewählt habe, wird vielleicht nicht jedem Leſer bekannt ſein, ich beeile mich daher es etymologiſch ein⸗ zuführen, ſo gut ich's ſelbſt verſtehe.
Ich ließ mir erzählen, daß es aus dem Italieniſchen von schiavo— durch Sprach⸗ faulheit verdorben in ein mailändiſches ciao überging. Es mag vielleicht Mancher eine an⸗ dere Herleitung kennen, ich aber weiß keine an⸗ dere, und ſie ſcheint mir auch richtig zu ſein. Daß ich das Wort deutſch„Tſchau“ ſchreibe, geſchieht nur aus Höflichkeit gegen alle anders denkenden Etymologiſten und nicht italieniſch ſprechenden Leſer.— Aber ſo oder ſo geſchrieben — gewiß iſt, daß das Wort exiſtirt. Es iſt ein freundlicher, intimer Gruß zwiſchen guten Be⸗ kannten, der in Italien, vorzüglich aber im Minigin— dem Patois der Mailänder— ſo gang und gäbe iſt, wie etwa in Wien das alte gute„servus“,— und von den Wälſchen hat es, wie vieles andere, die öſterreichiſche Armee gelernt. Tſchaul iſt ſo gut wie eingebürgert.
Lieber Leſer! glaubſt Du an Vorahnun⸗ gen? oder an die Antipathie gleicher magne⸗ tiſcher Pole?— Nun, ſolche Pole mußten in mir und dem Worte Tſchaul verſteckt liegen, — ſolche Vorahnungen meinen Geiſt käuzchen⸗ artig umſchwirren, wenn ich das Wort Tſchau!
Mädchen den vor ihren Fenſtern irrenden Maler hörte— und ich hatte oft genug Gelegenheit,
mitleidsvoll anſah, und oft, wenn ſie ihn von dem mir ſo widerwärtigen Klang des an
ſich ſo unſchuldigen, ſpartaniſch kurzen Grußes — der mir ſpäter ſo verhängnißvoll werden ſollte, wie der werthe Leſer im Laufe der Be⸗ gebenheiten noch erfahren wird— meine Ner⸗ ven unbarmherzig zerſchnitten zu fühlen.
Schon als Zögling der N.er Akade⸗ mie ergriff mich immer ein gänzlich unmotivir⸗ ter Jähzorn, ſo oft einer meiner Herren Vor⸗ geſetzten— von denen Mancher in Italien gedient, in Italien mitgefochten hatte— den andern mit einem herzlichen Tſchaul grüßte und ich äffte dann mit recht bübiſcher Fratze und miauendem Tone— obwohl Nachäffen ſonſt nicht zu meinen böſen Gewohnheiten ge⸗ hörte, den Offizier nach, der meine Bosheit mit dieſem Worte gereizt hatte.
Es war nicht lange nach der Beendigung der letzten Kriege in Italien, als meine Klaſſe aus der Akademie ausgemuſtert und als Of⸗ fiziere in die Armee eingetheilt wurde.— Mich traf das Loos zu Graf Radetzky Huſaren.
Ich war jung, geſund, hatte etwas weni⸗ ges gelernt, und beſaß einen tüchtigen Grad von Eitelkeit auf mich, mein Wiſſen— und meine Phantaſie ſtappelte einen reichhaltigen Vorrath von höchſt möglichen aber ebenſo unwahrſcheinlichen Erlebniſſen und Zukunfts⸗ plänen auf,— zu alledem war ich Huſar! — Hal die ganze Welt gehörte mir!
Bei dem allen aber fehlte mir doch die Kaltblütigkeit, die ſcheinbare Gleichgiltigkeit bei unerwarteten Ereigniſſen, die man ſich erſt durch manche harte Kopfnuß erwirkt;— ich konnte daher einem überraſchenden, mir unbe⸗ kannten, oder noch nicht dageweſenen Vorkomm⸗ niſſe gegenüber ſo verlegen und verblüfft wer⸗ den, daß ich durchaus nicht wie ein Huſaren⸗ offizier ausſah, ſondern weit eher wie ein den Eltern zu Liebe über ſein geſundes Ausſehen, ſeine Schönheit, ſein ſchnelles Wachsthum be⸗ lobtes und bewundertes Carlchen oder Malchen.
Mein Regiment lag in Mailand. So ſchnell auch mein zweimonatlicher Austritts⸗ urlaub bei den mütterlichen Fleiſchtöpfen und mit Zeigen meiner Uniform, in die ich bis über die Ohren verliebt war, verflog,— ſo ſchlich mir die Zeit doch viel zu langſam, und wäre ich nicht meinen guten Eltern zu lieb geblieben, ich hätte wahrhaftig die Zeit meiner Freiheit abgekürzt— was ſonſt in der Regel gerade nicht der Fall ſein ſoll— und hätte mich be⸗ eilt, den ſorgloſeſten, glücklichſten Abſchnitt mei⸗ nes Lebens, mit den neuen Pflichten, die mir meine Phantaſie ſo leicht und verführeriſch vor⸗ malte, zu vertauſchen, Zu Hauſe war ich doch immer unter Aufſicht— ich wollte nicht mehr wie ein Kind behandelt werden— und beim Regimente erwarteten mich ja Freiheit und Lebensgenuß,— ſo bildete ich mir damals ein.
Endlich war der große Moment gekommen, wo ich hinaus durfte in die Welt— hinaus in das bewegte Treiben der Menſchen,— aber
auch hinaus in das Treiben der Leidenſchoss
hinaus in die Welt der Zufälle, der ei
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