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len nördlich von Friedrichsburg in Texas ein ſehr überraſchendes Zuſammentreffen.
Ich war von Friedrichsburg aus nördlich über den Life⸗oar gegangen und nach fünf Stunden bei einem Hügel angekommen, der mir zur Orientirung diente. Ich langte nach meinem Kompaß in die Taſche, um mir ein ferneres Signal zu ſuchen, bemerkte aber leider, daß dieſer mein treuer Wegweiſer zu Hauſe auf dem Tiſche zurückgeblieben war. Die Ge⸗ gend iſt ein wahres Labyrinth von Bergen, faſt alle von gleicher Höhe, lang gezogen, oft ſehr durcheinander geſchlängelt, oben auf mit Ge⸗ büſch dicht verwachſen, die Thäler voll von hohem Graſe, wo der alljährliche Prairiebrand kein Buſchwerk auffkommen läßt. An eine Spur von Fahrweg oder Fußpfad iſt in einer Ge⸗ gend, wo Niemand wohnt, noch irgend etwas zu verrichten hat, begreiflicher Weiſe nicht zu denken. Ich würde den Rückweg nach Fried⸗ richsburg getroffen und noch vor Abend zurück⸗ gelegt haben; doch das wollte ich eben nicht, und ging, nachdem ich mich durch einen Biſſen Brot und einen Schluck aus einer der Waſſer⸗ flaſchen gelabt hatte, vorwärts, von den oft undurchdringlichen Hügeldickichten zu ſehr lang⸗ weiligen Umwegen genöthigt.
Der Himmel war in der zweiten Hälfte dieſes Nachmittags bedeckt und ich konnte mich nur ſehr nothdürftig nach der gegen die Süd⸗ ſeite riſſigeren Rinde der verkrüppelten Bäume orientiren. Als ich einen höheren Berg in Sicht bekam, der einen weiten Umkreis zu beherrſchen ſchien, ſteuerte ich auf denſelben zu, aber das Beſteigen war ein ſaures Stück Arbeit. Seine Abhänge waren mit fingerdicken jungen Eichen ſo dicht bewachſen, daß ich mehr darüber hin⸗ als durchkriechen konnte. Zum Glücke durfte ich auf eine angenehme Nacht rechnen, denn der Himmel, obgleich trübe, zeigte doch keine Aus⸗ ſicht auf Regen. Nach anderthalbſtündiger Mühe hatte ich faſt den Gipfel erreicht, da ver⸗ nahm ich von der rechten Seite aus einer ge⸗ ringen Entfernung herüber quitſchende Töne, wie von einem jungen Hunde. Ich wandte mich darauf zu, und ſah unter einem überhängenden niedrigen Kalkſteinfelſen ein ſchön blaues, blin⸗ des, dickköpfiges, katzenartiges Thier, von der Größe eines Kaninchens liegen, das erſt dieſen Tag zur Welt gekommen ſein mochte.
Ich vermuthete, wie ich bald erfahren ſollte, mit gntem Grunde, daß es nicht rathſam ſei, an dem neugebornen Objekte genauere Unter⸗ ſuchungen vorzunehmen, und wandte mich, ohne auch nur die Beſtie mit einem Finger be⸗ rührt zu haben, hinweg.
Kaum hatte ich 50 Schritte davon auf dem ſchmalen Rücken des Berges einen etwas freien Platz erreicht, als tief unten am Berge ein Rauſchen und Praſſeln in dem Geſtrüppe entſtand, als ob ein großes Felsſtück mit Schnelligkeit durch dasſelbe nach oben ſich wälze; bald konnte ich an den auseinander ſchlagenden Spitzen des Eichengebüſches den Punkt erken⸗ nen, woher das Gebrauſe kam. Es rückte mir
ſchnell näher, und aus dem Dickicht ſprang ein Katzenungethüm, das fünf Fuß entfernt vor mir keuchend ſtehen blieb, mit dem kurzhaari⸗ gen Schwanze peitſchte, mich ſcharf in's Auge faßte und die Borſten des langen weißen Bar⸗ tes bald vor⸗, bald rückwärts bewegte.
Ich kann nicht beſtimmt angeben, wie lange mich das Thier ſo fixirte, nur ſo viel erinnere ich mich, daß ich während dem meine volumi⸗ nöſe Pflanzenmappe mit der Linken von der Seite vor die Bruſt ſchob, und mit der Rechten nach der langröhrigen Kugelpiſtole griff, ohne jedoch im geringſten gewillt zu ſein, die Offen⸗ ſive zu ergreifen, die einen erträglichen Aus⸗ gang ſehr problematiſch erſcheinen ließ. Hierauf richtete die große Katzenmutter ihre Augen einen Augenblick nach dem Orte hin, wo ihr kleiner Dickkopf lag, deſſen Stimme ihr feines Gehör mochte aufgefangen haben, ſtreckte den Hals etwas aus und hob die Naſe gegen mich, als wenn ſie aus mir herauswittern wollte, ob ich mit ihrem theuren Sprößlinge mir irgend etwas habe zu ſchaffen gemacht. So wandte ſie ihr Antlitz noch mehrmals bald dorthin, bald nach mir, bis ſie endlich langſam, aber immer nach mir umſehend, zu ihrem Säugling ſchlich, offenbar nicht wünſchend, daß ich mich ihrem Wochenbette nähere, was auch nicht im minde⸗ ſten meine Abſicht war; ſondern ich ging, mit dem Ausgange des Vorfalles äußerſt zufrieden, ſtill meinen Weg auf dem minder bewachſenen Bergkamme hin, um mich ſchnell und unver⸗ dächtig zu entfernen.
Eine Stunde weit von dem Orte dieſes Begegniſſes ſchlug ich mein Lager auf, und ſah am Morgen vor Sonnenaufgang, am Saume eines ziemlich entfernten Berggebüſches, ein ähnliches Thier, vielleicht dasſelbe, das ich den Abend zuvor von Angeſicht zu Angeſicht zu ſehen die Ehre gehabt, ſo recht nach Katzenart dahin ſchleichen.
V. Eine Reiſe im Poſtwagen.
Ich hatte Pittsburg, die Stadt der Eiſen fabriken am Ohio zum Ueberdruße geſehen, und verließ das kohlendampfreiche Thal am 24. April, obgleich Jenny Lind Tags darauf ankommen ſollte und Alles auf den würdigen Empfang der ſchwediſchen Nachtigall vorbereitet war. Da ich den aufblühenden weſtlichen Theil Penſylvaniens durchreiſen wollte, ſo mußte ich ſtreckenweiſe zum Poſtwagen meine Zuflucht nehmen, deſſen Beſchaffenheit in dieſem Welt⸗ theile mir keineswegs mehr unbekannt war.
Auf einem ſtarken dauerhaften Wagen ſchwebt auf unverwüſtlichen Stahlfedern ein ungeheurer Kaſten, in welchem zwölf Perſonen. Raum haben. Für das Gepäck der Paſſagiere iſt hinter und auf dem Kaſten, wo auch Neger und Mulatten, denen innerhalb der Aufenthalt nicht verſtattet iſt, ihre erhabenen Sitze haben,
ein Behältniß angebracht. Der Koloß wird von
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vier oder ſechs Pferden ſchnell, und man muß geſtehen, mit nur möglicher Sicherheit fortbe⸗ wegt. Das Ganze iſt einem Poſtillon anver⸗ traut, dem die Axt unentbehrlicher als die Peit⸗ ſche iſt; wenn nämlich ein über die ſogenannte Poſtſtraße gefallener Baum zu beſeitigen iſt, ſo wird dieſe Verrichtung mit bewuñderungswür⸗ diger Schnelligkeit vollzogen, die auf ein öfteres Vorkommen ſolcher Vorfälle ſchließen läßt.
Die erſte unangenehme Erſcheinung war ein total betrunkener amerikaniſcher Maurer⸗ meiſter, der, ſo lange er unbewußt unter dem Sitze ſeinen Platz nahm, noch erträglich war, aber um ſo unausſtehlicher wurde, als ſeine Natur des Allzuvielen ſich entlediget hatte und ſeine Beſinnung zurückgekehrt war. Wie freute ich mich, als er nach der zweiten zurückgelegten Station mit der übrigen Geſellſchaft den Wa⸗ gen verließ. Wer hätte vermuthen ſollen, daß weit ſchlimmeres in dieſem Raume meiner warte.
Bekanntlich ſtehen die Damen in den Ver⸗ einigten Staaten in ſehr großer Achtung, und ſie genießen da Vorrechte, wie nirgend anders⸗ wo. Die Frau iſt Herrin des Hauſes, der Mann hat nur das Nothwendige herbeizuſchaffen. Nie werden einer Frau anſtrengende körperliche Ar⸗ beiten zugemuthet; ſobald es nur die Vermö⸗ gensumſtände geſtatten, macht ſie auf Bedie⸗ nung Anſprüche, die oft bis in's Lächerliche gehen.
Auch die Staatsgeſetze begünſtigen auffal⸗ lend die Frauen. Durch die Verehelichung er⸗ langen dieſelben gleiche Rechte auf den Beſitz⸗ ſtand ihres Mannes; die Hälfte davon iſt ihr Eigenthum, auch wenn ſie keinen Pfennig in’s Haus gebracht haben. Die einfache Ausſage eines Weibes vor Gericht hat mehr Glauben als der Schwur eines Mannes, und der Schwur eines Weibes gilt zwei Schwüren von Männern gleich! Eine Frau kann allein große Reiſen unternehmen, und ſie kann verſichert ſein, daß ſie allenthalben auf das ehrenvollſte und zuvor⸗ kommendſte wird behandelt werden, kein zwei⸗ deutiges Wort ihr Ohr verletzen wird. Jeder⸗ mann iſt bereit, ihr Rath, Schutz und Hilfe zu gewähren. KeinHerr ſetzt ſich an die Tafel, be⸗ vor nicht alle Damen ihre Sitze eingenom⸗ men haben. In Städten darf man keine Dame auf der Gaſſe anreden, ſich um etwas zu erkun⸗ digen, das gälte als ein grober Verſtoß, und ſie würde entweder ſchweigend ausweichen, oder eine Antwort geben, die dem Fragenden nicht gefällt.
Kein Wunder alſo, daß die Damen auch ihre Anſprüche mehr und mehr ſteigern, in ihrer Kleidung einem Luxus fröhnen, der gar oft der Ruin der Familie wird. Kein Wunder, wenn die Frauen in jeder Beziehung den Männern gleichgeſtellt, emancipirt ſein wollen. Zu dieſem Behufe haben ſie großartige Verſammlungen gehalten, um es dahin zu bringen, daß ſie mit im Kongreſſe tagen, als Beamte, Profeſſoren, Aerzte, Prediger und Offiziere fungiren kön⸗ nen; daher fingen ſie bereits an, die langen
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