Heft 
(1858) 12 12
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Das Steigen des Waſſers in den Flüſſen erfolgt bei ſtarken Regengüſſen mit großer Schnelligkeit zu einer ſo beträchtlichen Höhe, daß das Buſchwerk des kleinen Bottoms unter Waſſer ſteht, und nur die höheren Bäume über dasſelbe empor ragen.

So war der Pedernalis angeſchwollen, als ich und Freund R. aus der Gegend des Randy⸗ creecks kommend, ihn eine Meile oberhalb ſeiner Einmündung in den Kolorado zu paſſiren ge⸗ dachten. Wir hatten vom Mittag an nach Weſten hin, wo das Quellengebiet dieſes Fluſſes liegt, dunkle Gewitterwolken lagern ſehen, während uns nur einige leichte, vorübergehende Regenſchauer trafen; aber eine außerordentliche Erhebung des Flußes, welche uns das Durchreiten bedenk⸗ lich machen ſollte, hätten wir nicht im entferu⸗ teſten geahnet.

Wie groß war alſo unſer Staunen, als wir eine Strecke im dießſeitigen Bottom fortgeritten waren, und ſtatt einer Breite von 60, und einer Tiefe des Waſſers von 2 Fuß, einen See vor uns hatten, auf welchem langſam wirbelnd, grünes, dürres und faules Gehölz abwärts trieb, und deſſen Waſſergrenze ſich jenſeits wohl 700 Schritte von uns im Bottomwalde verlor.

Der Tag war bis auf einen Reſt von zwei Stunden abgelaufen; die Gegend auf Tag⸗ reiſen weit umher unbewohnt; nur einige nicht gar zahlreiche Indianertrupps hatten ſich uns Vormittags gezeigt. Daher war meinem Beglei⸗ ter vor Allem daran gelegen, vor Abend noch aus dieſer Gegend zu kommen, da er ſich ſchon bei Tage in der Nähe dieſer Rothhäute etwas unbehaglich fühlte und um keinen Preis die Nacht in ihrer Nachbarſchaft zuzubringen gedachte.

Alle meine Beruhigungsgründe vermochten wenig, obgleich ich ihm ins Gedächtniß rief, wie ich vor zwei Monaten jenſeits des Llano mit verſchiedenen Stämmen dieſer wilden Jäger in

Berührung gekommen war, ohne daß ſie mir

irgend ein Leid zugefügt hätten.

Wir hatten uns auf einem Indianertrail (emn ſchmaler Pfad, auf welchem die Indianer einer hinter dem andern zu reiten pflegen) dem Fluße genähert, und ich bemerkte, daß mein Maulthier, das ich ritt, ſich anſchicken wollte einen Sprung ins Waſſer zu thun, ich hielt es jedoch davon ab und ritt ein wenig zurück.

Mein Gefährte R. war mir im Reiten und Schwimmen bedeutend überlegen, aber ſein ver⸗ legenes Geſicht konnte mich wenig ermuthigen. Es befremdete ihn höchlich, als ich ihn an⸗ redete:Nun wollen wir nicht durchreiten d46

Wo denken Sie hin? das wäre tollkühn! Durch dieſes Baumlabyrinth kann bei dieſem hohen Waſſerſtande kaum eine Ente ſchwimmen.

Gut ſo lagern wir da bis morgen Mit⸗ tags, dann iſt bei dieſem Wetter das Waſſer gewiß hinlänglich gefallen.

Das dürfen wir nicht ich traue den In⸗ dianern nicht.

Und welche Wahl

bleibt uns noch übrig?

Reiten wir am Fluße hinauſ, vielleicht finden wir eine günſtigere Stelle.

Mein Manlthier iſt nicht einverſtanden, das will hier durch, und ich bin der Meinung, unſere Thiere ſind hier viel geſcheidter als wir. Alle Maulthiere des weſtlichen Texas ſind von Indianern gekauft, auch unſere zwei; dieſe haben höchſt wahrſcheinlich vordem ſchon ſehr oft dieſen Weg bei jedem Waſſerſtande gemacht. Eine Mule iſt ja ein ſo bedächtiges, ſicher gehendes Thier, daß ich wetten möchte, auf einem unbekannten Orte würde keine ſich zum Sprunge in einen hoch angeſchwollenen Fluß anſchicken, wie meine es vorhin that. Vertrauen wir uns nur kühn ihnen an! Sie ſollten, da Sie beſſer reiten und ſchwimmen als ich, auch weit entſchloſſener ſein als ich; meine Reitkunſt beſchränkt ſich nur

etwa aufs Feſtſitzen. Zudem ſollten Sie auch als ehemaliger Matroſe gar nicht waſſerſcheu ſein.

Freund R. ſchwieg. Ich ritt etwa 50 Schritte zurück, was mein Maulthier kopfſchüttelnd miß⸗ billigte, dann wandte ich um, legte dem Thiere den Zügel auf den Nacken, und überließ mich nun ganz ſeinem Gutdünken. Kaum war die kleine Strecke bis zu der gegen das Waſſer ſteil abfallenden Felsplatte zurückgelegt, ſo trat es mit den hintern Füſſen breit, ſenkte den Hinter⸗ theil, erhob ſich vorwärts, und wir flogen in einem weiten Bogen in die Tiefe des Waſſers. Bald waren unſere Köpfe wieder über demſelben, das Thier ſchnaufte heftig das Waſſer aus der Naſe, ſchaute bald links bald rechts, nahm um die Baumkronen bald dieſe bald jene Richtung, ohne von mir im geringſten beirrt zu werden; ich hatte ohne dieß mit dem Feſtſitzen vollauf⸗ zuthun. Dem Thiere ging das Waſſer bis an die Kinnbacken, mir bis unter die Arme, mit welchen ich rudernd mich im Gleichgewichte zu erhalten ſuchte. Ein heftigerPlump! hinter mir deutete an, daß Freund R. auch bereits auf dem Wege ſei, obgleich ich ihn nicht ſehen konnte, da eine ziemliche Strecke Waldes zwiſchen uns war, und ich mich auch nicht getraute nach ihm umzuſehen. Auf der Mitte des Flußes trieb uns die Strömmung weit abwärts; das arme Thier ſchien ermattet im Rudern nachzu⸗ laſſen und ſeufzte tief, als gäbe es ſich und mich verloren. Ich zog meine Füße aus den Bügeln, und ſah mich um, welche Richtung ich etwa allein ſchwimmend nehmen ſollte, um einige Ausſicht auf Rettung zu haben.

Doch ſobald wir nur auf der andern Seite in dem Bereiche der Bäume waren, ging es wieder beſſer vorwärts, obgleich das Um⸗ ſchwimmen einzelner Bäume und ganzer Grup⸗ pen manchen Umweg verurſachte. Endlich hatte das Thier mit den hinteren Füßen Grund, das Ufer war erreicht; kaum hatte es nach mei⸗ nem Abſteigen ſich das Waſſer abgeſchüttelt, ſo wieherte es gegen den Fluß gewendet fort⸗ während dem andern zu, das ſeine Aufgabe noch nicht gelöſt hatte, ohne daß dieſes ſeine Zuſprache erwiedert hätte; als es aber auch ans Land geſtiegen war, wieherten beide einander

lange an, als wollten ſie einander die Details des überſtandenen Wagniſſes erzählen. R. brachte ein ſehr vergnügtes Geſicht mit an's Land, und ſagte mit Selbſtgefallen:Das ſoll uns Jemand nachmachen! Ich antwortete:Das Lob ge⸗ bührt unſern braven Thieren und den India⸗ nern, welche ſie für die Weißen ſo gut abgerichtet haben.

Nachdem wir unſere Kleider ein wenig ausgewunden hatten, ritten wir noch einige Meilen in der Abendkühle, und lagerten auf einem kleinen Hügel in der Prärie, wo es für die Maulthiere köſtliche Weide gab; wir ſelbſt mußten uns indeß mit etwas geräuchertem Speck und breiartig zerweichtem Maisbrote begnügen.

IV.

Eine unverhoffte Begegnung.

Amerikaniſche Reiſebeſchreibungen enthal⸗ ten viel Schreckliches von reißenden Thieren, die in bewohnten und unbewohnten Gegenden von Nordamerika die Menſchen bedrohen ſol⸗ len. Aber ſo arg iſt es damit nicht. Der Alli⸗ gator, das amerikaniſche Krokodil(Alligator lucius, Cuv.) iſt in den ſüdlichen Staaten, wo es in Sümpfen und Flüſſen häufig vor⸗ kommt und nicht ſelten eine Länge von 30 Fuß erreicht, dem Menſchen allerdings gefährlich, und hat am Miſſiſippi und andern Gewäſſern ſchon manchen harmloſen Angler vom Ufer weggeſchnappt. In mehr bewohnten Gegenden ſtellen ſie Kälbern und Hunden vornehmlich nach. Bei Seguin wurde vor einigen Jahren ein Kind von dieſem Reptil verſchlungen, das die Mutter ſorglos am Ufer des Baches nie⸗ dergeſettt hatte. Der graue Bär(Ursus ame- ricanus, Pall.), der nicht ſelten ein Gewicht von mehreren Zentnern erreicht, und wegen ſeines köſtlichen Fleiſches und Fettes ein Haupt⸗ gegenſtand der Jagd iſt, fügt unangetaſtet Nie⸗ mand ein Leid zu; aber verwundet und ver⸗ folgt iſt er fürchterlich, und hat ſchon manchem Jäger und manchem Hunde den Garaus ge⸗ macht. Läßt man ihn aber in Ruhe, ſo kann man ihm ohne Gefahr zuſehen, wie er hoch auf Bäumen ſitzend, gemächlich ſeine Eicheln und Nüſſe verzehrt, oder wie er an ſonnigen Berg⸗ abhängen koloſſale Felsſtücke fortwälzet, um die darunter wohnenden Eidechſen und Käfer fangen und ſchmauſen zu können.

Der merxikaniſche Tiger, Jaguar(Felis Onca, L.) und der amerikaniſche Panther (Felis concolor, L.), greifen den Menſchen ebenfalls nur vertheidigungsweiſe an, wenn ſie auf irgend eine Art verletzt oder beleidigt wer⸗ den. Daß in einzelnen ſeltenen Fällen, wo der Hunger ſie dazu verleitet; ſie einen Angriff auf Menſchen wagen können, will ich jedoch nicht ganz in Abrede ſtellen.

Mit einem ausgezeichneten Exemplare des amerikaniſchen Panthers hatte ich einige Mei⸗

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