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(1858) 12 12
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als ſchon alle Feuer erloſchen waren, brachten mich um Schlaf und Ruhe. Ich geſtehe auf⸗ richtig, meine Angſt war ſo groß, daß ich in eine Art Fieber verfiel.

Einige Tage ſpäter berichtet ſie:Auf einer kleinen Erhöhung am Ufer ſtanden die Wilden, gewiß hundert an der Zahl. Bei unſerm An⸗ blick ſtieg ihr Geſchrei auf's höchſte und ihre Geberden wurden fürchterlich. Das Herz er⸗ bebte mir im Leibe; doch zur Rückkehr war es zu ſpät. Entſchloſſenheit allein konnte uns ret⸗ ten. Dem Hügel gegenüber, mitten im Fluſſe lag eine Sandbank. Auf dieſe ſprang mein wackerer Koch und begann eine Unterhandlung mit dem Rajah, von welcher ich leider kein Wort verſtand, da ſie in dayakiſcher Sprache vor ſich ging. Um ſo größer war meine Beſtür⸗ zung, als plötzlich die Wilden die kleine Anhöhe herabſprangen, ſich theils in Canots, theils in's Waſſer ſtürzten, rudernd und ſchwimmend auf mein Boot zukamen, und es von allen Seiten umringten und erſtiegen. Nun dachte ich, der letzte Augenblick meines Lebens ſei gekommen. Doch bald vernahm ich die Stimme des Kochs, der mir zuſchrie, daß man uns willkommen heiße. Wer je dem Tode wirklich nahe war, der allein kann ſich eine Vorſtellung machen von der Angſt, die ich ausgeſtanden, ſo wie von der Freude, die mich nun erfüllte, als ich mich gerettet ſah! Rajah Brooke's Fahne war der Talisman, der uns ſchützte.

Die große Inſel Borneo bot ihr neben den gefahrvollſten auch die intereſſanteſten Erleb⸗ niſſe. Sie hatte Ausflüge nach Pontianak, nach den Diamantminen, Landek und nach dem hol⸗ ländiſchen Fort Sambas gemacht, mehrere Fürſten und Häuptlinge, und auch höhere hol⸗ ländiſche Beamte kennen gelernt; beſonders intereſſirte ſie der Präſident Willer, der ein großes Werk über die Battaker auf Sumatra und die Alforen auf Ceram geſchrieben hat. Von dort ging Frau Pfeiffer nach Batavia, wo ihr alle Merkwürdigkeiten der Stadt und der Umgebung durch einflußreiche Familien offen ſtanden. Sie beſuchte die Cochenillenpflanzun⸗ gen auf Ponde Gedé und mehre andere Se⸗ henswürdigkeiten, wohin ſie der Generalgou⸗ verneur einlud. Sie ſah auch die Theepflanzun⸗ gen zu Bandong und die große Kaffeemühle zu Lembang, welche 30,000 Zentner von Kaffee jährlich liefert.

Der zweite Theil ihrer Reiſebeſchreibung beginnt mit ihrem Beſuche der Inſel Sumatra. Sie ging von der holländiſchen Hauptſtadt Penang aus, wo ſie von dem Gouverneur gaſtfrei aufgenommen wurde; aber auch er widerrieth ihr, wie ſie es ſich vorgenommen, durch Benjob, Ankalla und Groß⸗Toba zu den wilden Battaken und Kannibalen zu gehen, welche 1835 die beiden amerikaniſchen Miſſio⸗ näre Layman und Manſor getödtet und gefreſſen hatten. Die Gefahren jener Gegenden ſteigerten noch ihren Reiz für die Reiſende und ſie bleibt feſt dabei, durch das große Thal Lilendon bis an den Landſee Eino⸗Tau, d. h.

Erinnerungen. 1858.

großes Waſſer, vorzudringen, das noch kein

Europäer geſehen hat, und von deſſen Vor⸗ handenſein man blos durch die Erzählungen der Eingebornen unterrichtet iſt. Herr Ham⸗ merx, Controleur des Grenzforts, gibt ihr Empfehlungen an einige Rajahs im Innern, die mit den Holländern in Verbindung ſtehen, und wieder nur mit einem Führer verſehen, reiſt Frau Pfeiffer ab, indem ſie auf Alles gefaßt, ihre Papiere für den Fall ihres To⸗ des für ihre Familie zurückläßt.

Sie tritt ihre Fußwanderung an, aber an der Grenze des freien Battakerlandes begleitet ſie ein Rajah mit fünf ſeiner Männer auf jenes Gebiet, weil ſie ſonſt nicht hineingelaſſen wer⸗ den würde. Nachdem ſie durch undurchdring⸗ liche Wälder zwei Tage gegangen und bei hef⸗ tigem Regen ihr Nachtquartier im Freien ge⸗ nommen hatte, kam ſie in's Freie und in die Heimat der wilden Kannibalen. Die Land⸗ ſchaft hatte nicht den Charakter ihrer Bewoh⸗ ner, Alles war hier in bewunderungswürdiger Schönheit, das Thal groß und wellenförmig, und manche Stellen ſorgfältig mit Reis be⸗ baut, aber in den Niederungen und Flüſſen hauſten Rieſenſchlangen und Krokodile, und wenn man Nachts in den auf Pfählen gebau⸗ ten Battakenhäuſern ruhte, hörte man das Brüllen der Tiger. Doch das Leben und Trei⸗ ben der Wilden zeigte zwar einen rohen Ge⸗ ſchmack, beſonders im Tanzen und Vergnü⸗ gungen, doch aber ſie ſelbſt zeigten ſich freund⸗ lich, ja faſt wohlwollend.

Nach einigen Tagen hatte die Reiſende ein entſetzliches Abenteuer und wir laſſen ſie das⸗ ſelbe lieber ſelbſt erzählen:

Mehr als zwanzig bewaffnete Männer ſtanden am Wege und erwarteten uns. Als wir an ihnen vorüber wollten, verſtellten ſie den Weg und in einem Augenblicke hatten viele Lanzenknechte einen Kreis um mich geſchloſſen. Die Leute ſahen über alle Beſchreibung fürch⸗ terlich aus. Sie waren groß und kräftig, viele ſechs Fuß hoch, die Geſichtszüge leidenſchaft⸗ lich bewegt, was ſie noch weit häßlicher machte das große Maul mit den vorſtehenden Zähnen glich wahrlich mehr dem Rachen eines wilden Thieres, als einem menſchlichen Munde. Ich hatte zwar Angſt, die Scene war zu ent⸗ ſetzlich, doch verlor ich nicht meine Geiſtesge⸗ genwart und ſetzte mich anſcheinend ruhig und vertrauensvoll auf einen Stein, welcher am Wege lag.

Einige Rajahs traten auf mich zu, mir

mit Worten und Zeichen drohend, daß, wenn ich nicht umkehre, man mich tödten und ver⸗ zehren würde. Ich erhob mich, klopfte den Vor⸗ derſten, der ſich am meiſten an mich heran⸗ drängte, freundlich auf die Achſel und ſagte mit heiterer, lächelnder Miene, halb ma⸗ layiſch, halb battakiſch:Ihr werdet eine

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ohne Erfolg. Die Lanzenknechte öffneten ihre geſchloſſenen Reihen und fingen über das Kau⸗ derwelſch und die Pantomime der Reiſenden zu lachen an.

Ihre Furchtloſigkeit hatte geſiegt.

Aber die wilden Scenen wiederholten ſich auf ihrem Wege, und in einem Battakendorfe verſammelten ſich mehrere Rajahs mit ihren Bewaffneten und verboten den Reiſenden wei⸗ ter vorzudringen; alle ihre Verſprechungen und Bitten waren vergeblich. Sie wurde zwei deut⸗ ſche Meilen von dem erſehnten Ziele, dem Erio⸗ Uniſee, unter wilden Drohungen gezwungen, auf einem anderen Wege wieder umzukehren. Auf der von ihr erreichten Stelle wurden ſpä⸗ ter zwei franzöſiſche Miſſionäre, bei ihrem Verſuche in jener Gegend vorzudringen, das Opfer der Kannibalen.

Frau Pfeiffer ſchrieb einige Wochen nach dieſem entſetzlichen Erlebniß aus Padang⸗Si⸗ dimpnang:Man kann ſich gar keine Vorſtel⸗ lung machen von dem angenehmen Gefühle, das ich empfand, als ich mich wieder in voller Sicherheit ſah, mich an eine reinliche Tafel mit guten Gerichten ſetze, in ein herrliches Bett zur Nachtruhe ging.

Aber dennoch fühlte ſie ſich in der Heimat nicht heimiſch, und in einem Alter, wo eine behagliche Ruhe nicht allein wünſchenswerth, ſondern nothwendig erſcheint, rüſtete ſie ſich zu einer neuen Reiſe, die ſie auch antrat. Die bedeutendſten Erlebniſſe theilte ſie in Briefen an dieO.⸗D. Poſt mit, welche zu⸗ gleich Aufklärung über die Angelegenheiten der im Flächenraume Deutſchland faſt gleich⸗ kommenden Inſel Madagaskar geben und der Leſewelt noch in friſchem Andenken ſind. Die Gefahren und Leiden dieſer letzten Reiſe legten den Grund zu der Kränklichkeit, deren Opfer die heldenmüthige Frau geworden iſt.

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Aus dem Tagebuche meiner Reiſe

in Nordamerika. Von P. G. Menzel. (Schluß.) III.

Ein Ritt durch einen Fluß. Im Süden der Vereinigten Staaten von Nordamerika, wo die Kalkformation vorherr⸗ ſchend iſt, wie in Arkanſas, Texas und Karoli⸗

na, haben die fließenden Gewäſſer das Eigen⸗ thümliche, daß in die Sohle ihres Flußthales gewöhnlich noch ein zweites eingeſchnitten iſt, in welchem erſt das eigentliche tiefe Flußbett ſich befindet. Bei größeren fließenden Waſſern läßt

ſich dieſes erſte und zweite, oder das große und

kleine Bottom deutlich unterſcheiden. Solches Bottomland iſt faſt überall mit einem üppigen

Frou nicht tödten und aufeſſen, am wenigſten Baumwuchſe bekleidet, und bildet, in Kultur

eine ſo alte wie ich bin, deren Fleiſch ſchon hart und zähe iſt. Dieſes muthige Benehmen blieb nicht

geſetzt, Ackerland von unerſchöpflicher Frucht⸗ barkeit, auf welchem beſonders Zucker, Mais und Baumwolle gebaut wird.

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