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als Landsknechte durch alle deutſchen Gaue, in zerſtreuten Häuflein waren ſie bald da, bald dort
zu ſehen; ſie kannten ſich unter einander ſelbſt Eſel
nicht mehr!
Anders, aber nicht minder unehrenhaft und unpatriotiſch war das Benehmen jener Zwanzi⸗ ger, welche im Lande ihrer Geburt zurückblieben. Nicht Vaterlandsliebe hielt ſie daheim, nur das hohe Angebot, die Sucht viel zu elten. Aus Furcht, um ihren eingebildeten höheren Werth geprellt zu werden, zogen ſie als feige Egoiſten ſich zurück in unzugängliche Verſtecke, verkrochen ſich in Löcher, bargen ſich in Strohſäcken oder in ſchmutzigen Strümpfen, ſie wollten durch ihre Ab⸗ weſenheit glänzen und ihre feſte Stellung erſt dann verlaſſen, wenn dieß mit dem größten Nutzen geſchehen konnte. Ach, ihr Plan glückte ihnen auf lange nur zu wohl. Die Einzelnen, welche ſich hier und da zeigten, wurden mit Stau⸗ nen angeſehen. Jeder dieſer kleinen Herren hielt ſich für einen Halbgott, der nur unter ganz au⸗ Berordentlichen Bedingungen auf die Erde zurück⸗ kehren dürfe.
Aber Hochmuth kommt vor dem Falle. Lange genug hatte die despotiſche Willkür des ſilbernen Gelichters gedauert. Eine neue Geſetz⸗ gebung war im Zuge, welche dieſe ſilberne Münz⸗ ariſtokratie in ihren Privilegien bedrohte. Die Zwanziger, die man im Dunkeln mächtig werden ließ, fühlten ſich unheimlich; zuerſt langſam, dann immer raſcher eilten ſie aus ihren Schlupfwinkeln hervor, aber der Nimbus ihrer Größe war ge⸗ ſchwunden, die„theuren“ Zwanziger hatten den rechten Augenblick verſäumt, man empfing ſie mit zunehmender Gleichgiltigkeit, das welthiſtoriſche: „Zu ſpät“ war auch ihnen zum Verhängniß geworden.
Da erſchien an einem ſchönen Sommertage das Statut, welches einen neuen Adel, eine„neue Währung“ einführte. Ein Schauer ging den Zwanzigern durch Schrot und Korn— ſie ſahen ein, ihre letzte Stunde ſei im Anzuge. Noch hiel⸗ ten ſie ſich eine Zeitlang mit Zähigkeit zurück, ſie kämpften mit einem Muthe, der einer beſſeren Sache würdig geweſen wäre. Die neue Währung war das Moskau der Zwanziger⸗Armee, der erſte November ihre Bereſina. Das ſtolze 20, ſich ſo unübeywindlich dünkend, wie weiland Sebaſtopol, iſt eine gefallene Größe.
Das iſt der Fluch der böſen That! Die al⸗ ten Kumpane, ſo vor zehn Jahren mit flatternden Fahnen auszogen, mit dem Bewußtſein, 30 Kreuzer Konventionsmünze werth zu ſein, kommen jetzt demüthig, gebrochen und zerknirſcht geſchlichen und ſind froh, wenn wenn man ſie 19 ½—= 34 Neu⸗ kreuzer gelten läßt— den neuen Zwanzigern wurde in Anbetracht ihrer unerfahrenen Jugend verziehen, ſie ſollen mit 35 Neukreuzern bezahlt werden. Aber das ganze widerſpenſtige alte Zwanziger⸗Geſchlecht iſt zu dem Looſe verurtheilt, das Peter der Große den Strelizen, Mahmud II. den Janitſcharen bereitete, ſie werden vernichtet,
aufgelöſt, eingeſchmolzen. Denn wer ſich erhöhet,
wird erniedriget. Das iſt des Zwanzigers Glück und Ende. (O.⸗D.⸗P.)
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Bemerkungen.
Auch die klügſten Weiber verlieren augen⸗ blicklich ihre Vernunft, wenn ſie von einer gre⸗ ßen Leidenſchaft bewegt ſind, oder— die Wäſche haben.
„Deer Verſtand flößt dem Dummkopf keinen höheren Reſpekt ein, als— der Knüppel dem e
Je ſchlechter das Wirthshaus, deſto größer die Zeche, weil man immer auch für die bezahlen mu welche ſo klug ſind, darin nicht einzu⸗ ehren.
Die Weiber ſind feine Beobachterinen, und zum Schutze ihrer Schwäche gleichſam ſchon von der Natur mit Menſchenkenntniß ausgeſtattet. Auch die jüngſte Frau weiß nach kurzer Zeit ihren Mann ſo zu ſagen auswendig, während viele Männer ihr ganzes Leben durch vergeblich ihre Frau auszuſtudiren verſuchen.
Mit dem Verſtande geht es oft wie mit dem Gelde. Mancher wird in ſolcher Hinſicht für reich gehalten, der doch im Grunde nur ein heimlicher Lump iſt.
Wer in Geſchäften niemals fehlgegriffen hat, hat auch noch ſchwerlich oft recht gegriffen.
Humoriſtiſches.
Das neue Geld als Eheprokurator.
Ein junger liebenswürdiger Mann, Beamte von zwar nicht großem aber immerhin anſtändi⸗ gem Einkommen, hielt vor zwei Jahren nach wiederholten fruchtlofen Verſuchen um die Toch⸗ ter eines Wiener Bürgers an. Der Vater, durch dieſen abermaligen Anlauf etwas in Harniſch ge⸗ bracht, ſchloß ſeine abermals abſchlägige Antwort, zum großen Leidweſen der beiden Liebenden, mit folgenden Worten:„Ich ſage Ihnen zum letzten Male, mein Freund, Sie kriegen meine Tochter nicht, ſo lange der Gulden ſechzig Kreuzer gilt!“ Traurig zog der ſo Beſchiedene ab. Das war vor zwei Jahren. Nun weiß aber alle Welt, daß uns der 1. Nov. 1858 eine neue Währung brachte. Unſer Beamte, immer noch ſeiner Liebe treu, er⸗ faßt dieſe günſtige Gelegenheit, begibt ſich aber⸗ mals zu dem zähen Alten, um jetzt oder nie in Beſitz ſeiner Geliebten zu gelangen. Er ſtellt ihm vor, daß der Gulden jetzt 100 Kreuzer habe und er ihm ſomit, ohne ſeinem früheren Ausſpruche untreu zu werden, nunmehr das erſehnte Jawort geben könne. Der Vater, durch die beharrliche Treue und den guten Einfall des jungen Man⸗ nes gerührt, läßt ſich erweichen und noch am ſelben Tage ward die Verlobung des glücklichen Paares gefeiert.
Kopfſchmerz.
Schüler. Herr Lehrer, mein Bruder kann
heute nicht in die Schule kommen, er iſt krank. Lehrer(beſorgt). So, was fehlt ihm denn? Schüler. Nur der Kopf.
Seltſamer Trauermarſch.
In einem Dorfe, das wir hier nicht nennen wollen, war der Pfarrer geſtorben. Da die Ge⸗ meinde das Begräbniß ſo feierlich als möglich machen wollte, ſo lud ſie aus der Umgegend alle Muſikanten zuſammen. Dieſe fanden ſich richtig
[am Tage des Leichenbegängniſſes mit ihren In⸗
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ſtrumenten ein. Als nun der Zug zum Kirch⸗ hofe ſich in Bewegung ſetzen und der Trauer⸗ marſch beginnen ſollte, malte ſich keine geringe Verlegenheit auf den Geſichtern der Mufiker. Sie ſteckten rathlos die Köpfe zuſammen und das geſpannte Publikum vernahm keine andern Töne, als das Geziſchel einer leiſen Berathung. End⸗ lich ſchien ein entſcheidender Entſchluß gefaßt, die Mundſtücke der Inſtrumente näherten ſich den Lippen, die Füße ſchritten aus, und ſtatt des Trauermarſches, den man einzuüben unterlaſſen hatte, ertönte dem guten todten Pfarrer zum letz⸗ ten Abſchiede das Lied:
„Großer Gott, wir loben Dich.“
Beachtung des Rangunterſchiedes.
Zwei Kapuziner, ein Pater und ein Bruder, treten in das Haus einer Bäuerin und bitten um das Almoſen. Die Frau langt ein ſchönes Stück Speck aus der Erbſenſuppe heraus, leckt die Erbſen davon ab, und reicht es dem Pater. Darauf ſchneidet ſie noch ein zweites Stück ab und reicht es dem Bruder, mit den Worten: „Da, Ihr könnt es ſelbſt ablecken.“
Wichtigkeit der Unterſcheidungs⸗ zeichen.
Auf einem Kirchhofe ſteht ein ſteinernes Krueifix mit folgender Inſchrift:
Im Jahre 1780 ward aufgerichtet dieſes Bild unſers Herrn Jeſu Chriſti der da gekreuzigt worden vom Schulzen dieſer Gemeinde.
Wem gleicht ein Geizhals?
Ein Geizhals gleicht einem Menſchen, der in 20, 30 oder 40 Jahren einmal eine zroße Reiſe antreten ſoll, bis dahin aber all' ſeine Zeit damit zubringt, ein großes Paket fertig zu machen, ein Paket wohlgemerkt, von dem er im Voraus weiß, daß er es nicht mitnehmen darf.
Mittel gegen die Traurigkeit.
Eine Frau von Geiſt, zu Paris, welche die Kinder ſehr liebte, ſah einſt bei einem Kaufmann zwei Kinder ſehr ernſten Angeſichtes.„Ihre Knaben ſind ſehr traurig“, ſagte ſie zur Mutter. „Ach Madame“, antwortete dieſe,„wir prügeln ſie genug, um ihnen dieſe Gewohnheit zu beneh⸗ men, es hilft aber nicht.“
Die Geſundheit.
In einer Geſellſchaft entſpann ſich ein langes Geſpräch über den Werth und Unwerth dieſes Lebens, über die Vergänglichkeit der Dinge u. ſ. w. Es wurde heftig geſtritten.„Und was meinen Sie dazu?“ fragte man ein anweſendes Landfräu⸗ lein. Die Kleine ward roth und antwortete:„Ich meine: leben oder nicht leben, wenn man nur geſund iſt.“
Silbernes Eiſen.
Ein Emporkömmling rühmte ſeinen Reich⸗ thum und rief unter Anderem:„Mein ganzes Küchen⸗ und Tiſchgeräth iſt aus Silber, ſogar meine eiſernen Küchentöpfe.(l)
Redigirt unter Verantwortlichkeit des W. Ernſt.


