— ⏑ðł—-A—
lager ſo wie in ſeiner gewöhnlichen Behauſung ſpeiſte der Feldmarſchall en famille, wie er es nannte, d. h. ſtets in Geſellſchaft ſeines Ge⸗ neralſtabes. Wer immer ſich im Hauptquartiere um vier Uhr Nachmittags einfand, konnte mit Sicherheit auf eine Einladung zur Tafel rech⸗ nen, an welcher der Feldmarſchall in der lie⸗ benswürdigſten und gaſtfreundlichſten Weiſe die Honneurs machte. Abends ſieben Uhr nahm der greiſe Feldherr ſeinen Thee, ſpielte mit einigen eingeladenen Offizieren eine Partie Ta⸗ rok und ging um neun ÜUhr zu Bette, wo ihn alsbald ein geſunder Schlaf erquickte, der bis zum anderen Morgen dauerte. Im Felde hielt er die Stunde des Abmarſches mit großer Ge⸗ nauigkeit ein, brach wohl hie und da früher, aber nie ſpäter auf.
Der Feldmarſchall ritt feſt und ſicher und liebte die ſchnellen Gangarten. Seine Pferde waren Meklenburger, meiſtens Schimmel, ſein Sattel ein deutſcher mit reich geſtickter Feld⸗ marſchallsſchabrake. Auf größeren Reiſen fuhr er in einem kleinen Coupé mit vier Pferden. Sein Anzug war der gebräuchliche Militärrock ſeines hohen Grades, dazu der Kavallerieſäbel und der Hut mit grünen Federn.„So ſteht mir ſein Bild in der Erinnerung an die ſchön⸗ ſten Augenblicke meines Lebens!“ ruft Einer aus, der die Ehre hatte, in Radetzky's Gefolge den letzten Feldzügen des Helden an⸗ zuwohnen.“
Des Thorwarts Töchterlein. Von Nina Cameniſch.
Was birgſt Du Dich, Du arme Maid, Wohl täglich hinterm Thor, Und reitet des Herren Sohn vorbei, Guckſt furchtſam Du hervor?
Des Herren Sohn iſt wunderſchön, D'rum berg' ich mich beim Thor; Doch wag' ich mich nicht zu grüßen ihn, D'rum guck' ich ſcheu hervor.
Oft kommt er auch mit ſeiner Braut Hieher im Mondenſchein, Dann pflücket er ihr ein Blümlein wohl— Möcht' ſelber eines ſein;
Ich ſchmückte dann ihr dunkel Haar, Gefiel' dem jungen Herrn, Und wäre ein Druck von ſeiner Hand Mein Tod, wie ſtürb' ich gern!
Sie iſt ſo ſchlank und ich bin klein, Sie weiß wie Schnee, ich braun, Ihre Augen, die ſind wie Sonnenſchein So glänzend anzuſchau'n.
Die meinen ſind von Thränen trüb, Die kommen, weiß nicht wie, Mir immer darein, denk' ich an ihn, Und And'res denk' ich nie.
Aus dem Landprediger von Wake- ſteld.— Moſes begibt ſich zum Jahr⸗ markte.
Unſere Stahlradirung vergegenwärtigt uns jene Szene aus Goldſhmith's unvergleich⸗ lichem„Vicar of Wakefield,“ wo Moſes, der „geſcheite Junge“ des würdigen Landpredigers unter den Segenswünſchen zum Jahrmarktbe⸗ ſuche ſich gerüſtet hat, um das Rößlein, auf dem er reitet, vortheilhaft an den Mann zu bringen und ein anderes zu erſtehen, das ſich nach dem Wunſche der Mutter und der beiden hübſchen Schweſtern„einigermaßen ſtattlich ausnähme auf dem Wege nach der Kirche oder bei Beſuchen.“„Nachdem ſeine Schweſtern,“ erzählt der gutmüthige Primroſe,„ſein Haar in Ordnung gebracht, ſeine Schnallen gebürſtet, ſeinen Hut mit Nadeln aufgeſtutzt und ihn alſo für den Jahrmarkt ausſtaffirt hatten, (ſiehe hiezu den Stahlſtich des Dezemberhef⸗ tes 1857) wurde uns endlich das Vergnügen, ihn das Hengſtfüllen beſteigen zu ſehen. Er hielt eine große Schachtel vor ſich, worin er Gewürz mitbringen ſollte. Sein Rock, aus dem Zeuge beſtehend, das man„Donner und Blitz“ nennt,*) war ihm zwar etwas zu kurz ge⸗ worden, aber doch noch zu gut, um ihn ganz abzulegen. Seine Weſte war grasgrün und ſeine Schweſtern hatten ihm das Haar ge⸗
*) Thunder-and-tightning— ein verſchie⸗ denfarbiger, halb dunkel und wolkig gemalter Stoff.
ü 4228,942292222 n22355:525:
Feuilleton.
Könnt' ich nur immer ſein beim Thor, Doch fürcht' ich, endet's bald: Ich werde ja matter Tag für Tag; Das Käuzlein ſchreit im Wald.
Es ſchreit, weil Jemand ſterben muß— Obwohl ich jung noch bin, Bin müde genug; begrabt mich hier, Hier kommt er täglich hin.
Kulturhiſtoriſches.
Schütz und Bachant, Fahrende Schü⸗ ler. Die fahrenden Schüler ſpielen in der Kultur⸗ geſchichte deutſcher Nation eine bedeutende und intereſſante Rolle. Das wanderluſtige Weſen der⸗ ſelben, das wechſelvolle Geſchick des Vagabun⸗ direns, Freud und Leid in mancherlei Aben⸗ teuern tritt uns nirgends lebhafter entgegen als in den beiden Selbſtbiographien des Thomas Platter und Felix Platter, von denen namentlich die erſtere ebenſo durch Fülle von Thatſachen, wie durch einen derbgemüthlichen Ton uns anzieht. Es thut uns leid, daß wir in dem Auszuge, den wir in Folgendem aus denſelben geben, den kräf⸗ tigen Schweizerdialekt allgemeinerem Verſtändniſſe zu lieb, zum großen Theile fallen laſſen müſſen.
„Da ich bei zehn Jahren alt war,“ erzählt der Schweizer Seilermeiſter und Profeſſor Tho⸗ mas Platter,„kam Einer, der mein Geſchwiſter⸗
219
bunden mit einem breiten ſchwarzen Bande. Wir alle begleiteten ihn einige Hundert Schritte und riefen: Glück auf den Weg! Glück auf den Weg! ſo lange wir ihn ſehen konnten.“
Das arme Rößlein, es ſieht ziemlich trau⸗ rig drein, als ahnte es, was ihm bevorſtehe. Auch Papa Primroſe macht ein Geſicht, dem man es leicht anmerken kann, daß er mit dem ganzen Vorgange nicht recht einverſtanden ſei. Die Mutter, obwohl ſie ganz voll Vertrauen auf die Klugheit ihres Moſes iſt,„der immer mit vielem Vortheile kauft und verkauft“ und „immer ſo lange ſteht und dingt, bis er einen guten Handel abſchließen kann,“ ſcheint doch nichts deſtoweniger noch einige eindringliche Rathſchläge zu geben, die aber vor der Hand weniger Gehör finden, als die Bemerkungen der Schweſtern, die ſich ohne Zweifel auf die be⸗ ſonderen Vorzüge des zu kaufenden Thieres be⸗ ziehen.— In einem Volksliede heißt es:
Heute noch auf ſtolzen Roſſen, Morgen durch die Bruſt geſchoſſen.—
Wer mag die Betroffenheit der Familie Wakefield beſchreiben, als Moſes langſam zu Fuße von dem Jahrmarkte zurück kam, ſchwitzend unter der Laſt der Gewürzſchachtel auf dem Rücken, und als es ſich aufklärte, daß er das liebe alte Rößlein gegen— 12 Dutzend grüne Brillen an einen Betrüger hingege⸗ ben hatte!
kind und den Schulen nachgezogen war, gen Ulm und München im Baiernland; derſelbe Student hieß Paulus Summermatter. Der verhieß unn meinen Freunden, er wollte mich mit ſich nehmen und in Deutſchland der Schul nach füh⸗ ren. Alſo zogen wir zum Land aus. Da mußt ich für mich und meinen Bachanten betteln, denn ob meiner Einfältigkeit und ländlichen Sprach gab man mir viel. Kamen demnach gen Zürich. Nachdem wir bei 8 oder 9 Wochen auf Geſell⸗ ſchaft gewartet, zogen wir auf Meißen zu, mit⸗ einander 8 oder 9, drei kleine Schützen, unter welchen ich der allerkleinſte und jüngſt, die andern große Bachanten. Wann ich nicht recht mocht ausſchreiten, ging mein Vetter Paulus nach mir mit der Ruthen oder einem Stecklein und zwickt mich um die bloßen Bein. Zur„Nümburg“ bleiben wir etliche Wochen. Von uns Schützen gingen etliche, die ſingen konnten, in die Stadt ſingen, ich aber ging heiſchen(betteln). Das woll⸗ ten die Andern nicht leiden, daß wir in kein Schul gingen, ſie bedräuten uns alſo in die Schul zu ziehen. Der Schulmeiſter entbot auch unſeren Bachanten, ſie ſollten in die Schul kommen, oder man würde ſie kriegen. Unſer Geſell Anthoni entbot ihm wieder, er möchte nur kommen. Und da etliche Schweizer auch da waren, ſo ließen ſie uns wiſſen, auf welchen Tag ſie kommen wür⸗ den, daß ſie uns nicht unverſehendlich überfielen. Da kam der Schulmeiſter mit der ganzen Pro⸗ zeſſion ſeiner Schützen und Bachanten, aher wir Buben warfen mit Steinen auf ſie, daß ſie wei⸗
28*


