Heft 
(1858) 7 07
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a Erinnerungen.**

Der Morgen klin, ein raſcher Knabe, Herab an ſteiler Beswand, Und ſpendet ſeine Adergabe V Allüberall mit reichdand. Er überſtrömt in hzer Stille Mit Flammenlicht; Erdenhaus, Und gießt der jung Roſen Fülle V Aus ſeinem gold'nôorne aus. V

Entzündet ſind Strahlengarben Und blitzen durch Himmels Raum, Der Sterne bleicheuer ſtarben,

Die Welt erwacht ihrem Traum! Es ſtreicht die feucword'nen Locken Sich aus der Stirer grüne Wald, Die Blumen ſchwu ihre Glocken, Und baden ſich imaue bald.

Es ſchaukeln ſice friſchen Lüfte Im Blättergrün Blüthenſtrauch, Der Nebel wie dilumendüfte,

Sie ſteigen auf adpferrauch.

Die Lerche ſchweln Gluthgeſange, Bis ſie zur Sonnber dringt,

Wie der Begeiſtez Gedanke,

Der aus dem Qdes Ewygen trinkt.

Da auf des Bs höchſtem Rücken, Da ſiehſt Du eisBettler ſteh'n! Ein Grauſen lieg ſeinen Blicken, Als wollte er void vergeh'n. Er ſtarrt empor ſtarrt hernieder, Und hat im Griſdie Fauſt geballt; Ein Fieber zucktch ſeine Glieder, Bald ſengend heald eiſig kalt.

Die wirren gu Locken liegen Auf bleicher Stiwild umher; Er möchte ſeine e biegen, Und kann es nie es iſt zu ſchwer! Er möchte ſeineide falten, Es iſt zu ſchwer er kann es nicht! Nicht eine Thrölinkt dem Alten, Die Schmerzenyernd, im Geſicht.

Und auf desides weichen Schwingen Hört er der Muglocke Klang, Er ſieht, wie fne Menſchen bringen Dem Schöpfers Herzens Dank. Sie alle zieh'rFeſtgewändern, Voll gläub'geinns zu Gottes Haus, Der Burſch', Hut geſchmückt mit Bändern, Die Jungfrat dem Blumenſtrauß.

Anmerkung. Willen das obige Gedicht nach einem Manuſtripte des leider Borg ſtarb im April d. J. in Reval, wo er das Amt eines Erinnerungen. li 1858.

Das verlorene Gebet.

Und ſeiner Kindheit lichte Tage, Sie ſteh'n vor ihm im Silberglanz, Wo noch kein dunkles Blatt der Klage Sich wand in ſeiner Freude Kranz. Wo er am treuen Mutterherzen Entſchlief, wenn er, vom Spielen müd', Sanft eingewiegt von Liebesſcherzen Und ihrem einfach frommen Lied.

Und wie ſie noch vom Todesbette Zu ihm in Mutterangſt gefleht: Ein einzig Gut, mein Sohn, das rette Aus Lebensſtürmen, Dein Gebetl Und faſt zum Tod muß er erblaſſen, Ihm war's, als ob die Mutter rief: Wo haſt Du Dein Gebet gelaſſen? Aus ihrem Grabo, ſtill und tief.

Da bricht er aus in lautes Jammern, Die Hände ſchlägt er vor's Geſicht, Er möcht' ſich an die Erde klammern, Daß ſie ihn berge vor dem Licht! Er möchte ſich verzweifelnd betten, Dort, wo der Waldbach brauſend floß, Er reißt an ſeiner Sünde Ketten, Zu feſt genietet iſt ihr Schloß.

Und wilder beben ſeine Glieder In ſeines Schmerzes Allgewalt, In Tropfen rollt der Schweiß hernieder Ihm von der Stirne eiſig kalt. Ich habe mein Gebet verloren! So ſtöhnt er mit gebroch'nem Ton; Ich habe mein Gebet verloren, Und ſuch' es lange Jahre ſchon!

Ich habe mein Gebet verloren Und ſuch' es lange Jahre ſchon! So ſchreit er zu des Himmels Thoren, So ſchreit er bis zu Gottes Thron! Da kam der Friede zu ihm nieder, Sein Odem hat ihn mild umweht, Er faltet ſeine Hände wieder, Es zuckt die Lippe zum Gebet.

Und leiſe tönt vom bleichen Munde Das eine Wort:Mein Herr und Gottl Da ſchloß ſich ſeines Herzens Wunde, Er lächelt in das Morgenroth! Und ſeiner Sünde Ketten ſprangen, Es fiel von ihm der Erde Kleid: Der Bettler, der iſt eingegangen Als König in die Ewigkeit!

Roman Budberg.

zu früh verblichenen Dichters mit. Baron Roman v Notars der eſthländiſchen Ritterſchaft bekleidete. D. R . 25

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