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zu erfüllen, mit denen er auf eine Stufe hin⸗ ſichtlich der Behandlung geſtellt wurde.
Im nächſten Frühjahre erhob ſich auf einem der Londoner Kirchhöfe ein einfacher Sandſtein über einem friſchen Grabe mit dem Namen „Hanna Clive.“—
Die beiden Waiſen ſtanden am Grabe ihrer Mutter, welches nun ein heiliger Wallfahrts⸗ ort der beiden Unglücklichen geworden.—
Während ſie eines Morgens in Schmerz und Betrachtung da ſtanden, näherte ſich ihnen ein Mann von dunkelgelber Geſichtsfarbe, der in einem weiten Mantel gehüllt war, und Tho⸗ mas mit Blicken, die Blitzen glichen, anſtarrte. Die beiden Trauernden ſahen ſcheu den Mann an. Dieſer fragte endlich mit heiſerer Stimme:
.„hr ſeid ein Clive?“
„Ich weiß nicht, mit welchem Rechte Ihr fragt,“ entgegnete furchtlos Thomas,„und habe darum keine Luſt Euch zu antworten. Geht Eurer Wege.“
„Trotziger Burſche, in Euch erkenne ich ihn wieder.— So ſah er in ſeiner Jugend aus. Aber anders, ganz anders, als er ſein Gehirn vor mir zerſchmetterte.“ Thomas wurde bleich, der Unbekannte erzählte die furchtbare Geſchichte ſeines Vaters.
„Hinweg“ rief dieſer,„wer Ihr auch ſeid, was Ihr auch wißt, hinweg,“ ſchrie er in ver⸗ zweifelnder Wuth, und ſtieß ihn zur Seite, daß er einige Schritte forttaumelte und über einen Stein fiel.— Als er ſich wieder aufgerichtet hatte, waren Thomas und Sarah ver⸗
ſchwunden.
„Es iſt ſein Sohn,“ murmelte der Alte, „nur dieſer kann es ſein. Es ſcheint mir, ich habe an ſeinem Vater ein großes Unrecht be⸗ gangen.— Nein— Peſt, Fluch und Qual auf Alle, die Menſchengeſichter tragen.“
In der Nähe des Drummond'ſchen Hauſes angelangt begegneten die beiden Wai⸗ ſen den ewig lächelnden Joſef, der mit ſeinen ſtarren Augen beſonders Sara fixirte. Alle drei gingen ſchweigend nach Hauſe, Thomas, durch das eben Erlebte tief erregt, und durch das Benehmen Joſef's, deſſen Geberden ihm wie kalter Hohn durch's Herz ſchnitten, erbittert.
4.
Thomas konnte ſich in ſeiner Stellung, die im Hauſe ſeines Onkels von ganz unterge⸗ ordneter Natur war, nicht zufrieden finden; ſein Charakter, aus Stolz und Zartgefühl zu⸗ ſammengeſetzt, erfuhr oft die empfindlichſten Eindrücke, ſein Temperament bedurfte der Frei⸗ heit und einer rüſtigen erfriſchenden Thätig⸗ keit. Anfangs ertrug er Alles mit dem Schwei⸗
agen innerer Erbitterung, die Neuheit der Si⸗ uation verwirrte ihn noch, der Schmerz über die Krankheit, nachher über den Tod ſeiner Mutter machte ihn gegen die eigenen Leiden unempfindlich. Nach und nach erhob ſich doch das kühne Ungeſtüm ſeiner Natur, und es be⸗
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durfte blos einer Gelegenheit, um in die helle Flamme der Empörung auszubrechen. Schwe⸗ ſter Sarah war die Einzige, der er ſein Leiden klagte, deren Liebe ihn tröſtete.
Sarah, von Natur ſanft und unterwürfig, von einer äußern ungewöhnlichen Liebenswür⸗ digkeit, erfreuete ſich des Wohlwollens ihres ſchweigſamen und verſchloſſenen Onkels, der in ihr das Ebenbild ſeiner verſtorbenen von ihm geliebten Schweſter ſah. Frau Drummond ſchien an der Gegenwart Sarah's Gefallen zu finden und der linkiſche kalte Jofef hatte für ſie alle Zuneigung, deren er überhaupt fähig war.—
Thomas jedoch mußte ſchon durch die kalte Behandlung des Chefs, ſeines Onkels, von dem übrigen Perſonale des Hauſes demüthi⸗ gende und kränkende Begegnungen erfahren, die ſeinen Stolz auf's Höchſte verletzten; ins⸗ beſondere war es der ohnehin gallichte, mürri⸗ ſche Adam, der erſte Kommis des Hauſes, wel⸗ cher ihm ſein Uebergewicht mit Vorſatz durch die empörendſten Neckereien fühlen ließ. Bei einer ähnlichen Veranlaſſung, die beim Abladen von ſchweren Fäſſern im Hofe ſtattfand, und wobei der zankſüchtige Adam die Arbeit leitete, die Thomas als einer der geringſten vom Ge⸗ ſchäftsperſonale mit verrichten mußte, ergab ſich eine Gelegenheit, bei welcher der langver⸗ haltene Groll ſich nicht mehr bezähmen ließ und Thomas vergriff ſich an dem Kommis⸗Präſi⸗ denten in einer Weiſe, daß die Dazwiſchenkunft aller Handleute nothwendig wurde, um die beiden Raufenden auseinander zu bringen. Der hiedurch entſtandene Auflauf von Leuten führte auch Drummond herbei, welcher wü⸗ thend über das Betragen des aus Gnade auf⸗ genommenen Betteljungen, wie er ihn nannte, die Szene damit beendete, daß er Thomas be⸗ fahl, ſogleich ſein Haus zu verlaſſen.
Thomas warf mit ſtolzem, verächtlichem Blicke ſein Haupt zurück, und ſchickte ſich an,
dem Gebote Folge zu leiſten, als ein Polizei⸗
diener, der auf Adam's Veranlaſſung herbeige⸗ rufen wurde, ihn faßte, um ihn im Namen des Geſetzes zu verhaften. Doch Thomas, ge⸗ ſchmäht, gehetzt von allen Seiten, durch den Angriff gegen ſeine perſönliche Freiheit auf's Aeußerſte gebracht, machte gegen alle ſeine Feinde Front, warf den Polizeidiener mit kräf⸗ tigem Satze zurück, ſprang durch die Reihe
ſeiner Kollegen hindurch auf die Straße und
begab ſich auf die Flucht. Athemlos durchlief er die krummen, engen Straßen vieſes Stadt⸗ theils, als er in einer finſtern Gaſſe von einer Hand gefaßt und aufgehalten wurde. „Thomas Clive, armer Junge, was iſt Dir geſchehen?“ Thomas ſtutzte bei der ihm wohlbekannten Stimme, er blickte auf, es war Schrubbs. Dieſer zog ihn nach der erſten zärtlichen Umarmung durch einen dunklen Gang in eine Stube, aus welcher lauter Lärm und Gläſergeklirr erſcholl. Hier ſetzten ſich die beiden Freunde in die Ecke auf eine Bank, und gaben ſich der Freude des überraſchenden Wie⸗
derſehens hin. Nach der erſten Aufregung, welche Schrubbs mit einem Glaſe Brannt⸗ wein zu beſchwichtigen ſuchte, theilten ſie ſich wechſelſeitig ihre Erlebniſſe mit. Schrubbs, der eben jetzt das Gut verlaſſen hat, wo er ſeit der Entfernung Thomas' noch im Dienſte blieb, hatte ſich einen vollen Beutel Goldes er⸗ ſpart, welchen er jetzt ſeinem geliebten Zöglinge zur Dispoſition ſtellte.— Auf Schrubbs' unwiderlegbares Anrathen, mit ihm nach Indien ſich einſchiffen z ei, willigte Tho⸗ mas ein, und rief endlich eegeiſterung:„Ja, nach Indien geht u, hier iſt meines Bleibens nicht länge ns im Getümmel glorreicher Kämpfe di machvolle Vergan⸗ genheit vergeſſen.“
„So gefallt Ihr mir,“entgegn chrubbs, „dort iſt jetzt der Teufel los, und Ruhm und Gold haufenweiſe zu holen. Habt Ihr vom tapfern Obriſten Clive gehört? Ein Held erſter Größe, der die Heiden und Franzoſen zu⸗ ſammengepfeffert, daß war. Ihr müßt nur wiſſen, daß Grenadier der Garde eingeſchrieben, ſchon morgen in meiner Uniform herumſtolziren werde.“— Thomas wurde nun immer mehr für den Soldatenſtand begeiſtert, und noch am ſelben Tage war er in der Regimentsliſte als freiwilliger Garde⸗ Grenadier Sr. Majeſtät eingeſchrieben.
5. Unſere Erzählung wird jetzt auf einen neuen Schauplatz verſetzt.
Im Norden Indiens am Fuße des koloſ⸗ ſalen Himalaja⸗Gebirges bewegte ſich auf der
zum Gebirge führenden Straße ein indiſcher
Reiſezug; dieſer beſtand aus einigen 30 Per⸗ ſonen. Am Saume einer Hochebene angelangt, machte die Karavane Raſt. Zwei reich geklei⸗ dete Indier, unverkennbar die Herren der ge⸗ ſammten Geſellſchaft, entfernten ſich von den Uebrigen, um für ſich einen ſchattigen Ruheplatz zu ſuchen. Der eine, von hoher Statur, hatte ſchwarzes Haar und einen ſtattlichen Bart der⸗ ſelben Farbe; ſein Geſicht war von offenem, ſtarken Ausdrucke. Die purpurne, mit Gold geſtickte Tunika wurde von einem koſtharen Shawl zuſammengehalten, im welchem ein reich verzierter Dolch und mehrere Piſtolen ſtaken. Der andere war klein, ſchwächlich, von blaßgelber Geſichtsfarbe, er trug ein einfaches blaues Gewand.„Seat, mein Bruder,“ ſagte dieſer,„hier ſind wir endlich wieder an dem Orte angelangt, wo wir unſere Jugend ver⸗ lebten und aus dem Munde des Weiſen Me⸗ naſatha die Lehren unſerer Väter hörten; werden wir den dritten aus unſerem heiligen Familienbunde wiederfinden, und ſie, deren Geheimniß ſeiner Obhut anvertraut iſt?“„Ich hoffe, Dariman,“ entgegnete der Angeredete, daß wir unſeren Bruder Wiswatra dort lin der Höhle jenes Berges wiederfinden,“ erzzeigte mit dem Finger auf eine Klippe, welche ſich
„Saume de ſe erhob.„N brechen, um ort unſeres D
Auf der
Seite, die der
er bezeichnete, ges Midchen Paſſer.— T aus der Höhle
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