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Hälfte zu ſuchen. Dieſe fand er bald in der Perſon der reichen Witwe Coldman, deren Firma er mit der ſeinigen vereinigte, von wel⸗ cher der Name Belſon längſt geſtrichen war. Der ehemalige Dörfler, mit zehn Pfund in der Taſche, wog nun ſeine hundert Tauſend Pfund.
Indeſſen wurde Clive und Hanna von dem alten Pfarrer verbunden. Die Angelegen⸗ heiten des Kapitäns waren geordnet, er bezog das Haus, welches er ſeiner Amme verſchrieben, es blieben ihm noch einige hundert Pfund, mit welchen er einen Pferdehandel betrieb. Anfäng⸗ lich ſchien derſelbe einträglich. Clive aber, häufig auf Reiſen, fern vom Einfluſſe der Häus⸗ lichkeit, verſank allmälig in ſeine früheren Ge⸗ wohnheiten, die ihn bald an den Rand des Ver⸗ derbens bringen mußten. Hanna duldete und ſchwieg. Sie hatte zwei Kinder geboren, einen Knaben und nach einigen Jahren ein Mädchen. Die Beſchäſtigung mit dieſen war ihr einziger Troſt.
2.
Auf der Themſebrücke gingen eines Tages zwei Männer, der eine älter und größer, von militäriſchem Ausſehen, der andere kleiner, breitſchulterig, muskelkräftig; in ſeinen Zügen ſprach ſich eine gutmüthige Derbheit aus, er trug eine alte Uniform.
„Schrubbs, mein Burſche,“ ſagte der Größere,„es iſt bei alldem nichts mit dem Le⸗ ben, von welcher Seite man es auch anfaßt.“
Schrubbs begnügte ſich, leiſe eine Me⸗ lodie zu pfeifen.
„Hätte ich ſie nur nicht kennen gelernt,“ ſprach der Kapitän weiter; denn dieſer war's, „mit ihr glaubte ich glücklich zu ſein und wir waren es.— Aber was iſt's nun?— Gibt's ein elenderes Geſchöpf unter der Sonne als ſie und die Kinder? O, das zehrt an meiner Seele!“
„Ach, was die Kinder betrifft,“ meinte Schrubbs,„die laſſen ſich nichts abgehen, die gedeihen, wie die Kürbiſſe. Da iſt der Toms, kaum zehn Jahre alt, aber ein Mords⸗ kerl, der nimmt's mit fünf Erwachſenen auf.“
„Jetzt wieder mit leeren Händen als Bett⸗ ler zu ihr zurückkehren,“ fuhr jener, wie mit ſich ſelbſt redend, fort,„und ihr den letzten magern Biſſen aufzehren helfen— es geht nicht mehr, nein, nie mehr.“
„Auch mein Gedanke,“ erwiederte Schrubbs, „es geht nicht mehr; aber wie wär's, wir lie⸗ ßen uns nach Indien anwerben? Soll ein Land voll Gold, Diamanten und Perlen ſein.“
„Soll ich noch einmal für mein undankba⸗ res Vaterland kämpfen?“ nahm der Kapitän das Wort.„Ich habe um meinen verdienten Sold vergebens angeſucht, verdiente ich nicht die Penſion? Meine Schritte waren vergeblich, die Wache hat mich die Treppe hinunter gewor⸗
fen, als ich Sr. Majeſtät ſelbſt mich vorſtellen
wollte. O, Schmach! o, Undank!“
Schrubbs murmelte in ſich hinein: „Der Branntwein, der verfluchte Branntwein.“
„Es iſt noch ein Weg,“ ſagte der Kapitän weiter,„iſt der auch nutzlos, ſo ſoll er fürchter⸗ lich werden. Ich habe einen reichen Onkel hier, der in Indien ein koloſſales Vermögen erwor⸗ ben hat, aber er iſt halb wahnſinnig vor Bos⸗ heit und Menſchenhaß, er ſoll ſchreckliche Schick⸗ ſale erlebt haben, er gilt in unſerer Familie für ein Ungeheuer, und Niemand hat Umgang mit ihm. Ich will den letzten Verſuch machen, ich will zu ihm.“— Er ſchritt haſtig voran, Schrubbs folgte ihm.
Schrubbs, ehemals Soldat, verließ mit dem Kapitän zugleich das Regiment, in wel⸗ chem Beide dienten, und verſah nun bei dem Kapitän nach der Reihenfolge der oft wechſeln⸗ den Verhältniſſe die Stelle des Kammerdieners, dann ſpäter war er Pferdeknecht, bald darauf Oekonomieverwalter, und als nichts mehr zu verwalten war, übte er das Amt der Kinder⸗ magd und des Mentors bei den zwei kleinen Sprößlingen. Selbſt im vagabundirenden Le⸗ ben verließ der treue Diener ſeinen Herrn nicht; dieſen ſehen wir jetzt, im innern Grimm zu Allem entſchloſſen, auf die Wohnung ſeines Onkels zu⸗ ſchreiten, die, wie er wußte, im Weſtende der Stadt lag.
Vor einem alten, im prächtigen Style er⸗ bauten Palaſte ſaß ein widerwärtig häßlicher Neger, der in ſeiner Funktion als Thorwächter den Ankommenden den Eintritt verwehrte, was zu einem derben Handgemenge mit Schrubbs Veranlaſſung gab, und wobei der Kapitän un⸗ gehindert die breite Treppe überſchritt und durch mehrere lange Gemächer kam, welche mit einer düſtern Pracht dekorirt, aber gänzlich vernach⸗ läſſigt waren.
Aus einer halb geöffneten Thür erreichte ein widriges Gemiſch von fremdartigen Tönen ſein Ohr, ſein Herz pochte, er faßte den Griff eines in der Taſche verborgenen Piſtols, und trat ein. Welcher Anblick bot ſich ihm dar.— Auf dem Boden des Zimmers lag ein Mann, ganz in gelbem Nankin gekleidet, lang, hager, mit weißem Haare und gelbem Geſichte; die Augen tief in ihren Höhen funkelten dem un⸗ willkommenen Beſucher entgegen— um ihn herum hüpfte ein Dutzend Affen in den poſſir⸗ lichſten Stellungen, die ein widerliches Ge⸗ krächze in allen Modulationen ihrer mißtönen⸗ den Stimmen ausſtießen. Der Mann im gel⸗ ben Nankin erhob ſich jetzt.
„Wer unterſteht ſich ſo unberufen in fremde Häuſer einzudringen,“ ſchrie er dem Eintreten⸗ den entgegen, in einem rauhen und heiſeren Tone,„und wer ſeid Ihr denn?“ Die Beſtien verkrochen ſich ſcheu in den Winkel des Zimmers.
„Ich bin Euer unglücklicher Verwandter, der dieſen letzten Schritt wagt, und zum Aeußer⸗ ſten entſchloſſen iſt, wenn Ihr ihn nicht rettet, wie Ihr es könnt und wie es Euere Pflicht wäre—“
„Wie?“ kreiſchte der Mann ihm entgegen. „Kommt Ihr zu mir, um einem alten Manne
das Leben angenehm zu machen? Wäret Ihr gekommen, wenn ich Euch brauchte, oder kammt Ihr nur, weil Ihr mich braucht, he?“
„Ich komme nicht um meinetwillen,“ ent⸗ gegnete der Kapitän,„ich habe Weib und Kind, um ihretwillen komme ich zu Euch, nachdem ich vergebens Alles verſucht habe. Um Weib und Kind!— und habt Ihr auch nie beide gehabt, Ihr müßt es dennoch fühlen— um Weib und Kind kann der Mann Alles thun, und ſollte es ihm das Herzblut koſten!“
Der Alte erhob ſich uns rief mit Donner⸗ ſtimme wuthentbrannt lm Weib und Kind kann der Mann Alles thuͤn, ja, er kann durch's Feuer gehen und durch die Wüſte, in den blu⸗ tigen Kampf und auf den wilden Qcean. Was habt Ihr gethan, bevor Ihr betteln kamt?“ Der Kapitän erbleichte und zitterte krampfhaft. „Geht und hängt Euch an den erſten Baum, ertränkt Euch meinetwegen, von mir habt Ihr nie und nimmer einen dürren Strohhalm zu erwarten— um Weib und Kind kann ein Mann dieſe Menſchenfratzen bis in den Tod haſſen und an ihren Qualen ſich weiden.“
Der Kapitän zitterte heftig und ſtammelte endlich hervor:„Dieß iſt die letzte Hoffnung, die Ihr mir gebt?“— Der Alte antwortete nicht und ſtarrte mit boshaftem Geſichtsaus⸗ druck den Frager an.—„Dann, Gott befoh⸗ len!“ rief dieſer,„es muß ein Ende nehmen, denkt an mein Weib und an meine Kinder!“ und mit raſchem Griffe hatte er ein Piſtol auf ſeine Stirn abgedrückt. Zerſchmettert ſtürzte er zu Boden, die Affen erhoben ein wildes, klägli⸗ ches Geſchrei.
Dieſes Ereigniß wurde in London zur Ta⸗ gesunterhaltung. Man verwünſchte die Hart⸗ herzigkeit eines derartig entarteten Menſchen, wie dieſer Onkel war; auch Drummond er⸗ fuhr den Tod ſeines Schwagers; aber mit einer Kaltblütigkeit, als hätte er nur ein ſolches Ende im Voraus erwartet.
Schrubbs, ganz erſchüttert von dem tra⸗ giſchen Ende ſeines Herrn, brachte die Trauer⸗ nachricht zu Hanna und ihrem Vater, welche beide von dieſem Schlage auf's Tiefſte ergriffen wurden.
Indeſſen hatte der Kapitän einen ſo unfühl⸗ baren Einfluß auf die Lebensverhältniſſe der darbenden Familie geübt, daß die Zeit ſo ruhig wie ſonſt dahin floß, und die nur flüchtigen Thränen beider Kinder des Unglücklichen, Tho mas' und Sara's, galten mehr der trauernd Mutter als dem Schickſale ihres Vaters.
In der dürftigen und ärmlichen Umg wuchſen die beiden Kinder gedeihlich h Thomas, vom Pfarrer unterrichtet, Schrubbs, dem ehemaligen Soldaten Fechten, Reiten und Jagen geübt, erlangt durch eine kräftige körperliche Entwickelun einen Muth, welcher zu den ſchönſten Hof gen für ſeine Zukunft berechtigte.
In dem Parke, welcher ſich neben dem E hofe des nahe wohnenden Gutsherrn weit e dehnte, ſpazierte der nun ſchon ſechzehnjäh
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